Wolmirstedt l Wolmirstedt kann getrost als Schulstadt bezeichnet werden, Mädchen und Jungen lernen in sechs Schulen. Ihnen stehen zwei Grundschulen, zwei Gemeinschaftsschulen, ein Gymnasium und eine Förderschule zur Verfügung. Für manche Kinder ist der Schulweg kurz, sie lernen in unmittelbarer Nachbarschaft. Andere kommen mit dem Bus aus dem Umland oder werden mit dem Auto gebracht. Einige gehen zwar zu Fuß, müssen aber die Geschwister-Scholl-Straße überqueren. Die Verkehrsader der Stadt ist besonders im Berufsverkehr stark befahren.

Aus dieser Gemengelage heraus ergibt sich besonders zu den Stoßzeiten vor Schulbeginn und nach Schulschluss oft ein ziemliches Durcheinander von Bussen, widerrechtlich haltenden Autos, Radfahrern und Fußgängern. Verwaltung, Kommunalpolitik, Schulleitungen und Polizei sehen an vielen Stellen Optimierungsbedarf.

In der Geschwister-Scholl-Straße wurden Kinder und Jugendliche lange durch Schülerlotsen beim Überqueren der Straße unterstützt. Die gibt es nicht mehr. Stattdessen könnte dort demnächst ein Zebrastreifen angelegt werden. Der Antrag beim Landkreis ist gestellt, noch fehlt der Stadt die Rückmeldung. Die Hoffnung ist trotzdem groß. „Die Aussichten für einen Fußgängerüberweg sind gut“, sagt Ordnungsamtschef Dirk Illgas. Er setzt auf das Frühjahr. Auch, wenn das Landkreiswort fehlt: Die Stadt prüft bereits, wie sich der Überweg beleuchten lässt.

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An der Johannes-Gutenberg-Schule gibt es gleich zwei Schwerpunkte. Im Wendehammer vor der Schule drängen sich die Autos der Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen. Weiterhin müssen viele Gutenberg-Schüler die Samsweger Straße überqueren, die im Berufsverkehr ebenso stark befahren ist wie die Geschwister-Scholl-Straße.

Warntafel leuchtet bei mehr als 50 km/h rot

Dort gibt es zwar an der Bushaltestelle eine Fußgängerampel, dennoch hat die Stadt nun etwa in Höhe der Gutenberg-Schule ein Tempoinformationssystem aufgestellt (siehe Fotos). Das zeigt Autofahrern einerseits die Geschwindigkeit an, andererseits kann es kommunizieren. Bei mehr als 50 km/h zeigt es die Ziffern in Rot an, gibt dazu Hinweise auf mögliche Fußgänger und mahnt, langsamer zu fahren. Eine Geschwindigkeit ab und unter 50 km/h zeigt die Tafel in grünen Ziffern und „Danke“.

Das Gerät wird mit Solarstrom betrieben und kann noch mehr. Es zählt die Fahrzeuge, die diese Straße passieren, und zwar in beide Richtungen, und unterscheidet zudem zwischen Lkw und Pkw. Die Kennzeichen werden dabei nicht erfasst, auch keine Geschwindigkeit aufgezeichnet. Es wird lediglich gezählt. Die Anzeigetafel, die zuvor an dieser Stelle stand, wird in Elbeu aufgebaut.

Auch am Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium herrscht vor Schulbeginn und nach Schulschluss auf der Straße reges Gedränge. Autos halten im absoluten Halteverbot, Kinder steigen aus. Da die Straße eine Sackgasse ist, wenden die Autos entweder am Ende des Weges oder dort, wo eigentlich Busse einfahren sollen. Und Busse kommen viele. Innerhalb von 20 Minuten bringen zwölf Busse die Kinder aus allen Himmelsrichtungen, die entweder im Gymnasium oder an der Gutenberg-Schule lernen. Entspannt geht anders.

Es wurden schon mehrere Ideen entwickelt, um diese Situation zu entschärfen. Ordnungsamtschef Dirk Illgas kann sich vorstellen, dass die Busse in der Schwimmbadstraße halten und anschließend geradeaus über den jetzigen Landwirtschaftsweg weiter und am Ende des Weges auf die Samsweger Straße auffahren, etwa in der Höhe von Auerbachs Mühle. Das würde den Bussen das Wenden und Zurückfahren ersparen, der Wendehammer könnte den Pkw zur Verfügung stehen. Eltern wären von waghalsigen Wendemanövern befreit. Der Wendehammer würde dann zu einer Art „Kiss-&-ride“-Zone. „Kiss & ride“ steht für „Abschiedsküsschen und fahren“.

Kreis hat Wörtchen mitzureden

Doch um diese Idee umzusetzen, hat der Landkreis ein Wörtchen mitzureden, die Samsweger Straße ist eine Kreisstraße.

Carsten Koslowski, Schulleiter des Kurfürst-Gymnasiums, schwebt schon lange eine andere Lösung vor und hält dafür sogar einen Slogan bereit: Rettet den Schulweg.

Schulweg ist mehr als zurückgelegte Meter, Schulweg ist soziale Interaktion, Selbstständigkeit, frische Luft. Deshalb sähe der Schulleiter die Busse und auch die elterlichen Autos am liebsten auf dem ehemaligen Krankenhausgelände halten. „Das restliche Wegstück können die Kinder zu Fuß gehen“, sagt er. Das tue ihnen gut, auch, weil es Zeit für gemeinsame Schwätzchen gibt.

Eltern wie Frank Scheller hingegen fordern mehr Präsenz der Ordnungbehörden. Er bringt seine Kinder aus Samswegen zur Schule, dem Auto seiner Frau wurde bereits ein Spiegel abgefahren, weil ein Auto widerrechtlich auf dem Fußweg stand und die Straße verengte.

Mindestens einmal pro Woche ist eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes vor Ort, auch die Regionalbereichbeamten sind regelmäßig präsent. „Die Hemmschwelle, Verkehrsschilder nicht zu beachten, ist gering“, konstatiert Polizist Jens Kaulfuß. Er plädiert für Kontrollen, sagt aber auch: „Nachhaltig ist das nicht.“ Auch er wünscht sich ein dauerhafte Lösung, die das Verkehrsproblem.

Aber warum bringen Eltern wie Frank Scheller ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, obwohl ein Schulbus fährt? „Samswegen ist die letzte Station vor Wolmirstedt, der Bus ist sehr voll.“ Es gibt viel zu tun.