Samswegen l „Spaziergänge gehören zu unserem Alltag. Dabei haben wir schon immer Müll aufgehoben und mitgenommen“, berichtet Rosalinde Blume der Volksstimme. Irgendwann habe sie die Idee gehabt, auch eine Mülltüte mitzunehmen.

Gesagt, getan: Seither wird zu Spaziergängen immer ein Beutel mitgenommen und der Müll aufgesammelt. „Ruckzuck war diese immer voll“, berichtet die Neunjährige weiter. Dabei sei die Daukuhle, das Anglerparadies in der Nähe von Samswegen, zum Hauptaktionsort geworden.

Die Sprache verschlagen

Und was die Schülerin bei einem ihrer jüngsten Spaziergänge fand, verschlug ihr und der Familie fast die Sprache: ein kaputter Angelhocker, mehrere defekte Terrassenstühle, meterweise verhedderte Angelsehne, eine Thermoskanne und zahlreiche Verpackungen für Angelzubehör. „Am schlimmsten fand ich die Tüten für Fischfutter, die ebenfalls liegen gelassen wurden“, führt sie weiter aus. Damit war für Rosalinde klar: „Angler können keine Naturfreunde sein. So eine Plastiktüte braucht 400 Jahre, um zu vergehen.“

So kam ihr der Gedanke, ein Hinweisschild anzufertigen. Darauf war zu lesen: „Hallo Angler. Wir haben gedacht, dass Ihr gute Naturfreunde seid. Aber das stimmt nicht. Nehmt Euren Müll mit!“ Das Schild hat sie an einen der Stühle befestigt, die mit weiteren alten Sitzgelegenheiten einen beachtlichen Müllhaufen bildeten.

Doch was dann passierte, damit hat Rosalinde und ihre Familie nicht gerechnet. „Das Schild samt Müllhaufen wurde einfach ins Gebüsch befördert, weil wir ja den Müllhaufen genau auf dem Angelplatz postiert hatten“, sagt die Neunjährige.

Verein will schwarze Schafe ausfindig machen

Für Dietmar Garz ist die Daukuhle eigentlich ein Kleinod. Nicht nur wegen des Angelsports zieht es den Magdeburger immer wieder hierher. „Ich genieße auch die Ruhe“, sagt er gegenüber der Volksstimme. Sein Platz macht einen aufgeräumten Eindruck. Zwei Ruten hat er ausgelegt und daneben stehen zwei Taschen. Hier hat alles seine Ordnung. So zeigt auch er sich entsetzt über den Müll rund um das Gewässer. Hier an seinem Platz stören ihn die vielen Zigarettenstummel. „Ich angle oft mit meinem Kumpel. Auch der ist Raucher, nimmt seine Kippen aber immer mit“, sagt der Magdeburger und fügt hinzu. „Was hier an Müll herumliegt, ist schon schlimm. Ich kann einfach nicht verstehen, dass man seinen Abfall nicht wieder mitnimmt.“

Auch Manfred Derbe sind die vielen Hinterlassenschaften ein Dorn im Auge. „Wir kennen das Müllproblem rund um die Daukuhle und sind da dran“, sagt der Geschäftsführer des Angelvereins „Untere Ohre“, der den See gepachtet hat. Und er erklärt auch, dass mit der Übertragung der Verantwortung durch den Landesangelverband die Hege und Pflege des Gewässers verbunden ist. Von den 22 Gruppen innerhalb des Vereins sei eine Gruppe für die Daukuhle verantwortlich. Die würde ein bis zwei Mal pro Jahr Arbeitseinsätze veranstalten. „Sechs Stunden muss jeder organisierte Angelfreund leisten. Das wird auch immer gerne gemacht“, führt das Vorstandsmitglied aus.

Doch wegen der Kontakt- und Versammlungsverbote infolge der Corona-Pandemie konnte in diesem Frühjahr noch kein Einsatz stattfinden. Dies werde aber nachgeholt, sobald es die Eindämmungsverordnungen zulassen.

Dass es Angelfreunde gibt, die ihren Müll achtlos in die Natur entsorgen, macht Manfred Derbe sauer. „Deren Verhalten schadet ja nicht nur der Natur, sondern auch dem Ansehen der Petrijünger generell“, meint der Vereinspräsident. So will er den Vorwurf von Rosalinde nicht stehen lassen, dass Angler keine Naturfreunde sind. Denn für Petrijünger hat die Einhaltung des Fischereigesetzes und der Gewässerordnung oberste Priorität und mit zahlreichen Projekten leisteten sie einen großen Beitrag für eine intakte Natur. Leider gebe es anonyme Angler, die nicht organisiert sind und teils ohne Berechtigung angelten. Hier macht Derbe den Großteil der Sünder aus, betont aber, dass es auch unter den organisierten Petrijüngern schwarze Schafe gibt.

Fischereiaufsicht kontrolliert

Um diese zu kontrollieren, gibt es die Fischereiaufsicht. Die wird durch Vereinsmitglieder gestellt und ist berechtigt, Angler und Ausrüstung zu kontrollieren. „Nur birgt eine Kontrolle, also die Begegnung mit Fremden, auch ein Risiko“, erzählt Manfred Derbe „Unsere Angelfreunde wissen nie, mit wem sie es vor Ort zu tun haben. Schließlich geht es hier um die Sicherheit unsere Mitglieder.“

So werde für etwaige Aktionen mit der Polizei zusammengearbeitet, wie übrigens erst vor wenigen Tagen, als ein Angler ohne gültige Berechtigung am Baggerloch in Meseberg angetroffen wurde. So verspricht Manfred Derbe: „Wir sind dran, die schwarzen Schafe unserer Zunft ausfindig zu machen.“