Wolmirstedt l „Ich habe beim Wirtschaftsstammtisch vor allem die örtlichen Handwerker kennengelernt“, konstatiert Carlo Hinze. Er steht der örtlichen Niederlassung der Firma Papenburg vor und sagt, seit er die Handwerksbetriebe kennt, vergibt er Aufträge gezielt in die Region. Andere Unternehmer profitieren ebenfalls von den gemeinsamen Treffen, haben sich kennengelernt und kooperieren nun miteinander.

Der Wirtschaftsstammtisch wurde vor sechs Jahren von der Stadt Wolmirstedt ins Leben gerufen. Zweimal im Jahr sind Gewerbetreibende zum gemeinsamen Austausch eingeladen, jedes Mal agiert ein anderes Unternehmen als Gastgeber.

Diesmal bot das Zielitzer Kaliwerk den Rahmen für den gemeinsamen Austausch. Werkleiter Dr. Holger Hoppe berichtete aus dem Alltag der Salzproduktion. Das Zielitzer Werk ist der größte Arbeitgeber der Region, beschäftigt zurzeit etwa 1900 Mitarbeiter. Indirekt profitiert eine weitaus größere Zahl Menschen von der Wirtschaftsstärke des Kaliwerkes, dazu zählen unter anderem Familienangehörige, Subunternehmer, Zulieferer, die Dienstleister der Region, Vereine, die unterstützt werden, Kommunen, die von der Gewerbesteuer profitieren.

Insgesamt gute wirtschaftliche Lage

Die Stadt Wolmirstedt profitiert nicht direkt, das Werk steht nicht auf dem Gemeindegebiet. Trotzdem, auch Wolmirstedt spürt die insgesamt gute wirtschaftliche Lage. Derzeit fließen gut drei Millionen Euro Gewerbesteuern in den Haushalt. Das ist ein Drittel mehr, als in den Vorjahren, in denen sich die Stadt schon über zwei Millionen gefreut hatte. Diese drei Millionen Euro Gewerbesteuern machen rund 17 Prozent des gesamten Stadthaushaltes aus, der insgesamt über 18 Millionen Euro beträgt. Wie sich die Gewerbesteuereinnahmen künftig entwickeln, ist nicht planbar, noch gelten sie als stabil.

In Wolmirstedt sind derzeit 56 produzierende beziehungsweise handwerkliche Unternehmen angesiedelt, dazu gesellen sich Autohäuser, Kfz-Werkstätten, Discounter, Einzelhändler, Baumarkt, Gaststätten, Cafés, Eisdielen, Pensionen, Hotels, Freiberufler und mehr.

Vor allem das produzierende Gewerbe hat sich in den dafür ausgewiesenen Gebieten niedergelassen im Handwerkerring, südlich des Mittellandkanals, in Farsleben und vor allem auch in den sogenannten Gebieten Nord I , II und III, die sich entlang der Rogätzer Straße befinden. Dort gibt es unter anderem den Lindenpark, Exxellin und ein Autohaus.

In allen Gewerbegebieten gibt es weiterhin freie Grundstücke (siehe Infokasten). Im Rathaus melden sich regelmäßig Bewerber, die sich in diesen Gewerbegebieten niederlassen möchten. Der Handlungsspielraum der Rathausmitarbeiter ist jedoch begrenzt, da diese freien Flächen in privater Hand liegen. Oftmals scheitern Ansiedlungen, weil es keine Übereinkunft mit den Bodeneigentümern gibt, heißt es aus dem Rathaus. „Das erschwert die Arbeit extrem.“ Sollte es dennoch zu einer Einigung kommen, steht die Verwaltung bereit, prüft das Baurecht und schafft gegebenenfalls planungsrechtliche Voraussetzungen.

Vermittler zu Land und Kreis

Die Aufgaben der Wirtschaftsförderung hat Rathausmitarbeiterin Astrid Eichel inne. Sie sieht sich unter anderem als Vermittlerin zu Land und Landkreis, den Nachbargemeinden, zur Handwerkskammer, stellt den Kontakt zwischen potentiellen Investoren und Eigentümern her, informiert über Fördermöglichkeiten. „Für Unternehmer ist es wichtig, einen Ansprechpartner im Rathaus zu haben“, bekräftigt Exxellin-Geschäftsführer Frank Lange. Das wird auch im Rathaus so gesehen. Rathausmitarbeiter wie Astrid Eichel werden sich weiterhin um Akquise, Vermittlung und Kontaktpflege kümmern. Und im nächsten Jahr wieder zum Wirtschaftsstammtisch einladen.