Wolmirstedt l Das Ziel war klar formuliert. Als sich vor drei Jahren die Börde-Kommunen Wolmirstedt, Barleben, Niedere Börde, Flechtingen und Oebisfelde-Weferlingen sowie Möser aus dem Landkreis Jerichower Land zum Energieeffizienznetzwerk Mittelland zusammengeschlossen haben, einte sie ein anspruchsvolles Ziel: Die Energiekosten der Kommunen sollten während der Laufzeit des Projekts um 15 Prozent gesenkt werden, die Kohlendioxid-Emissionen um zehn Prozent.

Das Projekt ist Ende 2019 ausgelaufen, die detaillierte Abschlussrechnung liegt noch nicht vor. Aber laut Heidi Werner, der Geschäftsführerin des Projektbetreuers RKW Sachsen-Anhalt in Magdeburg, wurden die Vorgaben eingehalten. Die Mitgliedskommunen haben 1,2 Millionen Kilowattstunden Energie und damit rund 706 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 3000 durchschnittlichen Einfamilienhäusern.

Große Kostenersparnis

Auch die Wolmirstedter wissen, was ihnen die Mitgliedschaft im Netzwerk gebracht hat: Eine Kostenersparnis von 76.500 Euro und eine Kohlendioxid-Reduzierung von 69 Tonnen. Das geht aus einer Vorlage hervor, mit der sich die Stadträte bereits Ende vergangenen Jahres zu beschäftigen hatten. Diese Zahlen haben offenbar nicht nur die Wolmirstedter überzeugt, sondern auch die meisten der teilnehmenden Kommunen. Die Gemeinde Möser wird allerdings nicht mehr dabei sein, dafür will Elbe-Heide teilnehmen.

Laut RKW-Geschäftsführerin Werner sind sich die Kommunen darin einig, dass das Projekt fortgesetzt werden soll, nun allerdings unter dem Titel Interkommunaler Energiemanager. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung hatten am Montagabend die Mitglieder des Wolmirstedter Hauptausschusses auf dem Tisch. Den neuen Energiemanager gibt es bereits, sagt Heidi Werner, seine Arbeit wird er Mitte Februar aufnehmen.

Doch nicht nur der Titel des Projekts hat sich geändert, sondern auch die Finanzierung. Der Energiemanager, der beim RKW angestellt ist, wird jeder Kommune für eine bestimmte Anzahl an Tagen pro Jahr zur Verfügung stehen. In Wolmirstedt sind das 24 Tage, die Stadt bezahlt dafür pro Jahr knapp 6 400 Euro.

Gut angelegtes Geld

Sabine Bednorz, in der Stadtverwaltung die für Bau und Liegenschaften zuständige Fachdienstleiterin, sieht darin gut angelegtes Geld. Die Mitgliedschaft im Netzwerk sei für Wolmirstedt erfolgreich gewesen, deshalb soll das Projekt nun weitergeführt werden. Eine kleine Kommune alleine könne sich solch einen Berater nicht leisten. Doch es sei schon wichtig, einen Spezialisten an der Hand zu haben, der die Stadt berät, Tipps gibt und hilft, Energie und damit auch Kosten zu sparen.

Dabei geht es in erster Linie nicht darum, in neueste energiesparende Technik zu investieren. Eine wichtige Aufgabe des Beraters sei es, die Nutzer aufzuklären und auf deren Verhalten einzuwirken. Damit sind etwa die Hausmeister gemeint, die in städtischen Einrichtungen für die Heizungsanlagen und die Beleuchtung zuständig sind. Diese seien durchaus bereit, sich die Vorschläge des Energieberaters anzuhören, sagt Bednorz. „Wir finden offene Ohren.“

Spezialist soll sich kümmern

Auch für den gesamten Bereich des Energiemanagements sei es gut, wenn sich ein Spezialist darum kümmere. In Wolmirstedt wird der Energieverbrauch zentral erfasst, der Energieberater könne die Daten auswerten und Verbesserungsvorschläge machen. Das ist im Übrigen ein Punkt, dem sich die Kommunen in Zukunft noch mehr widmen werden. Heidi Werner schwebt ein zentrales Energiemanagement und ein zentraler Stromeinkauf für alle Kommunen vor.

Aber auch in Wolmirstedt alleine hat der Energieberater lange zu tun. So sind mehrere Heizungsanlagen in die Jahre gekommen, sagt Bednorz. Die können nicht alle sofort komplett ausgetauscht werden. Aber mit kleinen Mitteln lasse sich auch da bestimmt etwas bewegen. „Es gibt viele kleine Baustellen. Das ist ein Thema, das nie endet.“