Graffiti-Sprayer aus Magdeburg sprühen Regenwald auf eine 200 Quadratmeter große Fläche

Sehenswert: Farbe aus der Dose gibt Heizhaus exotisches Antlitz

Das Heizhaus der Diesterweg-Grundschule ist seit Montag zum Kunstobjekt geworden. Im Auftrag der Stadtwerke Wolmirstedt machen zwei junge Künstler der Firma Tiefsilo aus Magdeburg die tristen Wände zu einem gewaltigen Kunstwerk. Auf 200 Quadratmetern wird ein Stück heiler Regenwald aufgesprüht. Den Schülern, die immer wieder auf der Baustelle vorbeischauen, gefällt es.

Wolmirstedt. "Frau Heimlich, haben Sie schon gesehen? Unser altes Heizhaus sieht aus wie ein bunter Regenwald?" Petra Heimlich, Rektorin der Diesterweg-Grundschule, hat zwar noch nicht alle Details gesehen, zudem ist die Arbeit erst Anfang der kommenden Woche beendet, aber ihr ist seit langem bekannt, dass das Heizhaus, das den Stadtwerken gehört, neu gestaltet werden sollte. Die Schulleiterin wusste auch vom Motiv: Ein farbenprächtiger Regenwald mit exotischen Tieren, üppigen Blumen und einem Wasserfall wie aus "Tausend und einer Nacht". "Die Kinder zumindestens sind euphorisch, regelrecht begeistert von dem, was dort mit geschickter Hand an die Wand gesprüht wird", versichert Petra Heimlich "Also haben alle alles richtig gemacht."

Seit Montag schüttelt Gordon Molsch, mit ihm noch ein Sprayer der Firma Tiefsilo, die Farbdosen, bevor er ansetzt und sprüht. Das aber völlig legal und kunstvoll. Der 30-Jährige, der seinen runden Geburtstag am Mittwoch auf der Baustelle beging, ist seit drei Jahren freischaffender Fassadenmaler. Und das Heizhaus ist bis dato seine größte Auftragsarbeit in Wolmirstedt. "Auf einer Fläche von 200 Quadratmetern sprühen wir ein Stück des heilen Regenwaldes. Auch, um die Schüler – die täglich hier vorbei müssen, wenn die Schule im nächsten Jahr eröffnet wird – ein Stück weit für den Umweltschutz zu sensibilisieren."

Die Arbeit teilen sich die beiden Künstler. Gordon Molsch ist, was das Kunstwerk betrifft, für die Stilelemente zuständig. "Mein Partner gestaltet den Hintergrund, ich sprühe die Blüten, die Papageien, den Frosch, später auch den Wasserfall."

Wer den Sprayern über die Schulter schaut, der spürt, mit ihrer Arbeit möchten sie, natürlich immer in Absprache mit den Auftraggebern, alten und grauen Gebäuden, an denen längst der Zahn der Zeit genagt hat, verschönern. Sie durch geeignete Motive, wie in der Triftstraße, zu echten Hinguckern werden lassen. Das Heizhaus ist bereits ihr fünfter sehenswerter Auftrag in der Ohrestadt. Angefangen hat alles mit der Gestaltung einer langen Mauer des Bildungs- und Freizeitzentrums. "Bei diesem Projekt kamen vorrangig Motive zur Auswahl, die die Philosophie der Kinder- und Jugendeinrichtung widerspiegelten", so der 30-Jährige. Das Kunstwerk an sich und die konkrete Motivauswahl wurde aber wie jede Auftragsarbeit, im Vorfeld mit den Verantwortlichen, in diesem Fall das BFZ, abgestimmt."

Gordon Molsch weiß aber auch, dass ein Vorschlag, wie zum Beispiel die drei Trafohäuschen, die im Besitz der Stadtwerke sind, mit Graffiti besprühen zu lassen, nicht bei allen gleich auf Zustimmung stößt. Der Sprayer, der seit 15 Jahren an der "Sprühflasche hängt", nennt das Kind beim Namen: "Weil man sich in der Regel unter Graffiti nicht das vorstellt, was wir dann sprühen. Beim Zeigen der Motive wandelten sich aber bisher eventuelle Vorbehalte oder Zweifel jedoch recht schnell in Zustimmung um."

Keinen Zweifel hatte der Magdeburger an seiner Berufung: "Für mich stand schon sehr früh fest, dass die Sprühflasche einmal mein wichtigstes Arbeitsgerät sein wird. Gelernt habe ich den Beruf eines Druckers, seit vier Semestern studiere ich zudem Industriedesign an der Fachhochschule Magdeburg. Am wohlsten aber fühle ich mich, wenn ich sprühen darf."

Und bei aller Bescheidenheit, es ist eine Tatsache, dass der Magdeburger zu den Größten (bei zwei Meter Körpergröße auch kein Wunder) in der Branche gehört: "Aber wir haben als ,Tiefsilo` am Magdeburger Flughafen auch mit 600 Quadratmetern das größte Graffiti-Kunstwerk in Sachsen-Anhalt geschaffen."