Ebendorf l Im Jahr 1904 hielt in Ebendorf in der Magdeburger Börde der Fortschritt Einzug: Das kleine Dorf bei Magdeburg wurde an das Stromnetz angeschlossen. Seither kommt die Energie aus der Dose, das Licht wird über Glühlampen erzeugt und der Müller mahlt sein Mehl elektrisch. Seit einigen Jahren schon wird in dem Ort selbst Strom erzeugt.

Los ging es vor einigen Jahren mit der Errichtung von vier Windenergieanlagen westlich der Ortschaft. Im Jahr 2011 errichtete das Unternehmen Abo Wind AG nahe der Autobahn A2 eine Biogasanlage. Nun hat sich eine Photovoltaikanlage hinzugesellt, die jüngst ihren Betrieb aufnahm – ebenfalls gebaut von der Wiesbadener Firma.

800.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr

Laut Projektleiter Konstantin Weber können die auf 1,5 Hektar verteilten Kollektoren rund 800 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Das entspreche dem Verbrauch von etwa 230 Dreifamilienhäusern, also rund ein Drittel aller Ebendorfer Haushalte“, rechnet der Betriebswirtschaftler vor.

Die Bauzeit betrug etwa vier Monate, geplant worden sei freilich schon viel länger. So musste das Ackerland, das bereits Bestandteil eines ausgewiesenen Gewerbegebietes war, bearbeitet werden. Doch zuvor standen harte Verhandlungen mit Grundstückseigentümern an. Auch die Planungs- und Genehmigungsphase kostete ein Jahr Zeit. So mussten beispielsweise die Paneele um wenige Grad versetzt installiert werden, da ansonsten die Gefahr von Blendungen der Autofahrer auf der A2 bestanden hätte. „Doch nun steht die Anlage, mit der etwa 500 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart werden können“, erläutert Konstantin Weber.

Doch sein Unternehmen hat die Projekte nur ausgeführt. Kunde und Betreiber ist nunmehr die GVS-Unternehmensgruppe aus dem baden-württembergischen Rottweil.

Erste Gespräche gab es schon vor zwei Jahren

Barlebens Bürgermeister Frank Nase (CDU) beglückwünschte den Investor zu seinem Engagement. Schon vor zwei Jahren, nämlich zu seinem Amtsantritt, seien erste Gespräche zu dem Vorhaben geführt worden. „Es ist gut, dass das Areal zur Herstellung von Ökostrom gesichert wurde“, erklärte der Rathauschef weiter.

Auch Ortsbürgermeister Manfred Behrens (CDU) zeigte sich begeistert von dem Projekt. „Ich freue mich, dass es das bundesdeutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz schon jetzt nach Ebendorf geschafft hat. Ich wünsche dem Betreiber viel Erfolg“, sagte der Politiker.

ABO Wind ist ein weltweit agierender Projektierer für erneuerbare Energien. Seit 1996 hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge Windenergie-, Solar- und Biogasprojekte mit gut 3000 Megawatt Leistung entwickelt und veräußert, rund die Hälfte davon schlüsselfertig. Aktuell arbeiten mehr als 600 Mitarbeiter in 16 Ländern auf vier Kontinenten an der Entwicklung neuer Wind- und Solarparks mit einer Gesamtleistung von gut zwölf Gigawatt. Zwei Drittel der in Entwicklung befindlichen Projekte nutzten Windkraft und ein Drittel Solarkraft.