Wolmirstedt l Die Zeit drängt. In anderthalb Jahren beginnt an der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ der erste Abiturjahrgang. Dann wird es eng im Hause, denn auch die Grundschule fordert für die ersten bis vierten Klassen mehr Räume, als bisher zur Verfügung stehen. Nun treten Stadt und Landkreis in Verhandlungen.

Die Idee: Stadt und Landkreis tauschen ihre Häuser. Die Stadt übernimmt das Haus der ehemaligen Harnisch-Schule und bringt dort die Grundschule unter. Der Landkreis übernimmt das Haus der Gutenberg-Schule und hat Platz für seine Gemeinschaftsschule samt Abiturklassen. Damit wäre das jetzige Kuddelmuddel beendet.

Zu wenig Platz bei Gutenbergs

Was einfach klingt, ruft vorher noch die Finanzer auf den Plan. Denn: Das Gutenberg-Haus ist viel mehr wert als das Harnisch-Haus. Die Stadt würde also Miese machen, wenn sie die schicke Gutenberg-Schule einfach so wegtauschen würde und die unschönere Harnisch-Schule bekäme. „Deshalb wird gerade über einen Lastenausgleich verhandelt“, sagt die stellvertretende Landrätin Iris Herzig. Heißt im Klartext: Der Landkreis könnte Milliönchen an die Stadt geben, bekäme dann aber das schickere Gutenberg-Schulhaus.

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Die genaue Summe, die über den Tisch gehen müsste, ist noch nicht bekannt. Fakt ist, der Stadt Wolmirstedt käme sie gerade recht. „Wenn wir die ehemalige Harnisch-Schule bekommen und als Grundschule herrichten, müssen wir investieren“, stellt Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) klar. Dafür sollen Fördermittel aus dem Stark-III-Programm fließen. Das sind Landesgelder, die Stadt muss einen Eigenanteil bereithalten. Das Landkreis-Geld könnte direkt in diesen Topf fließen. Über diesen Weg sind sich Stadt und Landkreis inzwischen einig.

Finanzieller Ausgleich geplant

Endlich. Die Schulleiter regen dieses Tauschgeschäft bereits seit vier Jahren an. Grundschulleiterin Doreen Haensch hat mehrfach im Stadtrat vorgesprochen, Gemeinschaftsschulleiter Helmut Thiel im Kreis. Nun sieht es so aus, als würde ihr Flehen erhört. Jetzt drängt die Zeit.

Die Anträge für die Stark-III-Fördermittel für die Sanierung der Harnisch-Schule müssen bis zum 4. Mai im Landesverwaltungsamt vorliegen. Den Antrag kann nur der Eigentümer stellen. Ob das Gebäude bis dahin der Stadt gehört, ob Schulen innerhalb weniger Wochen getauscht werden können, ist fraglich. In Bockshorn jagen lassen will sich Martin Stichnoth dennoch nicht. „Dann müssen wir eben im Landesverwaltungsamt vorsprechen.“

Auch die stellvertretende Landrätin Iris Herzig marschiert in die gleiche Richtung. „Der Schultausch ist eine vernünftige Entscheidung, ich hoffe, dass wir im ersten Halbjahr eine Lösung finden.“

Zeit wird knapp

Beide Schulträger haben offenbar erkannt, dass es nicht allein, um Schülerzahlen geht, sondern auch um Bildungsinhalte. In der Grundschule gibt es viele Kinder, die gezielt gefördert werden müssen. In jahrgangsübergreifenden Klassen wird individuelles Lernen ohnehin groß geschrieben. Separate Räume bieten dafür Ruhe. Auch der Hort soll endlich vom Dasein eines Kellerkindes erlöst werden. Zudem soll eine Sprachklasse Migrantenkinder für den Schulunterricht fit machen. Das alles muss auch bei steigenden Schülerzahlen gestemmt werden.

Dasselbe gilt auch für die Gemeinschaftsschule, in der Kinder ab der fünften Klasse lernen, in der ab 2019 die ersten Abiturklassen mit der Oberstufenlaufbahn beginnen.

Noch lernen fast alle Kinder im Schulhaus der Gutenberg-Schule. Aus Verwaltungssicht ist das ein wenig durcheinander und das soll entzerrt werden. Das Durcheinander entsteht, weil im stadteigenen Haus der Gutenberg-Schule auch die Kinder ab der fünften Klasse der Gemeinschaftsschule lernen.

Lage derzeit verworren

Deren Träger ist jedoch der Landkreis. Der ist also im stadteigenen Gutenberg-Schulhaus nur Gast. Zu allem Überfluss reicht der Platz der Gemeinschaftsschule nicht aus, sodass die fünften und sechsten Klassen bereits in die Harnisch-Schule ausgewichen sind.

Andererseits hat der Landkreis mit der Einrichtung der berufsorientierenden Werkstätten bereits ins stadteigene Gutenberg-Schulhaus investiert. Ein Vorschlag für eine geordnete Schullandschaft soll den stadträten zum 12. März im Hauptausschuss vorliegen.