Wolmirstedt l In der Gutenberg-Schule ist es nach wie vor eng. Sechs Klassen lernen in der Außenstelle, im Gebäude der ehemaligen Harnisch-Schule. Seit sechs Jahren hallen die Rufe, das Platzproblem zu lösen, damit wieder alle Gutenberg-Gemeinschaftsschüler und Lehrer in einem Schulhaus unterkommen. Bisher ohne Erfolg.

Auch der Besuch von Friederike Hecht im Hauptausschuss brachte kein Licht. Im Gegenteil. Die Bildungsfachdienstleiterin im Landkreis eröffnete weitere Baustellen. Sie sprach davon, dass sich das Bildungsministerium Sachsen-Anhalts noch nicht zur Zukunft der Gemeinschaftsschulen positioniert habe. Und deshalb noch gar nicht klar ist, in welcher Form Gemeinschaftsschulen künftig überhaupt bestehen. Heißt im Klartext: Wenn die Abiturstufe an der Gutenberg-Schule wieder abgeschafft wird, gibt es auch keine Platznot mehr. Dann reicht das Gutenberg-Schulhaus wieder für beide aus: für die Grund- und die Gemeinschaftsschule. Ein Schultausch, Anbau oder alle anderen Varianten, über die seit sechs Jahren gestritten wird, wären überflüssig. Aber: Keine Abiturstufe bei gutenbergs mehr? Gibt es diesen Sinneswandel tatsächlich?

„Gemeinschaftsschulen sind als Schulform dauerhaft gesichert“, beteuert Stefan Thurmann, Sprecher des sachsen-anhaltinischen Bildungsministeriums. Unklar ist nur, wie es mit den Abiturstufen weitergeht. In Sachsen-Anhalt gibt es 38 Gemeinschaftsschulen, 33 arbeiten als Kooperationsschulen. Das heißt, sie führen die Schüler bis zur zehnten Klasse, danach wechseln Schüler auf ein reguläres Gymnasium oder eine Berufsfachschule.

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Zu den Ausnahmen gehört Wolmirstedts Gutenberg-Schule. Anders als in den meisten anderen Gemeinschaftsschulen können Kinder dort bis zum Abitur lernen. In diesem Schuljahr gibt es erstmals zwei elfte Klassen. Die erforderliche Schülerzahl von 50 Schülern pro Jahrgang ist nicht erreicht.

Landrat rudert zurück

Und in Zukunft? Da hat der Landkreis bereits selbst am Abiturstufen-Ast gesägt. Es dürfen nur noch 56 Kinder in zwei fünfte Klassen in die Gutenberg-Schule eingeschult werden. Dass von diesen 56 Kindern 50 das Abitur anstreben, darf bezweifelt werden. Ebenfalls unklar, ob aus den Partnergemeinschaftsschulen - der Leibniz-Schule und der Barleber Gemeinschaftsschule - genug mögliche Abiturienten dazukommen. Viele Kinder, die Abitur ablegen wollen, gehen bereits ab der 5. Klasse aufs Gymnasium.

Und nun? Die neue Zweizügigkeit, die ungewisse Zukunft der Abiturstufe an Gemeinschaftsschulen: Wie soll die Zukunft der Gutenberg-Schule geplant werden?

Landrat Martin Stichnoth (CDU) hat schon in seiner Zeit als Wolmirstedter Bürgermeister versprochen, das Problem zu lösen. Nun ist er Landrat und immer noch kein Stück weiter. Im Januar hat er eine Rahmenvereinbarung zwischen Landkreis Börde und Stadt Wolmirstedt unterschrieben. Darin ist der Schultausch samt Investitionen sowie ein Zeitplan der Bauarbeiten festgeschrieben. Geht es jetzt los?

Weit gefehlt. Trotz unterschriebener Vereinbarung: Martin Stichnoth ist sich der Sache „Schultausch“ nicht wirklich sicher. Er schickte eine Zusatzvereinbarung an Wolmirstedts Bürgermeisterin hinterher. Darin will er sinngemäß festschreiben, dass in den Schultausch nur investiert wird, wenn auch weiterhin zusätzliche Räume benötigt werden. Bedeutet: Er rudert zurück, wartet ab, was das Bildungsministerium zur Zukunft der Abiturstufe an den Gemeinschaftsschulen festlegt. Ist nun das Bildungsministerium Bremsklotz?

Wie weiter mit den Gemeinschaftsschulen?

Es sieht so aus. Aus dem Bildungsministerium heißt es, Bildungsminister Marco Tullner will in wenigen Tagen grundsätzliche Fragen beantworten: ob, wie und in welcher Form die Abiturstufe an Gemeinschaftsschulen Bestand hat.

Dabei hatte sich der Landkreis gerade eine neue Idee ausgedacht. Er wollte zur Sicherung der Abiturstufe auch die Irxleber Kinder zu den „Gutenbergs“ schicken. Und wieder drei fünfte Klassen zulassen.

Das verwundert, denn erst zu Beginn dieses Schuljahres hatte derselbe Landkreis die Zweizügigkeit festgelegt, also nur zwei fünfte Klassen an der Gutenberg-Schule erlaubt und dazu feste Einzugsbereiche festgelegt. Was auch bedeutete, dass Gutenberg-Grundschüler, die in der „falschen“ Straße wohnen, nicht auf die Gutenberg-Gemeinschaftsschule aufrücken konnten. Und nun kommen die Irxleber Kinder?

Diese Idee verwundert auch Steffi Trittel. Die Bürgermeisterin der Hohen Börde, zu der Irxleben gehört, hält die Pläne für unausgereift. Außerdem sieht sie das Prinzip der kurzen Wege verletzt.

Leibniz-Schule gefährdet?

Bildungsfachdienstleiterin Friederike Hecht erklärte, würde der Schuleinzugsbereich für Wolmirstedter Kinder geöffnet, brächte das die Leibniz-Schule ins Wanken. Damit meinte sie, dass dann mehr Wolmirstedter Kinder zur Gutenberg-Schule wollen und die Leibniz-Schule links liegen lassen. Wolmirstedts Stadträte nannten dieses Szenario Angstmache.

Sie zeigten sich von der erneuten Debatte ohnehin sichtlich entnervt. Rudolf Giersch (FUWG) echauffierte sich über die „Eierei“ und vermutete: „Es soll nicht weitergehen.“ Klaus Mewes (UWG) bescheinigte dem Landkreis eine „Wackelpuddinghaltung“, durch die Eltern und Kinder vergrault werden, monierte, dass es fünf Monate gedauert habe, bis der Landrat die Rahmenvereinbarung unterschrieben hat. „In diesem Tempo können wir nicht arbeiten.“ Er warnte außerdem, auf die Aussagen des Bildungsminister Marco Tullner zu setzen. „Die haben die Halbwertszeit von einer Woche.“ Mike Steffens (KWG Börde) bekräftigte das Unverständnis darüber, den Einzugsbereich für die Irxleber Kinder zu öffnen, aber nicht für die Wolmirstedter.

Fazit: Der Schultausch wird auf der langen Bank weiter geschoben. Ergebnis: weiterhin Null.