Wolmirstedt l Die Jäger, welche ihre Reviere an der Bundesstraße 189 bei Wolmirstedt haben, sind empört. Immer wieder landen Schlachteabfälle in Gräben. „Leute, die diese Rester entdecken, denken oft, wir würden unser Handwerk nicht verstehen und wild in die Landschaft entsorgen“, sagt Alexander Lessing, dessen Revier quasi bis an die Ohre- stadt heranreicht. Das bestätigt auch sein Reviernachbar Oliver Grundt. „Schon angesichts der derzeit debattierten Seuchenproblematik gehen wir sorgsam vor“, sagt er. „Schließlich spielt da auch die Hygiene eine große Rolle.“ Die schiere Menge an immer wieder anfallenden Schlachteabfällen sei zudem ein Hinweis, dass sie kaum von einem Jäger stammen können.

Dennoch werden immer wieder Überreste von Wildtieren entdeckt – und das auch von Landwirten. Diese suchen dann das Gespräch mit Jägern. „Verblüffend ist auch, dass es sich um fachmännisch bearbeitete Knochen handelt“, fügt Alexander Lessing hinzu. „Wer auch immer der Verursacher ist, versteht sein Handwerk.“ Das Wild müsse außerdem nicht unbedingt von frisch erlegten Tieren stammen. „Heute ist es möglich, ganze Wildschweinhälften am Stück zu kaufen“, erläutert der Jäger. Es sei durchaus denkbar, dass die Reste dann hinterher in die Landschaft gekippt werden.

Hausschlachter als mögliche Verursacher

Die These könnte durchaus passen, denn Oliver Grundt hat von einem Landwirt entsprechende Beobachtungen in Erfahrung gebracht. Demnach ist der Bauer mit einem Traktor auf dem Feld unterwegs gewesen und habe zwei Personen bei der illegalen Entsorgung beobachtet. „Das waren ein Mann und eine Frau, die mit einem weißen oder silbergrauen Klein-Pkw unterwegs waren“, schildert der Jäger. „Die Personen sind danach nach Wolmirstedt gefahren und nach links in das Wohngebiet eingebogen.“ Zurückgelassen hätten sie Schlachteabfälle. Auch diese seien äußerst fachmännisch bearbeitet worden. Grundt hatte die Hinterlassenschaften persönlich in Augenschein genommen.

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Solche entdeckten Reste entsorgen für gewöhnlich dann die Jäger. „Manchmal stinkt es schon erbärmlich und wir müssen die Kadaver beseitigen“, sagt Oliver Grundt. Dabei verweist er wieder auf die Seuchendiskussion. Entdeckt hat er auch schon einen verendeten Schafbock, der in der Landschaft lag. „Ein Kamerunschaf oder eine Ziege – so genau war das angesichts des Zustands nicht mehr zu unterscheiden – habe ich auch schon gefunden“, berichtet er. „Das war allerdings schon wieder größtenteils fachmännisch verarbeitet worden.“

Gemeldet haben die Jäger ihre Entdeckungen beim Veterinäramt des Landkreises Börde. Dort ist man über die Fälle inzwischen bestens unterrichtet. Aber auch das Wolmirstedter Ordnungsamt und die Polizei wissen um diese Vorfälle.

„Bei Schlachteabfällen in der Feldmark handelt es sich in erster Linie nicht um eine Umweltgefährdung, auch wenn diese Art von Abfallbeseitigung illegal ist und es sich dabei nicht um ein Kavaliersdelikt handelt“, erklärt der Sprecher der Polizeireviers Börde in Haldensleben, Matthias Lütkemüller. Deshalb sei nicht die Polizei zuständig, sondern das jeweilige Ordnungsamt der betreffenden Gemeinde. Dennoch äußert der Polizist sein Unverständnis. „Schön ist das nicht. Schließlich zieht das ja jede Menge Getier an. Auch für Hundehalter ist das bestimmt nicht angenehm“, sagt Lütkemüller.

Beim Ordnungsamt in Wolmirstedt sind die Vorfälle um Schlachteabfälle bekannt. „Wir sprechen hier von drei bis vier Fällen im Jahr, wobei es im Frühjahr zu einer Häufung kommt“, sagt der Leiter des Fachdienstes „Ordnung und Sicherheit“ bei der Stadtverwaltung Wolmirstedt, Dirk Illgas. Vor allem Reste von Schafen würden immer wieder festgestellt, aber auch von Wildschweinen, „wobei die Kadaver am Küchenhorn entlang der Gleise wohl auf Wildunfälle mit der Bahn zurückzuführen sind“, sagt der Ordnungsamtschef. Die erwähnten Schlachteabfälle von Schafen stammen vermutlich von Privatleuten, meint Illgas.

Werden diese Abfälle aufgefunden, würden diese zumeist von der Stadt entsorgt. Anschließend wird die Entsorgung dem jeweiligen Grundstückseigentümer in Rechnung gestellt. Außerdem werde mit der Jägerschaft zusammengearbeitet und der Landkreis als oberste Müllbehörde eingeschaltet.

„Schlachteabfälle müssen professionell entsorgt werden, und zwar über eine Firma in Genthin. Das machen Gaststätten, Fleischer und Landwirte“, erklärt der Fachdienstleiter weiter. Diese Unternehmen müssten auch Nachweise über den Verbleib ihrer tierischer Abfälle erbringen. Deshalb geht Dirk Illgas davon aus, dass die Schlachteabfälle in der Feldmark aus Hausschlachtungen stammen.