Wolmirstedt l Die Freude war groß. Im Mai wurde der Schulweg in Wolmirstedts Geschwister-Scholl-Straße endlich wieder sicherer. Der Landkreis Börde als Straßen­eigentümer ließ einen Zebrastreifen anlegen, die Stadt steuerte die Beleuchtung bei. Doch nun zeigt sich ein Konflikt: Die Linksabbiegerspur scheint sich nicht mit der guten Absicht eines Fußgängerüberweges zu vertragen. Muss einer von beiden weichen?

Es sieht so aus. Seit Anfang August sperren Warnbaken die Linksabbiegerspur ab. Sie steht schlichtweg nicht mehr zur Verfügung. Drei Monate lang will der Landkreis beobachten, ob es Rückstaus oder gehäufte Unfälle gibt, wie sich der fließende Verkehr verhält. Nach diesen drei Monaten soll entschieden werden, „wie die Verkehrsführung an dieser Stelle zu realisieren ist“, heißt es vom Straßenverkehrsamt.

Amtsleiter Jürgen Till lässt keinen Zweifel daran, dass die Linksabbiegerspur entfernt wird. Es ist eher die Frage, wie das Straßenstück, das vor Kurzem noch eine Linksabbiegerspur war, künftig aussehen soll. Wird ein Hochbord den fließenden Verkehr abtrennen, der Grünstreifen verlängert oder gibt es eine neue Asphaltdecke? Im Oktober soll eine Entscheidung stehen.

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Doch was kann eigentlich passieren, wenn sowohl die Linksabbiegerspur als auch der Zebrastreifen bestehen bleiben? Warum gibt es nicht für beide eine Zukunft?

Jürgen Till erklärt das sinngemäß so: Steht in der Linksabbiegerspur ein Auto vor dem Zebrastreifen, weil es in die Gipfelstraße einbiegen will und ein Kind überquert auf diesem Zebrastreifen die Straße, dann kann passieren, dass ein Auto, das auf der Geradeausspur Richtung Elbeu unterwegs ist, das Kind vor dem Linksabbieger-Auto nicht sehen kann. Damit besteht ein Unfallrisiko. Dieses Risiko will niemand eingehen. Es bleibt also nur die Frage: Linksabbiegerspur oder Zebrastreifen.

Die Tendenz ist klar. „Wir bestehen darauf, dass dieser Zebrastreifen bleibt“, macht Ordnungsamtschef Dirk Illgas deutlich. Für Mike Steffens, den Vorsitzenden der KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion des Stadtrates ist das ebenfalls gar keine Frage. Seine Fraktion hatte seinerzeit den Antrag eingereicht, an dieser Stelle einen Fußgängerüberweg anzulegen. Bürgermeisterin Marlies Cassuhn hatte dieses Ansinnen an den Landkreis weitergeleitet und dort wurde relativ schnell entschieden, dass es diesen Zebrastreifen geben wird.

Zu schnell? Wurde nicht ausreichend geprüft, ob Linksabbiegerspur und Fußgängerüberweg gleichermaßen Bestand haben? Davon will Jürgen Till nichts wissen. Der Straßenverkehrsamtsleiter spricht von Auslegungsmöglichkeiten des Gesetzes.

Klar ist, dass keine zwei Fahrspuren nebeneinander auf so einen Zebrastreifen zulaufen dürfen. Strittig war, ob die Linksabbiegerspur eine Sonderrolle einnehmen kann, weil Autos darauf ohnehin langsamer unterwegs sind. Doch nun hat sich offenbar die Ansicht durchgesetzt, dass einer Linksabbiegerspur keine besondere Rolle zukommt, dass durch den Verkehr auf dieser zweiten Spur Fußgänger tatsächlich in Gefahr kommen können.

Bleibt die Frage: Was bedeutet es für den Autoverkehr, wenn die Linksabbiegerspur wegfällt? Wolmirstedts Ordnungsamtschef Dirk Illgas verbreitet Optimismus. „Nach bisherigen Beobachtungen verlangsamt sich dadurch der Verkehr. Das ist gut für die Sicherheit auf dem Fußgängerüberweg.“ Bis ein abschließendes Ergebnis vorliegt, werden weitere Vorort-Termine folgen.

Warum ist an dieser Stelle überhaupt ein Zebrastreifen wichtig? Die Geschwister-Scholl-Straße ist eine wichtige Verkehrsader. Auf der ehemaligen B189 sind viele Pendler unterwegs, der Berufsverkehr ist relativ dicht. Zur selben Zeit beginnt morgens die Schule. Im Westen befinden sich die Gutenberg-Schule und das Gymnasium, im Osten die Leibniz-und die Diesterweg-Schule. Viele Kinder müssen die Straße queren, außerdem sind Schulbusse unterwegs.

Die Sicherheit der Fußgänger war lange durch die Verkehrshelfer der Kreisverkehrswacht gegeben. Jeden Morgen standen die sogenannten Schülerlotsen um Dieter Frinken an der Kreuzung und wachten darüber, dass Fußgänger sicher über die Geschwister-Scholl-Straße gehen können. Nach Dieter Frinkens Tod wurde der Verkehrshelferbetrieb eingestellt. Damit stieg die Sorge um die Sicherheit der Kinder. Nach dem Antrag der KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion gab es keinen Widerstand, Stadt und Landkreis stimmten zu, dass Handlungsbedarf besteht. DIN-gerecht wurde der Zebrastreifen angelegt.