Wolmirstedt l Mit vielen bunten Farben agierten die Schüler der Gutenbergschule gestern. Sie malten unter anderem Wasserstraßen und lernten Wissenswertes zum Thema Holi-Festival in Indien. Der Hintergrund: Angehende Sozialassistenten im ersten Lehrjahr hatten einen Projekttag zum Thema „Rund um die bunte Welt“ mit den Grundschülern veranstaltet.

Damit stellten sie praktisch unter Beweis, was sie bisher theoretisch gelernt haben, das erklärt Alice Pechauf, die Lehrerin, die an der evangelischen Fachschule für Soziale Berufe in Wolmirstedt für den Fachbereich „Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsprozesse strukturieren, reflektieren und an diesen mitwirken“, zuständig ist.

An der evangelischen Fachschule erlernen die Schüler die Ausbildung zum Sozialassistenten. Der Sozialassistent, erklärt sie weiter, ist eine Vorstufe zum Erzieher – mit der Ausbildung könne man danach jedoch auch Altenpfleger oder Heilerzieher werden. Der Sozialassistent stehe jedoch auch für sich – allerdings, wie der Name es schon sage, assistiere er nur. Das erste Ausbildungsjahr, so erklärt es Alice Pechauf, besteht vor allem aus Theorie.

Umso wichtiger sei es deshalb, dass die Schüler zum Abschluss des ersten Jahres lernen, diese in das gelernte auch umzusetzen und vor einer Klasse zu stehen. Die Schüler sind dafür in drei Gruppen mit jeweils drei Sozialassistenten aufgeteilt.

Im Töpferraum

Während eine der Auszubildenden den Kindern im Töpferraum erzählt, wie in Indien mit bunten Farben der Frühling begrüßt wird, hört die Klasse gebannt zu. „Wow“, ruft ein Mädchen dazwischen. Das Thema zu finden und die gesamte Organisation lag in den Händen der Auszubildenden, zur Seite stand ihnen Janet Bernsdorf als Mentorin. Janet Bernsdorf ist Lehrerin an der Gutenbergschule, jedoch auch zuständig für den Praktikumsbereich der Sozialassistenten. Als Mentorin leitet sie die Auszubildenden an. Bereits seit zehn Jahren besteht die Kooperation zwischen der Gutenbergschule und der Fachschule. Im zweiten Jahr sind die Schüler wochenweise in der Fachschule und in der Praxis an der Gutenbergschule. Parallel zum Projekttag an der Gutenbergschule waren auch angehende Sozialassistenten an der Diesterweggrundschule in Wolmirstedt.

Im Moment sind an der Gutenbergschule neun Praktikanten der Fachhochschule tätig. Sie sind alle im zweiten Ausbildungsjahr. Es laufe sehr gut, so Bernsdorf, die Praktikanten seien eine gute Unterstützung.

Es sei eine besondere Art von Praktikum, sagt Pechauf. „Denn jeder nimmt gerne Praktikanten. Aber unsere Schüler lernen hier auch etwas. Es ist für beide eine richtige Win-Win-Situation“, so Pechauf. Und wie steht es mit den Chancen auf eine Ausbildungsstelle und danach?

„Im Moment sind soziale Berufe sehr gefragt“, so Pechauf. Gerade Erzieher werden händeringend gesucht, der Fachkräftemangel mache sich auch hier bemerkbar. Viele Bewerber gäbe es, weitere seien jedoch jederzeit willkommen. Für die Arbeit mit Kindern müsste man aber ein spezielles Gespür haben. Nicht jeder sei geeignet.

Anwenden, was gelernt wurde

Die Auszubildende Wiebke Schöne ist zum Beispiel eine, die Gefallen gefunden hat an der Arbeit mit Kindern. „Mir hat der Projekttag sehr viel Spaß gemacht“, so die 18-Jährige. „Endlich konnten wir einmal anwenden, was wir in der Ausbildung gelernt haben“, so die junge Frau. Dasss sie den Beruf der Erzieherin ergreifen möchte, das sei ihr bereits früh klargewesen. Ihre Mutter arbeitete im selben Job.

„Es war immer das Einzige, was ich mir vorstellen konnte“, so Schöne. Unter den Schülern der Grundschule befinden sich verschiedene Kinder, inklusive Kinder und mit Migrationshintergrund. Genau das mache den besonderen Reiz für die Auszubildende aus. „Natürlich ist es schwierig, sich auf jedes Kind einzustellen, jedes individuell zu fördern, aber das macht auch jeden Tag spannend“, sagt die 18-Jährige. Zur Organisation des Projekttags sagt sie: „Das war schon anstrengend. Es gibt schon Tage, an denen es stressig werden kann. Aber am Ende ist es ein Job wie jeder andere“, so Schöne.

Sie wohnt in Magdeburg und pendelt für die Ausbildung jeden Tag nach Wolmirstedt, doch der gute Ruf der Schule habe ihr bei der Entscheidung geholfen, in Wolmirstedt zu lernen, sagt sie. Bereut sie ihre Entscheidung? „Nein, für mich ist es genau der richtige Job. Aber es ist kein Beruf für jeden. Man muss schon Verständnis für Kinder mitbringen“, so die junge Frau. Später möchte sie am liebsten mit behinderten Kindern arbeiten.

Die Sozialassistenten malten nicht nur Wasserstraßen mit den Schülern, sie bauten auch Lava-Lampen und tanzten den Macarena, als Tanz aus einem anderen Land, sagt Pechauf und lächelt. Das Thema passe optimal, so Bernsdorf, denn so bunt wie die Welt, so verschieden seien die Kinder.