Wolmirstedt l Das Telefon bimmelt und ein Mann aus Elbeu (Name ist der Redaktion bekannt) nimmt ab. „Am anderen Ende hat sich eine ausländisch klingelnde Stimme gemeldet“, beschreibt der Mann im Gespräch mit der Volksstimme. „Ich war doch sehr erstaunt, dass der Anrufer mir weismachen wollte, er wäre bei der örtlichen Polizei.“

Allerdings behauptete der Anrufer, er wisse ganz genau, wo der Elbeuer zu Hause sei und gab dessen Adresse durch. „Die stimmte, aber ich habe gesagt, dass er die ganz sicher aus dem Telefonbuch hat und dass das keine große Kunst sei.“ Daraufhin erklärte der Fremde, dass direkt in der Nachbarschaft eingebrochen worden sei und die Polizei würde sich nun Gedanken machen, ob die Bürger genügend Sicherheitsvorkehrungen getroffen hätten, um so etwas bei sich zu vermeiden. Der Elbeuer solle doch einfach mal erzählen, wie es bei ihm so aussehe und welche Sicherheitsmaßnahmen er veranlasst hätte.

Anrufer kennt Anschrift

„Das habe ich natürlich nicht getan“, erzählt der Elbeuer. „Im Gegenteil, ich habe ihm auf den Kopf zu gesagt, dass ich nicht glaube, dass er im Auftrag der Polizei anruft. Das ist bei uns absolut nicht üblich.“ Daraufhin legte der Anrufer auch unvermittelt auf. „Bis heute hat er sich nicht wieder gemeldet“, fügt der Elbeuer hinzu.

Ähnlich ging es einer Frau aus Wolmirstedt. Sie bekam vor wenigen Tagen einen Anruf, der genau das selbe Thema zum Inhalt hatte. Der Mann brachte auch hier die Mär von einem Einbruch in der direkten Nachbarschaft vor. Als er dann nach den Sicherheitsverhältnissen vor Ort fragte, wurde die Frau misstrauisch. Sie hat, nach ihren Angaben, die Polizei darüber informiert und das dem Anrufer auch mitgeteilt, bevor sie auflegte.

Fälle sind für Polizei neu

Der Pressesprecher des Polizeireviers Börde, Matthias Lütkemüller, kennt solche Fälle zur Genüge. „Mir ist aktuell nicht bekannt, dass wir einen Hinweis auf Telefonbetrug erhalten haben, allerdings kommen solche Anrufe immer wieder vor“, sagt er. „Darauf sollten sich die Bürger in keinem Fall einlassen. Es ist keine gängige Praxis der Polizei, bei den Leuten anzurufen, um sie von Einbrüchen in der Umgebung in Kenntnis zu setzen.“ Eine solche Aktion klinge für ihn sehr stark nach einer betrügerischen Aktion.

„Die Bürger sollten niemand Zutritt gewähren, den sie nicht kennen und so etwas der Polizei melden“, betont Lütkemüller. „Bei mehreren gemeldeten Fällen wissen wir, dass wieder eine neue Masche versucht wird.“ Außerdem sei es wichtig, die Öffentlichkeit zu informieren, um andere Menschen vor den möglichen Gefahren zu warnen. „Es gibt sehr wohl die Möglichkeit der Überprüfung von Sicherheitsmaßnahmen durch die Polizei, nur erfolgt die auf genau dem umgekehrten Weg“, beschreibt der Pressesprecher. „Bürger können sich bei uns melden und wir beraten diese in sicherheitstechnischen Dingen. Dann gibt es auch einen Hausbesuch durch einen echten Beamten, wenn es denn so gewünscht wird.“

Polizei warnt

Eventuelle Einbrüche thematisiere das Polizeirevier Börde in öffentlichen Pressemeldungen, aber nie würde ein Polizist direkte Nachbarn anrufen und ihnen davon am Telefon erzählen. „Wir nehmen den Fall bei dem direkt Geschädigten auf“, erklärt Matthias Lütkemüller. „Oft kommen einige Tage später meist Regionalbereichsbeamte noch einmal vorbei und bieten ihre Hilfe an.“ Dabei handele es sich jedoch meist um eine Betreuung, um den Bürgern die Angst zu nehmen. Im Mai dieses Jahres sind ähnliche Anrufe in Sachen Telefonabzocke in Irxleben bekannt geworden. Dabei handelte es sich um den sogenannten Enkeltrick. Betrüger versuchten, eine Rentnerin um mehrere tausend Euro zu erleichtern, sie zogen jedoch ohne Beute wieder ab.