Wolmirstedt l Allein das Notarzt-Einsatzfahrzeug des ASB war 1029 Mal im Jahr 2020 im Einsatz, der Rettungswagen (RTW) brachte es auf 1337 Fahrten. Das waren 23 mehr als im Vorjahr. Ähnlich sieht es bei den Johannitern aus. Der Sprung von 1500 (2019) auf 1539 bedeutet ebenfalls einen leichten Anstieg für den RTW.

Eine gravierende Sache kam im zurückliegenden Jahr auch noch dazu, und zwar die Corona-Pandemie. Für die Retter ist der Umgang mit einem Virus an sich keine so besondere Herausforderung, geschult sind sie dafür nämlich alle. Die Dimension allein ist jedoch nicht alltäglich. „Am Anfang gab es natürlich erst einmal Berührungsängste“, bestätigt Michael Heu, Notfallsanitäter und Leiter der ASB-Rettungswache in Wolmirstedt. „Es ist auch heute noch ein gewisser Respekt da, wenn wir Covid-Patienten befördern.“ So ein Einsatz werde nie Routine, obwohl alle Mitarbeiter darauf vorbereitet sind.

„Natürlich ist die Zahl der Infektionsfahrten gestiegen“, bestätigt auch Matthias Ohlrich, Notfallsanitäter und Leiter der Rettungswachen im Landkreis Börde. „Der Aufwand ist höher als zuvor, da eine entsprechende Vor- und Nachbereitung erforderlich ist.“ Die Retter treten in solchen Fällen in entsprechender Vollschutzkleidung (Einmalanzug) an, eine FFP2-Maske muss ohnehin getragen werden. „Es gab da zu Beginn der Pandemie noch einige Probleme mit der Lieferung von benötigten Materialien“, erzählt er weiter. „Zum jetzigen Zeitpunkt stellt das aber keine Hürde mehr da.“ Die Retter seien gut ausgestattet und Engpässe gibt es derzeit nicht.

Leitsystem neu eingeführt

Die benötigten Schulungen für die bisherigen Rettungs­assistenten sind bei den Johannitern erfolgt, sodass die betroffenen Mitarbeiter jetzt Notfallsanitäter sind. Beim ASB ist man fast am Ziel angekommen. „Es gab Verzögerungen durch die aktuelle Situation, aber wir sind fast durch“, sagt Heu. „Die Ergänzungsprüfung muss ja in Präsenz erfolgen.“

Das im Jahr 2020 im Landkreis eingeführte Patientenleitsystem hat sich als Erfolg erwiesen. „Wir haben Kontakt zur Leitstelle und bei Bekanntgabe des Diagnoseschlüssels werden die Patienten den Krankenhäusern zugewiesen. Das klappt ganz gut“, schätzt Heu ein. „Man kann sich das als eine Art Ampelsystem vorstellen.“ Es gab aber auch schon sogenannte Patientenspitzen in einigen Häusern, sodass überregionale Lösungen gefunden werden mussten. Der Johanniter-RTW brachte sogar schon einen Covid-Patienten nach Halberstadt. In der Hochzeit der Pandemie beförderten beide RTW pro Tag je einen Covid-Patienten an sein Ziel.

Neue Technik für Retter

Da mittlerweile alle behandelnden Notfallkliniken spezielle Covid-Stationen eingerichtet haben, sei das Handeln jetzt besser steuerbar. „Wir sind natürlich immer bemüht, Patienten in direkter Nähe einzuliefern“, versichert Matthias Ohlrich. Natürlich hänge das auch von der Diagnose ab. Die Retter werden zudem öfter gerufen, auch wenn nur ein pflegerisches Problem vorliegt. Dafür wären sie eigentlich nicht zuständig, allerdings haben sie in Zeiten der Corona-Pandemie ein gewisses Verständnis dafür entwickelt. Das Einsatzspektrum ist in den anderen Fällen in etwa gleich geblieben. Die Absicherung von Veranstaltungen in der Region fiel, ebenso wie die Events, aus.

Voraussichtlich im zweiten Quartal 2021 bekommt das Notarzt-Einsatzfahrzeug auch eine Reanimationshilfe. Bis dahin müssen die Retter bei Fahrten noch selber Hand anlegen – stehend im Fahrzeug. Außerdem bekommen die Johanniter zwei moderne Defibrillationsgeräte. Die sind in der Lage, elektronische Daten an die betreffenden Krankenhäuser zu senden. „Digitalisierung kostet zwar Geld, wir dürfen aber bei der Patientenversorgung nicht stehen bleiben“, argumentiert Ohlrich. Er schätzt zudem ein, dass es wegen der Maskenpflicht ein sehr geringes Grippeaufkommen gebe. Der Schutz helfe tatsächlich gegen die Verbreitung von Erkältungskrankheiten. Diese Erfahrungen habe man auch in China gemacht.

„Wichtig ist, dass sich die Bürger impfen lassen, damit wir eine Herdenimmunität erreichen“, sagt er. „So bekommen wir die Infektionsraten herunter und können dann irgendwann auch wieder relativ normal leben.“