Wolmirstedt l Melissa, Joanne, Emma und Amy würden während der Sommermonate am liebsten jeden Monat ins „paddelnde Klassenzimmer“ steigen. Die Kanutour hat den Mädchen der siebten Klasse außerordentlich gut gefallen und tolle Erfahrungen vermittelt. „Wir haben Paddeln gelernt“, fassen sie zusammen, „und dabei erlebt, dass wir als Team zusammenhalten und im selben Takt paddeln müssen. Hier kann nicht jeder machen, was er will.“

Das „Paddelnde Klassenzimmer“ bedeutet jedoch weit mehr, als eine gemeinsame Tour auf der Ohre. „Es ist eine Art fächerübergreifender Unterricht“, erklärt Chemielehrer Axel Nielebock, der das Projekt vor sechs Jahren aus der Taufe gehoben hat. Wasser steht im Lehrplan der siebten Klassen und wird sowohl im Chemie als auch im Biologieunterricht behandelt. So wird im Rahmen des „Paddelnden Klassenzimmers“ das Ohrewasser zum Untersuchungsobjekt. Die Mädchen und Jungen nehmen Proben und bestimmen im Labor unter anderem den pH-Wert, die Wasserhärte oder den Phosphatgehalt. „Beim Vergleich mit der EU-Norm schneidet das Ohrewasser hervorragend ab“, wissen die Mädchen. Auch die Nitrate, die auf Grund der Überdüngung von Feldern anderen Gewässern zu schaffen machen, bleiben in der Ohre unter den Grenzwerten.

80-Jähriger begleitet die Touren

Zum Projekt gehört auch der Besuch des Klärwerkes. Dort erläutern die Mitarbeiter des Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverbandes, wie benutztes Wasser gereinigt und sauber wieder in die Ohre zurückgeführt wird. „Sie nehmen sich jedes Mal sehr viel Zeit für uns“, erlebt Axel Nielebock immer wieder.

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Die Boote werden vom Kanuverein, vom Nabu und vom Barleber Gerhard Rentzsch zur Verfügung gestellt. Der 80-Jährige begleitet außerdem die Tour auf dem Wasser, zeigt den Mädchen und Jungen, wie sie das Boot Richtung Wehr auf Kurs halten können. Aufmerksamkeit fordert er bei Bedarf mit einer Art Nebelhorn ein.

Das „Paddelnde Klassenzimmer“ haben auch Paula Bode und Vivien Giese in guter Erinnerung. Sie besuchen inzwischen die elfte Klasse, doch als sie vom Wettbewerb „Ideen machen Schule“ der Braunschweiger PSD-Bank und der Volksstimme erfuhren, haben sie der Jury das Projekt vorgelegt. Es bekam einen Preis. Die PSD-Bank hat insgesamt 50.000 Euro Preisgeld vergeben, das „Paddelnde Klassenzimmer“ wurde mit 1500 Euro gewürdigt. Das freut auch den Schulleiter Carsten Koslowsky. Das Geld kommt fast komplett dem Schulförderverein zugute. Zehn Prozent dürfen die elften Klassen von Paula und Vivien behalten und für ihren Abiball im kommenden Jahr ausgeben.

Lehrer Axel Nielebock möchte das verbleibende Preisgeld für kommende „Paddelnde Klassenzimmer“ einsetzen. „Vielleicht für ein digitales Messgerät oder für Geräte, mit denen wir die Tierwelt der Ohre untersuchen können.“ Paula Bode und Vivien Giese jedenfalls würden sich freuen, wenn noch viele Schülergenerationen nach ihnen paddelnd unterwegs sind. „Paddelndes Klassenzimmer“ heißt, Lernen mit allen Sinnen und erfordert außerdem Kraft. Melissa, Joanne, Emma und Amy jedenfalls staunten nach ihrer Tour: „Wie lang doch die Ohre ist...“