Irxleben l Die Banner in Irxleben sind nicht zu übersehen. Seit einigen Wochen machen Anwohner der Abendstraße und der Helmstedter Straße (Bundesstraße 1) ihrem Ärger, der schon länger in ihnen wächst, auf sichtbare Weise Luft. Sie richten sich an die Lkw-Fahrer, hier auch als Mautpreller bezeichnet, und an die Politiker, denn sie fühlen sich von der Last des Lkw-Verkehrs fast erdrückt und enorm in ihrer Lebensqualität eingeschränkt.

Risse an den Fassaden

Im Schrank vibrierende Gläser, wackelnde Betten und deutliche Risse an Häuserfassaden sind nur einige Erscheinungen, mit denen die Anwohner in ihrem Alltag klarkommen müssen, wenn sich Autos und vor allem Lkw Tag für Tag durch Irxleben quälen. So war es auch ein Thema für Ortsbürgermeister Jürgen Kebernik (CDU), das ihn jüngst zu einer kleinen Versammlung ins Gemeindehaus einladen ließ. Die Wichtigkeit des Themas wurde deutlich, als sehr viele Betroffene der Einladung nachkamen, obwohl es ein Vormittag eines Arbeitstages war.

Schuld an der Misere in dem Bördedorf ist einerseits die Nähe zur Autobahn inklusive einer Autobahnauffahrt am Ortsrand. Nils Funke, der in Irxleben heimisch ist und sich als Planer auch oft mit verkehrsrelevanten Themen beschäftigt, weist zurück, dass die Autobahn 2 eine Autobahn ist, wie sie andere Dörfer auch vor der Tür haben.

Beliebte Ausweichstrecke

Er schätzte ein, dass auf der Autobahn bei Irxleben übermäßig häufig Stau ist, der die Fahrzeuge dann durch den Ort ausweichen lässt. So waren auch die häufigen Staus und der damit verbundene übermäßige Verkehr auf der Bundesstraße 1, als die Autobahnauffahrt Irxleben Ende Juni saniert wurde, keine Ausnahmeerscheinung.

Der Lkw-Verkehr der logistik-intensiven Unternehmen im Umfeld von Irxleben belastet die Irxleber zusätzlich. Dabei spielt nach Aussage von Nils Funke auch eine geologische Besonderheit eine Rolle. Unter der Abendstraße befindet sich eine „Lehmlinse“, die die Erschütterungen des Lastverkehrs in besonderer Weise auf die Häuser überträgt.

Doch besonders der Ortsbürgermeister, der auch Gemeinderat ist und in der vergangenen Legislaturperiode schon war, hat die Hoffnung auf eine Änderung noch nicht aufgegeben. Er erinnerte daran, dass der Gemeinderat der Hohen Börde 2018 mehrheitlich einen Grundsatzbeschluss gefasst hat, eine Ortsumgehung für Irxleben in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen. „Eigentlich wollen wir den Verkehr aus Irxleben raushaben“, unterstrich auch Jörg Stern (Die Linke), der nicht nur stellvertretender Ortsbürgermeister von Irxleben ist, sondern ebenfalls im Gemeinderat in der aktuellen und der vergangenen Legislaturperiode vertreten ist und war. „Wir bleiben dran und werden genau schauen, was mit dem Antrag bisher passiert ist“, so Kebernik.

Tempo-Limit gewünscht

Nach seiner Aussage sollte es neben dem langfristigen Ziel der Aufnahme der Ortsumgehung in den Bundesverkehrswegeplan noch einige Maßnahmen geben, die kurz- oder mittelfristig angegangen werden, um Entlastung zu schaffen. Dazu gehört unter anderem auch ein Verkehrswegekonzept für Irxleben und die umliegenden Orte, die regelmäßig von Umleitungsverkehr und auch von dem Lkw-Parkproblem im Elbe-Park betroffen sind. Ob die Lkw des nahen Steinbruchs die Autobahn über den Rasthof Börde-Süd erreichen können, ist in diesem Zuge nach Wunsch der Bürger ebenso zu prüfen.

Die betroffenen Anwohner können sich aber noch andere vorübergehende Lösungen vorstellen: so auch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der Abendstraße und teilweise auf der Helmstedter Straße, notfalls auch nur nachts oder tonnagebegrenzt. Doch sollten nicht nur Schilder aufgestellt, sondern die Einhaltung auch kontrolliert werden. „Kann die Gemeinde nicht blitzen?“ war eine Frage der Anwohner.

Eine Alternative zu den Geschwindigkeitsreduzierungen wären vielleicht auch sogenannte Geschwindigkeitsanzeigetafeln, die die Gemeinde selbst aufstellen könnte, obwohl sie sonst aus der Zuständigkeit heraus ist. Auch in einer Beschilderung, die den Umleitungsverkehr von der A 2 gezielt durch das Gewerbegebiet lenkt, wäre für die Betroffenen eine Lösung. Ebenfalls wollen sie sich aktiv an der nächsten Lärmkartierung – die für 2020 vorgesehen ist – beteiligen.