Wolmirstedt l Die Magdeburgerin Nicole Jacobs träumt vom Wandel in der Pflege und Betreuung älterer Menschen. „Ich möchte weg von Häusern mit großen Bettenkapazitäten.“ Die 42-Jährige hat lange in der Altenpflege gearbeitet, war in leitenden Positionen tätig. Nun möchte sie neue Wege gehen, und zwar in Wolmirstedt.

Dafür haben sie und ihr Mann Robert dem Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverband (WWAZ) das Gelände in der Fabrikstraße abgekauft. Ihr Traum: barrierefreie Wohnungen und eine Tagespflege. Verläuft alles nach Plan, sollen die Wohnungen und Tagespflegeplätze 2021 fertig sein. Das Quartier soll den Namen „Wohnkultur an der Ohre“ bekommen.

Projekt eines Magdeburger Paares

„Wir wollen kein betreutes Wohnen anbieten“, stellt Nicole Jacobs klar. Sie setzt lieber auf das Konzept der Quartierspflege. In deren Mittelpunkt steht nachbarschaftliches und ehrenamtliches Engagement der Bewohner untereinander oder solcher Menschen, die sich gern um Hilfebedürftige kümmern. Grob gesagt bedeutet das: die Strukturen der Großfamilie werden aufgegriffen und durch freiwillige Gemeinschaften ersetzt. Bestenfalls können dadurch Menschen auch im hohen Alter in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Arbeitsplätze sollen lediglich in der Tagespflege entstehen, Nicole Jacobs spricht von vier bis neun.

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Das ehemalige WWAZ-Gebäude wollen Robert und Nicole Jacobs erhalten, wollen es modernisieren und zur Tagespflegestelle umbauen. Tagsüber soll sie 15 Menschen Heimat bieten, die abends wieder nach Hause gebracht werden. Die Rampe zur Auffahrt wird laut Plan eine Terrasse, die Fenster werden bodentief erweitert.

Betriebsstart im Jahr 2021

Daneben wollen sie ein Haus bauen, drei Etagen soll es haben, das oberste Geschoss etwas schmaler ausfallen, 24 bis 30 Wohnungen im Gebäude Platz finden.

Der Bedarf an barrierefreien Wohnungen scheint in Wolmirstedt groß zu sein und weiter zu steigen. Die Nachfrage ist für Anbieter spürbar. Das Bodelschwingh-Haus bietet 60 Wohnungen für betreutes Wohnen an, das DRK baut ebenfalls einen Wohnkomplex mit integrierter Intensivpflege, es gibt das sogenannte WohnenPlus-Haus der AWG in der Farsleber Straße, den Seniorenwohnpark in Farsleben mit elf Wohnungen sowie das Seniorenwohnheim mit 184 Pflegeplätzen. Derzeit sind 23,6 Prozent der Wolmirstedter über 65 Jahre alt, dieser Anteil wird in den kommenden Jahren auf 30 Prozent steigen.

Mit diesen Zahlen im Rücken wollen Nicole und Robert Jacobs demnächst die Bauvoranfrage stellen.