39 Mannschaften gingen beim Großboot-Cup auf dem Mittellandkanal an den Start/90 Rennen wurden gestartet

Unglaublich, jetzt schlägt\'s tatsächlich schon 13

Von Karl-Heinz Klappoth

Jetzt schlug es tatsächlich 13. Genauer: Am Sonnabend schoben 39 bekleidungstechnisch ausgeflippte Besatzungen ihre Boote beim 13. Großboot-Cup in Höhe Bootshaus an die gedachte Startlinie auf dem Mittellandkanal. Wobei das starke Geschlecht einmal mehr mit 31 deutlich in der Überzahl war. Dafür aber gaben die Frauen, für alle augenscheinlich, die bessere Figur ab. Und mit den "Flotten Bienen" besiegte ein bärenstarkes Powerteam seine sieben Gegnerinnen. Die Traummänner, pardon, das Traumschiff, gewann bei den Männern. Übrigens nicht die einzigen Pokale, die vergeben wurden.

Elbeu. Wie sagte am Sonnabendvormittag ein alteingesessener Ohrestädter auf dem Weg zum Bootshaus doch so treffend: "Wenn du in Wolmirstedt zu Hause bis, dann musst du im Leben mindestens einmal auf der Schlossdomäne gewesen sein, den Boulevard gequert und an einem Stück den Turm der Katharinenkirche bestiegen haben. Was aber den Großboot-Cup betrifft, den solltest du auf keinem Fall je verpassen."

Er war unter den tausenden Athleten nicht der einzige, der in den vergangenen 13 Jahren diesem Event des Hochleistungssports mit absolutem Spaßfaktor auf dem Mittellandkanal verfallen ist. Cheforganisator Swen Kleinau (einer muss unter 40 umtriebigen Mitgliedern des Wolmirstedter Kanuvereins schließlich die Kapitänsmütze aufhaben) weiß sogar zu berichten, dass nicht wenige unter den aktuellen Startern waren, die sich bereits heute auf den 14. Cup im kommenden Jahr vorbereiten.

Jetzt aber schlägt\'s erst einmal 13. Und die äußeren Bedingungen waren am Sonnabend ab 10.46 Uhr (pünktlich gestartet wurde noch nie) optimal. Das Wetter war durchwachsen, die Wettkampfanlage auf Hochglanz poliert, und die Boote passierten erfolgreich den TÜV. Genau die Voraussetzungen, um sich in die Rekordbücher einzuschreiben. Dass dies aber letztlich keiner der 39 Mannschaften - es rangen 31 Männer- und acht Frauenteams um die heißbegehrten Pokale - gelang, lag einzig und allein daran, dass die Strecke um nicht einmal zehn Meter verlängert wurde.

Dennoch schossen gerade die Frauen auf dieser "Hochgeschwindigkeitsstrecke" den Vogel ab. Was nicht zu erwarten war, denn es handelte sich hierbei um "Die kranken Schwestern" aus einem Rogätzer Altenpflegeheim. Mit 36,90 Sekunden waren sie (um ein Vielfaches) schneller als die Wasserpolizei erlaubt. Moderator Jörg Landmann, ein seit Jahren mit allen Wassern gewaschener Wortakrobat, verschlug es fast die Sprache: "Mit dieser Zeit hätten die Mädels gut und gerne 16 (!) Männerteams hinter sich gelassen. "

Allerdings auch die Mädels von der "Kommune 2", die in Farsleben, Wolmirstedt, Schricke und Magdeburg zuhause sind. Die acht durchgestylten Mädchen konnten zwar nie ernsthaft in das Wettkampfgeschehen eingreifen, dafür aber sahen sie richtig gut aus. Wie auch 88,7 Prozent (nicht Promille) der weit über 400 Akteure einschätzten. Und für das Gut(e)-Aussehen gibt es zumindestens in Elbeu auch einen Pokal, den Spaßpokal.

Übrigens, der einzige Pokal, der an diesem Sonnabend über den Mittellandkanal und Elbe hinaus ging, war der Dolle-olle-schnelle-Jolle-Pokal für die älteste Besatzung, den die "Zinker" aus Calbe an der Saale nach 2010 zum zweiten Mal gewannen. Und auch für 2012 rechnen sich die Calbenser, die es am Sonnabend auf über 450 Jahre brachten, gute Chancen aus. Denn jünger werden sie garantiert nicht. Der Sonderpokal für Familien ging, wie alle Jahre wieder, an Familie Lutz Neumann aus Wolmirstedt.

Es wurde auch ernsthaft geschaufelt, was die Kelle hergab. 90 Rennen waren notwendig, bevor um 18.47 Uhr schließlich das letzte Boot das Ziel ereichte. Es waren die "Speed-Männer", die im Großen Finale den vierten Platz belegten. Eine Klasse für sich waren dagegen die Wolmirstedter, die an Bord des "Traumschiffes" gingen. Nicht nur, dass sie mit 30,04 Sekunden die schnellste Zeit erreichten, sie ließen zudem ihre Gegner ausgesprochen alt aussehen, gewannen den "Endlauf" souverän vor den "Hängebachpiraten" und den "Haien".

Bei den Frauen waren die Schnellsten am Ende nicht die Ersten, und die Schönsten nicht die Besten. Gewonnen haben in einer Millimeterentscheidung "Die flotten Bienen", die in Wolmirstedt angesiedelt sind, vor dem "Versicherungsbüro Lessing". Erst auf dem dritten Platz kamen "Die kranken Schwestern", die aber am Vorabend der Frauenfußball-Weltmeisterschaft die "Samsweger Kickerinnen" auf Platz vier verwiesen.

Die Chronistenpflicht verlangt es: Erst lange nach Mitternacht gingen am Bootshaus endgültig die Lichter aus.