Wolmirstedt l Die Halle der Freundschaft gehört zur Diesterweg-Grundschule, die sich über regen Zulauf freut. Statt der prognostizierten 189 Schülerinnen und Schüler lernen dort 223, also weit mehr, als ursprünglich erwartet. Die meisten dieser Kinder freut es wohl, wenn Schulsport auf dem Plan steht. Dann können sie in der Halle der Freundschaft toben. Daneben wird die Halle auch von Menschen jenseits des Grundschulalter gut genutzt, nach 16 Uhr steht sie dem Vereinssport offen. Außerdem richten die Baskelballer darin ihre Heimspiele aus, bei denen hunderte Besucher mitfiebern, in den Wintermonaten kämpfen Fußballer in Hallenturnieren um Siege. Kurz: Die Halle ist gefragt.

Technik ist alt

Die Sportler sollen gute Bedingungen vorfinden, doch die technischen Anlagen sind alt, die letzte Sanierung ist 25 Jahre her. Besonders die Lüftung im Sozialtrakt, die dazu gehörigen Leitungen und die Sanitäranlagen brauchen dringend eine Erneuerung.

Nun steht Geld zur Verfügung, 322.000 Euro sollen ausgegeben werden. Ein Großteil, 90 Prozent davon sind Fördermittel. Die Stadt muss nur 32.000 Euro übernehmen. Doch obwohl die Sanierung dieser stadteigenen Halle dringend nötig ist, gibt es auch ein weinendes Auge. Denn das Geld war eigentlich für die Gutenberg-Grundschule geplant. Es sollte helfen, notwendige Arbeiten zu finanzieren, die einem Schultausch folgen.

Geld war für die Gutenberg-Schule geplant

Zu diesem Schultausch oder Ähnlichem ist es bisher nicht gekommen. Der Kreistag will erst am Mittwoch, 11. Dezember, den Haushalt für den Landkreis Börde beschließen und damit eventuell auch Millionen für den Schultausch. Ohne so einen Beschluss rührt sich gar nichts in der Sache, wie die Platznot in der Gutenberg-Schule behoben werden kann.

Die Platznot betrifft die Gemeinschaftsschule, die sich in Trägerschaft des Landkreises befindet und im stadteigenen Gutenberg-Schulhaus untergebracht ist. Die Gemeinschaftsschüler residieren dort gemeinsam mit den Grundschülern.

Schulhaus ist eng

In diesem Schulhaus ist es so eng, dass Klassen der Gemeinschaftsschule in die ehemalige Harnisch-Schule ausgewichen sind. Der Landkreis muss sich also dringend um genug Platz für seine Gemeinschaftsschulklassen kümmern.

Wolmirstedt selbst hat eigentlich genug Platz für seine Grundschüler im eigenen Gutenberg-Schulhaus und nimmt sich trotzdem nicht aus der Verantwortung. Die Stadt würde sich mit 1,45 Millionen Euro an einem Schultausch beteiligen. Die Hausaufgaben sind gemacht, das Geld ist in den Haushalt eingestellt. Auch die Fördermittel, die nun in die Halle der Freundschaft fließen, waren eigentlich für die Gutenberg-Schule geplant.

Zeit ist davongerannt

Nun ist die Zeit davongerannt. Egal, welche Entscheidung der Kreistag am Mittwoch fällt, für dieses Geld kommt sie zu spät. Die Fördermittel müssen bis zum Jahresende beantragt werden, sonst sind sie verloren. Deshalb hat Wolmirstedt zugunsten der Sanierung der Halle der Freundschaft umgeschichtet.

Das ist möglich, weil die Förderung für Schulen gilt und beide Schulen samt ihrer Sporthallen der Stadt gehören, Wolmirstedt also für beide gleichermaßen verantwortlich ist ungern auf so viel Fördergeld verzichten wollte.

Schule zieht den Kürzeren

So schön diese Investition für die Zukunft die Halle der Freundschaft ist, Bürgermeisterin Marlies Cassuhn zeigt sich ein bisschen traurig. „Damit sind diese Mittel für einen Schultausch oder Ähnliches weg.“ Sie sind nun anderweitig ausgegeben, weil es im Kreis keine Entscheidung gab.“

Wie geht es mit dem Schultausch weiter?

Ohnehin: Wie es in Sachen Schultausch weitergeht, bleibt spannend. Nach der Schulentwicklungsplanung werden künftig nur noch zwei statt bis zu fünf fünfte Klassen in die Gutenberg-Gemeinschaftsschule eingeschult, künftig also höchstens 56 Kinder. „Mehr als die Zweizügigkeit wäre aufgrund fehlender räumlicher Kapazitäten nicht vertretbar“, heißt es aus dem Landkreis. Und diese Vorgabe der Zweizügigkeit ab der fünften Klasse hat weitreichende Folgen.

Die Raumnot gibt es auch deshalb, weil jetzt die gymnasiale Oberstufe aufwächst. Das heißt, ab diesem Schuljahr gibt es Klassen, die sich bei Gutenbergs auf das Abitur vorbereiten. Aber: Läuft sich die Abiturstufe etwa mit der neuen Regelung tot? Gibt es künftig überhaupt genug Nachwuchs aus den eigenen Reihen?

Die Mädchen und Jungen, die an der Gutenberg-Schule das Abitur ablegen wollen, haben zumeist schon vorher diese Schule besucht, in Erwägung gezogen, dort dreizehn Schuljahre zu verbringen, sind bewusst nicht in der fünften Klasse aufs Gymnasium gewechselt.

Es muss genug Schüler geben

Doch für die Abiturstufe bedarf es ausreichend starker Klassen. Abgesehen von einer geforderten Mindestschülerzahl wird es sonst schwierig, ausreichend Fachlehrer bereitzuhalten. Was, wenn aus den künftigen lediglich zwei fünften Klassen nicht genug Abiturwillige nachwachsen, wenn nicht ausreichend Schüler aus anderen Schulen zu Gutenbergs in die gymnasiale Oberstufe wechseln? CDU-Stadtrat Uwe Claus stellte in den Raum: „Wird der Schultausch damit von unten kalt erledigt?“

Wie es mit der Gutenberg-Gemeinschaftsschule weitergeht, liegt vorerst allein beim Landkreis. Wenn der Kreistag am Mittwoch tagt und auch über diesen Punkt berät, wollen Vertreter der Gutenberg-Grundschule und der Gutenberg-Gemeinschaftsschule die Diskussionen der Kreistagsmitglieder in Haldensleben vor Ort mitverfolgen.

Egal, wie die Entscheidung ausfällt, die Halle der Freundschaft wird bald auf den neuesten Stand gebracht. Mit dem Geld, das eigentlich der Gutenberg-Schule dienen sollte. Die Sportler wird es freuen.