Dahlenwarsleben l Die Niedere Börde braucht Radwege. Das ist nicht nur die Forderung der Teilnehmer am Workshop „Jugend und Kommune“. Die jüngsten Baumaßnahmen an der Bundesstraße 71 und der daraus resultierende Umleitungsverkehr haben das Dilemma einmal mehr aufgezeigt: Findige Autofahrer haben nämlich den Schleichweg über die Kreisstraße 1655 von Dahlenwarsleben nach Groß Ammensleben genutzt, anstatt die offizielle Umleitung über Meitzendorf, Wolmirstedt und Colbitz.

Das bedeutete nicht nur Ausnahmezustand für die betroffenen Ortschaften. „Für Fußgänger und Fahrradfahrer war es schlicht unmöglich, die Verbindungsstraße zwischen Groß Ammensleben und Dahlenwarsleben zu nutzen“, hatte der Ratsvorsitzende Matthias Meinecke (CDU) vor wenigen Wochen gegenüber der Volksstimme erklärt. Deshalb verständigten sich Ratsmitglieder während einer Zusammenkunft, den Bau von Radwegen voranzutreiben.

Für die Ratssitzung am Dienstagabend wurde das Thema nun auf die Tagesordnung gesetzt. Außerdem hatte der Versammlungsleiter den Bundestagsabgeordneten Manfred Behrens (CDU) eingeladen. Er ist mit dem Thema vertraut, sitzt der Politiker doch im Verkehrsausschuss des Bundestags.

In seinen Ausführungen bestätigte er die Wichtigkeit von Radwegen in der Niederen Börde, und zwar nicht nur an der besagten Kreisstraße. Denn mit dem Aller-Elbe-Radweg durchschneidet eine Strecke den Landkreis und führt durch die Niedere Börde. Doch eine Abzweigung südlich nach Magdeburg fehlt. Doch genau hier macht Behrens eine Alternative aus.

Feldweg führt nach Meitzendorf

So könnte mit wenig Aufwand eine Verbindung vom Abschnitt des Aller-Elbe-Radweges in Groß Ammensleben über Meitzendorf und Ebendorf nach Magdeburg entstehen. Tatsächlich führt ein ausgebauter Feldweg vom Groß Ammensleber Bahnhof bis nach Meitzendorf. Allerdings wird dieser durch einen Zaun der Firma Reekers versperrt. „Während eines Gespräches mit dem Juniorchef habe ich erfahren, dass das Areal einst von Groß Ammensleben, also noch vor der Bildung der Einheitsgemeinde, an die Firma verkauft worden ist“, erklärte Manfred Behrens. Der Geschäftsführer wäre aber bereit, das Gelände wieder abzutreten. „Damit würde eine wichtige Radwegverbindung von Haldensleben über die Niedere Börde nach Magdeburg bestehen“, machte der Politiker deutlich. Denn von Meitzendorf nach Ebendorf ist bereits parallel zur B 71 ein Radweg vorhanden, der weiter bis in die Landeshauptstadt führt.

Für den von der Gemeinde avisierten Radweg zwischen Dahlenwarsleben und Groß Ammensleben macht Behrens die Verantwortung beim Landkreis aus, da er der Träger der betreffenden Kreisstraße ist. Seine Recherchen hätten ergeben, dass der geplante Radweg bereits im Radwegekonzept des Landkreises ausgewiesen ist. Für etwaige Vorhaben bemühe sich der Landkreis um Fördermittel. Doch würden nur Projekte nach Dringlichkeit umgesetzt. „Man müsste dem Kreis sagen, dass der Radweg dingend ist“, sagte der Politiker und verwies darauf, dass die Niedere Börde bereits im Jahr 2018 den Bedarf angemeldet habe.

Außerdem sagte der Verkehrsexperte, dass die Niedere Börde dem Landkreis in Sachen Radwegeausbau über Flächentausche entgegenkommen könnte. Tatsächlich müsste der Kreis die für den Radweg in Frage kommenden Grundstücke nach langwierigen Verhandlungen erwerben. Dem könnte die Gemeinde vorgreifen, in dem sie sich selbst mit den Grundstückseigentümern in Verbindung setzt und die für den Radweg benötigten Flächen erwirbt. Um dies kostengünstig zu gestalten, könnte ein Flächentausch mit dem jeweiligen Eigentümer infrage kommen.

Im geplanten Bau der Autobahn A 14 sieht der Politiker einen weiteren Ansatz, um den Radwegeausbau in der Gemeinde voranzutreiben. Für den Abschnitt, der die Niedere Börde betrifft, laufe noch immer die Planfeststellung. „Im Zuge dieses Verfahrens wird auch die Niedere Börde gehört“, stellte er fest. Hier sollte die Gemeinde darauf hinwirken, Radwege als Ausgleichsmaßnahmen für den A-14-Bau zu bekommen.

Radweg mit Priorität im Kreiskonzept gelistet

Auf eine Frage des Ratsmitgliedes Holger Gleitsmann (CDU/SPD/FDP/EB) bestätigte Behrens den kommunalen Ausbau als weitere Alternative. „Das machen Gemeinden tatsächlich, dann natürlich in Absprache mit dem Kreis. Die Kommune müsste das vorfinanzieren“, führte der Politiker aus. Diese Art des Radwegebaus könnte mit Fördermitteln gestemmt werden.

Im Anschluss bot Manfred Behrens die Moderation zwischen Verwaltung und den weiteren Akteuren an. Zudem schlug er die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft mit Vertretern des Gemeinderates, der Gemeindeverwaltung und weiteren Gruppen vor. „Ich mache das auch eigennützig, weil ich Nachbar bin und der Radweg auch meinen Bürgern zu gute kommt“, sagte der Ebendorfer.

Auch Bürgermeister Stefan Müller (CDU) hatte den Anwesenden etwas mitzuteilen. So habe er Gespräche mit den zuständigen Behörden des Landkreises geführt. Tatsächlich sei der Radweg zwischen Dahlenwarsleben und Groß Ammensleben im Kreis-Radwegekonzept gelistet, sogar mit Priorität. Der Haken: Dem Kreis fehlt schlicht das Geld. So stünden für die 600 Kilometer Kreisstraßen jährlich zwei Millionen Euro zur Verfügung. Jedoch koste der Ausbau eines Straßenkilometers durchschnittlich 500 000 Euro. „Sonderbauten sind da noch nicht eingerechnet, doch davon gibt es zwischen Dahlenwarsleben und Groß Ammensleben mehrere“, informierte der Bürgermeister. Ferner sei die Straße nicht einmal komplett in der Hand des Kreises. Zudem habe eine Verkehrszählung aus dem Jahr 2014 ergeben, dass täglich etwa 1500 Fahrzeuge die betreffende Straße nutzen. Laut Vorgaben müssten es jedoch 4000 Autos sein, die den Bau eines Fahrradweges legitimieren.

Doch davon wollen sich die Räte nicht einschüchtern lassen. So wandte sich Holger Gleitsmann an seine Kollegen und stellte den Antrag auf Gründung einer AG, die Kontakte knüpfen und Gespräche mit Akteuren führen soll. Der Antrag ist mit einer Enthaltung und einer Gegenstimme angenommen worden.