Wolmirstedt l Die Standesbeamtin Kornelia Werner hat in der Verwaltung der Stadt Wolmirstedt nicht nur mit Heiratsangelegenheiten zu tun, ihre Aufgaben sind vielfältig und außerdem ist sie die „Herrin“ des Stadtarchivs. Das verbindet sich durchaus, denn viele behördliche Dinge müssen entsprechend archiviert oder gar generell für die Nachwelt aufgehoben werden.

Chronik der Familie

„Außerdem befassen sich immer mehr Bürger mit Familienchroniken“, sagt Kornelia Werner. „Entsprechende Unterlagen und Hinweise dazu finden sie in den Büchern, die im Archiv gelagert werden.“ Die dazu gehörigen Recherchen können Interessierte nach Absprache mit der Verwaltung persönlich vornehmen. „Das Interesse an der Geschichte meiner Geburtsstadt ist natürlich auch bei mir gegeben“, versichert die Standesbeamtin.

Und die Dokumente mit altdeutscher Handschrift geben das her. Sie sind oft schon stark vergilbt und sehr empfindlich. Sie fangen an zu bröseln, wenn man sie in die Hand nimmt. Aber es kommen nur wenige Besucher, die in den wahrlich uralten Aufzeichnungen stöbern wollen.

Archiv auf der Reise

Nach der Wende kamen die historischen Bestände der Stadt vom Haldensleber Kreisarchiv und dem Wernigeröder Landeshauptarchiv zurück nach Wolmirstedt. Diese wurden zunächst im Keller des ehemaligen Kinderheims in der Schwimmbadstraße aufbewahrt, bevor sie in die Fabrikstraße umzogen. Die Zustände in dem dunklen Haus waren alles andere als optimal. Das änderte sich mit dem nächsten Umzug. 2008 fand das Stadtarchiv seinen festen Platz im Obergeschoss des Rathauses. Zwischen den weißen Metallregalen ist Wolmirstedts Vergangenheit sicher verstaut.

Denn laut Kornelia Werner herrsche in den Räumen unter dem Dach des Rathauses in der Wolmirstedter Innenstadt das perfekte Klima, um die altehrwürdigen Papiere nicht nur sicher zu lagern, sondern auch vor Einflüssen von außen zu schützen. Temperatur und Luftfeuchte sind perfekt abgestimmt.

Akten lagern in Kisten

Und wer meterlange Regalreihen mit Buchrücken vermutet, wird wohl schwer enttäuscht werden. Denn die Akten werden mittlerweile in Kisten gelagert. Doch dabei handelt es sich nicht einfach etwa um Schuhkartons aus Pappe. „Die Kisten bestehen aus einem besonderen Material, welches die Papiere vor klimatischen Einflüssen schützt“, führt die Standesbeamtin aus, bevor sie der Auszubildenden Theresa Luise Schmidt das System in den vielen Magazinen erklärt. Theresa ist zum ersten Mal im Archiv und freut sich auf eine spannende Zeit zwischen den alten Akten.

Viele Meter Papier

Größere Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1721 und füllen 2781 Akten. Ab 1945 sind es sogar über 5581 Stück. Die Gesamtzahl ist schwer zu schätzen, da der Großteil heutiger Dokumente nach spätestens zehn Jahren vernichtet wird. Nur historisch wertvolle Aufzeichnungen werden für die Nachwelt archiviert. Dokumente von Bau- und Standesamt sind ab 1874 geführt. Allein die Standesamtbücher ergeben 50 laufende Meter, weiß Kornelia Werner. Alte Zeitungen gibt es hier auch. Die älteste Ausgabe ist von 1925. Nur eine Akte fällt komplett aus dem Rahmen. Sie beinhaltet einen Streitfall zwischen Gemeinde und Kirche von 1441.

Wenn die Archivnutzer auf Informationen stoßen, die sie schon lange gesucht haben, sei das für sie ein besonderer Moment. „Viele Leute betreiben Ahnenforschung“, erklärt die Standesbeamte. Sie rufen mitunter aus allen Teilen der Welt an, um Informationen über Angehörige zu finden, die mal in Wolmirstedt gelebt haben.

Bürgermeister übersehen

Immer wieder haben Recherchen auch neue Informationen für die Stadtchronik ergeben. So tauchte schon mal ein bisher übersehener Bürgermeister von 1399 auf oder der erste Ehrenbürger der Stadt, ein königlicher Oberlandesgerichtsassessor von 1833. Schon im Jahr 1399 lebten übrigens 51 Familien in Wolmirstedt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg standen 1646 nur noch ganze 24 Häuser in der Ohrestadt. Volks- und Bestandszählungen waren früher genauso üblich wie Straßenumbenennungen. So hieß die Parkstraße früher mal Golzstraße, benannt nach Bürgermeister Karl Golz, der 32 Jahre in seinem Amt waltete.

Geschichten in den Schränken

Viele Geschichten können Bürger im Archiv finden, wenn sie einen Anhaltspunkts haben, wobei die alten Handschriften selbst von geschulten Augen manchmal nur schwer zu entziffern sind. „Wichtig zu wissen ist noch, dass Personenstandsbücher im Standesamt aufbewahrt werden“, betont Kornelia Werner. „Das sind 110 Jahre für Geburtenregister, 80 für Eheregister und 30 Jahre für Sterberegister. Ältere Personenstandsbücher, die es seit dem Jahr 1874 gibt, kommen in das Stadtarchiv.“