Barleben l Als sie abends von der Arbeit nach Hause kam, glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen. In ihrer Garage, wo bisher ein kleiner Riss zu sehen war, klaffte ein Loch. Martina Gitschat war schockiert. Von außen wurde der Schaden noch sichtbarer: Auch in der ersten Etage ihres Hauses fehlte ein Stück der Außenwand, die alten Holzbalken ragten ins Leere.

Auslöser für das Loch in der Hauswand sind Abrissarbeiten einer alten Scheune in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Barleben. Dort will die Konsum Optimal-Kauf eG Haldensleben das marode Gebäude abreißen und stattdessen ein Wohnhaus errichten. Beide Gebäude verbindet jedoch ein gemeinsamer Giebel.

Häuser teilen sich den Giebel

Das ist eine häufige Tücke bei alten Häusern. Eine tragende Wand stützt in diesem Fall zwei Nachbargebäude ab. Wird diese sogenannte Abschlusswand beschädigt, kann es zum Einsturz des Nebengebäudes kommen. „Die Risse in der Garage haben sich in den letzten Tagen noch vergrößert“, erzählt Martina Gitschat. „Ich habe Angst, dass mir mein Haus auf den Kopf fällt.“

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Die Volksstimme hakte beim Unternehmen Konsum Optimal-Kauf eG nach. Dieses antwortete nur schriftlich. In dem Schreiben heißt es: „Selbstverständlich wurden die bestehenden baulichen Gegebenheiten berücksichtigt.“ Die Besonderheit der gemeinsamen Giebelwand sei bei dem Abriss in besonderem Maße berücksichtigt und dementsprechende Sicherungen vorgenommen worden, heißt es von Seiten des Unternehmens. Konsum Optimal-Kauf hatte Anfang des Jahres einen unabhängigen Gutachter aus Haldensleben beauftragt, eine Bestandsaufnahme zu machen. Dort wurde notiert, dass ein Riss in der Hauswand ist. Dieser sollte vor Beginn der Baumaßnahmen beseitigt werden. Das bestätigt auch das Unternehmen Konsum Optimal-Kauf.

Auf Nachfrage zu den Schäden an dem Haus von Martina Gitschat geht das Unternehmen nicht direkt ein. In dem Schreiben heißt es nur: „Mögliche entstehende Schäden, die durch die Baumaßnahme eventuell verursacht sein können, werden von uns fachgerecht beseitigt.“

Statiker wird kommen

Für Martina Gitschat bleiben viele Fragen. Sie macht sich Sorgen um ihre Zimmervermietung, die sie in ihrem Haus betreibt. Das Gästezimmer ist derzeit nicht bewohnbar. Das Bauunternehmen hat die offenen Stellen notdürftig mit Holzplatten und Planen abgedeckt.

„Ich fühle mich allein gelassen“, sagt Martina Gitschat. Bei dem Haldensleber Unternehmen sei nie jemand ans Telefon gegangen. In ihrer Angst meldete sie die Beschädigung an das Bauordnungsamt der Gemeinde Barleben, dieses gab den Sachverhalt an die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Börde weiter. Ein Baustopp wurde vorerst erwirkt, seit zwei Tagen wurde an den beiden Häusern nichts mehr gemacht.

„Wir schicken am Freitag einen Statiker zur Besichtigung vor Ort“, sagt Heiko Markworth, Leiter des Sachgebiets Bauverwaltung in der Kreisverwaltung Börde. Sei die Standfestigkeit des Hauses beeinträchtigt, müsse der Landkreis eingreifen. Ist dies nicht der Fall, handele es sich um eine zivilrechtliche Angelegenheit.

Inzwischen ist aus dem alten Riss ein ein Meter breiter Spalt geworden. Täglich dokumentiert Martina Gitschat die Veränderungen in ihrer Garage. Der Barleberin bleibt nun nichts anderes übrig, als auf den Statiker des Landkreises zu warten. Am Freitag wird er das Urteil fällen, ob ihr Haus einsturzgefährdet ist oder nicht. „Ich mache mir wirklich Sorgen“, sagt sie und fegt die Steine am Boden zusammen.