Ebendorf/Magdeburg l Sie ist ein Neuling unter den Profis, obgleich es nicht den Anschein hat. Luise Haberlah ist frische 18, trotzdem spielt sie beim Sommertheater im Garten der Möllenvogtei, als sei sie schon ewig dabei. Doch wer ist die Schülerin des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums in Wolmirstedt, die im modernisierten Stück „Hamlet oder Die Unendlichkeit der Irrtümer“ zu gefallen vermag?

Während andere Schüler ihre Ferien genießen, steht Luise Tag für Tag auf der Bühne und spielt die Ophelia im Stück „Hamlet oder Die Unendlichkeit der Irrtümer“ des Theatervereins „Compagnie Magdeburg 09“. Doch das macht ihr nichts aus.

Traumberuf Schauspielerin

„Ich würde eh nur zu Hause herumsitzen und mich langweilen. So kann ich machen, was mir Spaß macht und bekomme auch noch Geld dafür. Im Grunde ist es wie ein Ferienjob“, sagt die im Augenblick auf ihr Abitur hinarbeitende Ebendorferin. Nur, dass es für sie weniger ein Job, als vielmehr ein Schritt zu ihrem Traum ist. „Ich kann mich gleich auf das vorbereiten, was ich später machen will. Ich möchte ins Schauspiel, auf jeden Fall in Richtung Theater, vielleicht auch Regie. Aber erst mal will ich Schauspielerei studieren und dann gucken, was sich ergibt.“

Bilder

Ihre Eltern legen ihr bei ihrem Herzenswunsch keine Steine in den Weg. „Sie unterstützen das und wissen, dass ich mich seit meiner Kindheit dafür interessiere. Sie stehen dem nicht im Wege“, versichert sie. Denn schon früh entdeckte sie ihre Begeisterung für das Theater und die Schauspielerei. Bereits im Kindergarten habe sie bei kleineren Sachen mitgespielt. „Als Allererstes habe ich in ,Der kleine Angsthase‘“ die Großmutter gespielt. Da meinten die Erwachsenen, dass aus mir mal was werden würde – natürlich noch spaßig gemeint“, ergänzt sie bescheiden. Später wirkte sie dann im Theater-Jugendclub mit. „Dort haben wir kleine ausgedachte Szenen gespielt, bei denen wir uns kreativ ausleben konnten bei der Rollenentwicklung“, erzählt sie. Als sie dann vor einiger Zeit eine E-Mail erhielt, die auf das Casting für die Rolle der Ophelia aufmerksam machte, bewarb sie sich gleich. „Dort musste ich dann vorspielen und vorsingen.“ Dies ist ihr offenkundig überzeugend gelungen. Vereinsvorsitzende und Regisseurin Gisela Begrich schwärmt jedenfalls in den höchsten Tönen von ihr. „Sie ist sehr engagiert, will unbedingt Theater spielen und sie macht das sehr, sehr gut.“ Sie spiele kraftvoll und genau und habe sich toll entwickelt, sagt Gisela Begrich. „Wir sind froh, dass wir sie haben! Man merkt ihr nicht an, dass sie keine Ausbildung hat.“

Ophelia ist anders

Vielleicht öffnet ihr das die Türen für höhere Aufgaben. Regisseurin Begrich ist zumindest überzeugt, dass ein Schauspielhaus bei ihr zugreifen werde. Lampenfieber habe sie ohnehin nicht, meint Luise Haberlah. „Klar, bei der Premiere war ich schon sehr nervös, aber Nervosität ist auch wichtig für die Körperspannung. Mittlerweile bin ich in sehr angenehmer Stimmung während der Vorstellungen.“

Mit ihrer adaptierten Rolle kann sie sich jedoch eher weniger identifizieren. „Ophelia ist schon anders als ich. Ich bin nicht so ein Social-Media-Mensch. Ich habe nicht mal ein Smartphone“, erzählt sie. Ganz ohne Telefon geht es natürlich trotzdem nicht. „Ein kleines, altes Handy hab ich schon“, sagt sie. Außerdem stößt ihr auf, dass Ophelia sich in den Erstbesten im Internet verliebt. Für Äußerlichkeiten ist Luise nicht zu haben. Sie würde sich als bodenständig bezeichnen. „Mich treibt das Theater an“, betont sie.

Unabdingbare Voraussetzung dafür ist es, Texte auswendig zu lernen, doch das falle ihr leicht. Die Schwierigkeit bestehe darin, die Kombination zwischen dem Spielen und dem Abrufen des Textes zu meistern. Aber inzwischen habe sie zur Genüge üben dürfen. Mit ihren Kollegen harmoniere sie prächtig, vor allem mit Fabian Mutschlechner, der den Hamlet spielt. „Für jemanden wie mich ist es bereichernd, mit ausgebildeten Schauspielern zu arbeiten“, meint Luise Haberlah. Kurios findet sie auch, dass Hamlet oft auch für eine Liebesgeschichte zwischen dem Protagonisten und ihrer Rolle Ophelia gehalten werde. „Dabei haben hier die beiden – bis auf zwei Zeilen - gar nichts miteinander zu tun“, bemerkt sie schmunzelnd.

Tägliche Aufführungen

Auch abseits ihrer Vorstellungen geht die Schülerin gern ins Theater. Besonders am Schauspielhaus gebe es gute Inszenierungen. Vorerst wird sie abends jedoch keine Zeit haben. Noch bis Ende Juli spielt sie allabendlich die Ophelia in „Hamlet oder Die Unendlichkeit der Irrtümer“, geschrieben von Bernd Kurt Goetz, musikalisch untermalt von Christoph Deckbar.

 

„Hamlet“ wird bis 29. Juli täglich (außer Sonntag) um 20.30 Uhr im Garten der Möllenvogtei am Dom gezeigt. Karten gibt es unter Telefon 0171/700 41 40 oder an der Abendkasse.