Wolmirstedt l „Ich habe endlich mal erlebt, wei viel Arbeit und Aufwand in der politischen Entscheidungsfindung steckt. Man versteht jetzt, warum die Sondierungsgespräche in Berlin so lange dauern“, sagt eine Schülerin als Vertreterin der Europäischen Kommission.

Vor den Weihnachtsferien durften sie im Planspiel mit 61 ihrer Mitschüler als Mitglieder der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments, des Ministerrats oder als Vertreter verschiedener Interessengruppen und der Presse die europäische Politik in Eigenregie mitgestalten und die europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik diskutieren. Die Jugendlichen waren mit Begeisterung bei der Sache und spürten, wie schwierig es sein kann, die unterschiedlichen Meinungen und Vorstellungen der politischen Lager in einem Kompromiss zu vereinen.

Hitzige Debatten über Abkommen

Schwerpunkt der teils hitzigen Debatte war vor allem die gerechte Verteilung der Geflüchteten in die EU-Länder unter Berücksichtigung der Arbeitsfähigkeit und finanziellen Möglichkeiten einzelner Länder. Zwei der Hauptstreitpunkte waren dabei die Diskussion über die Einführung des Relocation-Programms mit Flüchtlingsquote und die Beibehaltung des Dublin-III-Abkommens. Weitere strittige Punkte waren die Integrationsmöglichkeit und die Registrierung der Geflüchteten sowie der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union, etwa durch das Frontex-Abkommen. Allen Beteiligten war die Umsetzung des europäischen Gedankens besonders wichtig.

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Bei den Verhandlungen über die formulierten Änderungsanträge zwischen dem Ministerrat und dem Europäischen Parlament bestand größtenteils Kompromissbereitschaft zwischen den Kammern, wobei nicht bei jedem Punkt ein Konsens gefunden werden konnte, sodass die Richtlinie zur Neuregelung der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik am Ende in die Nachverhandlung gehen muss.

Spannende Entscheidungsfindung

Ziel des Planspiels war es, ein besseres Verständnis für politische Entscheidungsfindung auf europäischer Ebene unter Einbezug von verschiedenen Standpunkten und Ansichten zu vermitteln. „Ich fand es spannend, einmal in eine Rolle zu schlüpfen und einen Standpunkt zu vertreten, der mir eigentlich gar nicht entspricht“, hieß es am Ende von einer Schülerin, die eine europaskeptische Gruppe vertreten hatte.