Colbitz l Als im Juli dieses Jahres die Paneele von den Wänden des Kirchsaales entfernt waren, entdeckten die Handwerker, dass die Balken des Fachwerkes stark verschlissen, teilweise regelrecht verfault waren.

„Von außen ist Wasser eingedrungen. Das hat vor allem die Schwellenbalken stark angegriffen. Auch der Holzfußboden konnte nicht mehr gerettet werden“, berichtet Pfarrer Dieter Kerntopf. Zu allem Übel gesellte sich auch noch die Entdeckung, dass die Dachsparren des Gebäudes vom Hausbock befallen und nicht mehr zu verwenden waren.

Holzfußboden nicht zu retten

Aus der Renovierung des Kirchsaales, die mit einem Kostenvoranschlag von etwa 12.000 Euro geplant worden war, wurde eine aufwändige Baumaßnahme. „Wir rechnen jetzt mit Kosten von etwa 130.000 Euro“, informierte Pfarrer Dieter Kerntopf am Mittwoch bei einem Vororttermin auf der Baustelle.

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Hier wird der ganze Umfang der anstehenden Arbeiten deutlich. Handwerker tummeln sich in dem altehrwürdigen Gebäude. Von dem im Colbitzer Sprachgebrauch auch Kantorat genannten Kirchsaal stehen derzeit lediglich noch die gemauerte Straßenfront sowie das Fachwerk der anderen Wände. Das Ständerwerk ermöglicht ohne das ausgemauerte Gefache einen fast ungehinderten Blick auf die benachbarte Paulus-Kirche.

„Die beschädigten Teile des Fachwerkes werden jetzt durch Eichenbalken ersetzt“, informiert der Lindhorster Planer Jochen Schenk, der die Arbeiten im Auftrag der Kirchengemeinde koordiniert. Inzwischen ist bereits der alte Dachstuhl komplett abgerissen und durch einen neuen ersetzt worden.

Dachstuhl komplett ersetzt

Sämtliche Zimmermannsarbeiten führen Handwerker aus dem Borner Betrieb Seidel und Friedrich aus. Auch die Decke des Kirchsaales muss komplett erneuert werden. „Im Zuge der Arbeiten müssen wir die Elektroanlage neu installieren“, weist Dieter Kerntopf auf einen weiteren Arbeitsschritt hin. Er vermutet, dass das ehemalige Kantorat, in dem einst Colbitzer Kinder unterrichtet wurden, etwa so alt ist wie das Colbitzer Pfarrhaus. „Das wurde 1813 errichtet“, weiß der Pfarrer.

Da die umfangreichen Arbeiten nicht vorher geplant werden konnten, sei es aussichtslos Fördermittel zu beantragen, weiß Dieter Kerntopf aus den Erfahrungen seiner Mitarbeit in der Lokalen Aktionsgruppe „Colbitz-Letzlinger Heide“. Auch beim Kirchenkreis seien für dieses Jahr alle zur Verfügung stehenden Mittel verplant.

Deshalb muss die Colbitzer Kirchengemeinde die Baumaßnahme aus eigenen Mitteln stemmen. „Zum Glück sind bereits einige großzügige Spenden eingegangen“, bedankt sich Dieter Kerntopf. Auch von der Kirchensanierung vor einigen Jahren seien noch Spendengelder vorhanden.

130.000 Euro Kosten

„Um die komplette Baumaßnahme finanzieren zu können, sind allerdings noch einige Mittel erforderlich“, bittet Kerntopf um eine nicht nachlassende Spendenbereitschaft.

Er hofft, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können. „Schön wäre es, wenn wir den Kirchsaal schon in der Adventszeit wieder nutzen können. Ein fixer Termin dabei ist die Adventsfeier des Paulus-Chores, die am 7. Dezember stattfinden soll.“