Colbitz l Seit 2003 führt Andreas Kühne seine Tierpension in Colbitz mit viel Herzblut. Schnell merkt man, dass er mit sehr viel Freude seine Arbeit verrichtet und über alles genau Bescheid weiß. „Um eine Tierpension zu führen, braucht man vor allem einen Sachkundenachweis“, erklärt Andreas Kühne. Denn die Kunden sollen das Gefühl bekommen und wissen, dass sie ihre Schützlinge in erfahrene Hände geben und bei ihm gut aufgehoben sind.

Dass seine „Gästezimmer“ begehrt sind, lässt sich anhand der bisherigen Buchungen schnell erahnen. „Wir haben schon Buchungen bis 2022. Bis Ende Januar sind die Sommermonate meist schon komplett ausgebucht“, sagt er. Obwohl die meisten Kunden aus der Region kommen, nutzen auch Tierbesitzer aus Leipzig oder Halle sein Angebot, erzählt der Tierfreund.

Aufenthalt mit Zwischenfällen

Momentan sind in der Tierpension acht Hunde zu Gast und auch einige Katzen. Die Vögel Pink und Floyd drehen hektisch ihre Kreise und trällern aus vollem Hals, wenn sie jemanden um die Ecke kommen sehen. Doch der Dauergast unter den gefiederten Besuchern ist der Ara-Papagei Flo. „Er gehört einem älteren Paar, das viel reist und deshalb ist Flo öfter bei uns“, erzählt Andreas Kühne. Manchmal sitzt er auch mit im Verkaufsraum und unterhält die Kunden. Doch heute scheint nicht so ein Tag zu sein, denn Flo weigert sich, von seinem Ast zu steigen.

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Katzen und Hunde seien schon immer die Haupttierarten gewesen, die bei ihm übernachten, obwohl die Zahl der Katzen zunehme. Aber auch Kleintiere schauen ab und an mal vorbei. So verbrachten auch schon Kaninchen, Rennmäuse und Meerschweinchen ihren Urlaub in der Pension am Wald. „Unsere ersten Gäste hier waren vier Frettchen“, sagt Andreas Kühne. Im gesamten Jahr betreue er etwa 1400 Tiere.

Die Aufenthaltsdauer variiert. Der Durchschnitt liegt zwischen 14 Tagen und drei Wochen. Geschäftsleute geben ihre Tiere meist über das Wochenende ab, wenn etwa Seminare anstehen, erzählt der Inhaber. Auch längere Besuche bis zu einem dreiviertel Jahr seien schon vorgekommen, da der Besitzer in dieser Zeit ins Ausland gegangen sei. Doch das sei eher die Ausnahme.

Aber nicht mit allen Tieren läuft der Aufenthalt wie am Schnürchen. Für den Fall, dass eines der Tiere krank wird, ist vorgesorgt. „Wir schließen richtige Verträge, in denen alles abgeklärt wird“, sagt Andreas Kühne. So erhält die Tierpension die Vollmacht, damit die Mitarbeiter im Krankheitsfall zum Tierarzt fahren können oder auch nötige Medikamente verabreicht werden dürfen.

„Die Besitzer müssen ehrlich zu uns sein und uns alles über ihr Tier und die Eigenheiten erzählen“, sagt Andreas Kühne mit Blick auf einen besonderen Fall. Ein größerer Hund stand am Morgen im Verkaufsraum und war nicht in seinem Gehege. Dass er über zwei Meter hoch springen kann, hatten die Besitzer wohl vergessen zu erwähnen, sagt Andreas Kühne.

Auch Sterbefälle hatte Andreas Kühne in seiner Pension. Seit 2003 waren es zum Glück erst zwei gewesen, die allerdings altersbedingt eingeschlafen und am nächsten Morgen nicht mehr aufgewacht sind. Bei einem Hund wurde es für den Tierliebhaber gefährlich. Als er nämlich die Tür zum Zimmer eines Schäferhundes geöffnet hat, versuchte dieser, ihm an die Kehle zu springen. Den Angriff konnte Andreas Kühne noch rechtzeitig abwehren. „Nach diesem Vorfall waren wir dann die besten Freunde“, erzählt er.

Auch bei Notfällen hilft er aus, wenn der Besitzer krank wird oder sogar stirbt. So kam ein kleiner Chihuahua in die Obhut von Andreas Kühne, den er direkt auf seine Webseite stellte. Letztendlich bekam er ein neues Zuhause bei einem Jäger, denn der Chihuahua seiner Tochter war wohl vor kurzem gestorben, erzählt Andreas Kühne.

Wiedersehen mit viel Freude

„Ich habe viele Hunde begleitet und aufwachsen sehen. Vom Welpen bis zum Ende. Das ist wirklich toll“, sagt Andreas Kühne. Für ihn zählt, dass sich die Tiere bei ihm wohl fühlen. „Sobald vor allem die Hunde den ersten Tagesablauf erleben, wann es Futter gibt und Gassi gegangen wird, gewöhnen sie sich schnell ein“, sagt er. Doch das Wiedersehen mit den Besitzern sei immer wieder schön. „Wenn die Besitzer auf den Hof gefahren kommen, rasten sie komplett aus“, erinnert sich Andreas Kühne.

Auch die Hündin Lotti freute sich auf das Wiedersehen mit Frauchen und Herrchen, machte Luftsprünge und wedelte wild mit ihrem Schwanz. Auf dem Weg nach draußen stibitzte sich die Hundedame noch ein Leckerli aus dem Laden. Ein Souvenir ihres zweiwöchigen Aufenthaltes in der Pension ist für sie wohl ein Muss gewesen. „Wir waren in Norwegen und haben unsere Tochter besucht“, sagt Birgit Steglitz aus Rogätz, „es hat Lotti anscheinend gefallen und wir werden sie beim nächsten Mal wieder herbringen.“

Da Andreas Kühne mehr Zeit mit den tierischen Gästen als mit den Haltern verbringt, gibt er mit einem Schmunzeln zu: „Ich kann mir die Namen der Tiere meist besser merken als die der Besitzer.“