Wolmirstedt l Der neue Sonnenschutz für die Kitas „Ohrespatzen“ und „Pusteblume“ wird kommen. Die Abstimmung dafür lief geräuschlos, der Stadtrat stimmte geschlossen dafür. Mehr Diskussionsbedarf gab es um den Gerberbrunnen und das Küchenhorn-Stadion „Glück auf“.

Die AfD-Fraktion wollte die Entscheidung, ob es eine neue Bronzestatue auf der Schlossdomäne geben soll, hinauszögern, am liebsten bis ins nächste Jahr. Mathias Knispel wollte keinen „Schnellschuss“, die „Sache langsam angehen“, sinngemäß nicht dafür stehen, dass Dinge mit Mitteln aus dem Stadthaushalt unterstützt werden, die „dann wieder gesprengt werden“.

Umstrittene Entscheidung für den Gerberbrunne

Gesprengt worden war der Gerberbrunnen im März von Unbekannten. Die Versicherung zahlt den Herstellungspreis von 30.000 Euro, die Differenz zum jetzigen Neuguss von 22.000 Euro soll mit dem Überschuss der Stadtwerke finanziert werden. Die Stadtwerke hatten 127.000 Euro zusätzlich erwirtschaftet, die Wolmirstedt zugute kommen.

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Zurück zum Gerber-Brunnen: AfD-Fraktionsvorsitzender Felix Zietmann monierte, dass nur ein Künstler gefragt wurde, die Skulptur zu ersetzen. Er hätte sich mehrere Angebote gewünscht, wollte die „Monopolstellung des einen Künstlers nicht versüßen.“ Felix Zietmann meinte Werner Bruning, der den Gerberbrunnen sowie die Schäfergruppe vor der 1000-Jahrfeier geschaffen hatte. Die Stadt hat lediglich mit ihm um einen Ersatz verhandelt, da es seine Skulptur war, die beschädigt wurde.

CDU-Ratsmitglied geht Entscheidung zu schnell

Kritik kam auch von Swen Pazina (CDU). Er wunderte sich, wie „hemdsärmelig“ Geld ausgegeben werde. Auch ihm ging die Entscheidung für einen neuen Gerberbrunnen zu schnell, auch er hätte gern gesehen, wenn sich nach Alternativen umgeschaut wird. „Wir sollten das Geld lieber ins Stadion stecken.“

Die SPD-Fraktion positionierte sich klar für den Gerberbrunnen. Für Christina Laqua kam ein anderer Stil gar nicht in Frage. „Alle anderen Figuren auf der Schlossdomäne sind aus dem gleichen Material.“ Sie sieht den Gerber als Wahrzeichen und plädierte für einen vollständigen Ersatz.

Spendenkonto für den Gerber ist eingerichtet

Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, erklärte sich die SPD/Linke/Grüne-Fraktion bereit, die Erhöhung der Sitzungsgelder für den Gerber zu spenden. Das Spendenkonto ist in der Stadt eingerichtet, die Kontonummer wird demnächst bekannt gegeben.

Schon mehrere Bürger hatten sich bereit erklärt, für einen neuen Gerber Geld dazuzugeben, damit nicht alles mit dem Stadtwerkeüberschuss bezahlt werden muss. Die Idee dazu stammte von Kantorin Stefanie Schneider, die sich über diesen Zuspruch der Bürger und Stadträte freut, sich aber selbst aus Zeitgründen nicht vor den Karren spannen konnte.

Am Ende beachteten die Stadträte auch die Bürgermeinung. Die TED-Umfrage der Volksstimme war zwar nicht repräsentativ, zeigte jedoch ein deutliches Votum zugunsten eines neuen Gerberbrunnens. „Wenn wir diesen Schritt jetzt nicht gehen“, konstatierte Frank Meyer (WWP), „diskutieren wir in 20 Jahren noch.“

Mehrheit am Ende für neuen Gerber

Am Ende hob die Mehrheit der Stadträte die Hand für eine neue Bronzeskulptur. Das bedeutet, der Auftrag wird so schnell wie möglich ausgelöst.

Und auch eine weitere Frage wurde prompt geklärt: Was passiert, wenn viele Spenden zusammenkommen, also nicht die gesamten 22.000 Euro aus dem Topf des Stadtwerkeüberschusses benötigt werden?

Da brachte Waltraud Wolff (SPD) das Begehr der Ortschaften ins Spiel. Die wollten auch gerne vom Kuchen abhaben und hatten sich 1000 Euro für Mose und jeweils 1500 Euro für Glindenberg, Farsleben und Elbeu zur freien Verfügung gewünscht. Sollten also ausreichend Spenden eingehen, bekämen die Ortschaften ihren Wunsch erfüllt.

Stadion: Wünsche der Sportler werden gehört

Für das Stadion „Glück auf“ im Küchenhorn standen nach dem Vorschlag der Verwaltung 47.000 Euro zur Verfügung. Das ist angesichts des immensen Sanierungsbedarfs ein Tropfen auf dem heißen Stein, andererseits scheinen die Tage dieses Stadions gezählt. Das Küchenhorn soll Überflutungsgebiet, das Stadion an anderer Stelle errichtet werden. Das ist die Lieblingsvariante des Landesbetriebes für Hochwasserschutz, um den Flüssen mehr Raum zu geben, künftige Hochwasserlagen besser einzudämmen.

Noch liegen keine konkreten Pläne vor, deshalb wird davon ausgegangen, dass das Küchenhorn-Stadion noch gut fünf Jahre genutzt werden muss. Dennoch wollte die AfD lediglich 14.000 Euro für den Brandschutz investieren. Sarah Friedrich erklärte, sie könne nicht für die 47.000 Euro stimmen, wenn das Geld nicht dahin geht, wo es gebraucht wird.

Wo es gebraucht wird, muss die Verwaltung einerseits aus Baufachsicht entscheiden, andererseits setzt sich Bürgermeisterin Marlies Cassuhn am 29. Oktober mit den Sportvereinen zusammen und berät, welche Maßnahmen dringend sind. Rudolf Giersch (FUWG) plädierte für ein Grundvertrauen. „Wir müssen der Verwaltung den Sachverstand zugestehen.“ Dem folgten die meisten Stadträte, „Glück auf“ bekommt 47.000 Euro. Die Sportler, die der Stadtratssitzung folgten, applaudierten.