Wolmirstedt l Freitagfrüh, kurz vor dem Schulbeginn, krachte es. Ein Elfjähriger fuhr mit seinem Fahrrad über den Zebrastreifen in der Geschwister-Scholl-Straße Richtung Gymnasium. Dabei wurde er von einem 17-jährigen Mopedfahrer erfasst. Beide stürzten und wurden verletzt, heißt es im Polizeibericht. Lebensgefahr bestehe nicht, aber beide wurden in Krankenhäuser gebracht.

Der Übergang über die Geschwister-Scholl-Straße steht seit Jahren in der Kritik. Viele Kinder müssen diese Verkehrsader morgens im Berufsverkehr überqueren. Jahrelang sorgten Schülerlotsen für die Sicherheit, die gibt es nicht mehr. Vor wenigen Monaten wurde ein Zebrastreifen eingerichtet. Dann bemerkten Verkehrsexperten, so ein Fußgängerüberweg darf nur über eine Fahrspur pro Richtung führen. Also sperrten Warnbaken die Linksabbiegerspur ab und versperrten die Sicht. Nun ist eine Baustelle eingerichtet, die Spur wird komplett entfernt.

Verkehrsexperten bezweifeln, ob damit die optimale Lösung für die Sicherheit der Fußgänger und den Verkehrsfluss gegeben ist. Befürchtet wird, der Verkehr werde sich hinter den Linksabbiegern stauen, außerdem haben es Rettungsfahrzeuge noch schwerer, durchzukommen.

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Bedarfsampel als Lösung?

„Eine Bedarfsampel wäre an dieser Stelle die bessere Lösung“, beharrt Erich Thiede, der Vorsitzende der Landesverkehrswacht. So eine Bedarfsampel steht auch an der Gutenberg-Schule. Sie geht nur in Betrieb, wenn Fußgänger einen Knopf drücken, ansonsten kann der Verkehr ungehindert rollen.

Die KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion des Stadtrats möchte hingegen die Variante Kreisverkehr noch einmal prüfen lassen. Die Möglichkeit war Anfang der neunziger Jahre schon einmal ins Spiel gebracht worden, doch damals gab es nicht genug Platz. Inzwischen wurden in diesem Bereich Fünfgeschosser entfernt, somit solle noch einmal neu gedacht werden.

Entscheiden wird am Ende der Landkreis, der ist für die Geschwister-Scholl-Straße verantwortlich.

Die Regionalbereichbeamten Jens Kaulfuß und Marco Rath sehen jedoch nicht nur die Behörden in der Pflicht. „Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass Kinder an der Schultasche und der Kleidung Reflektoren tragen, ihre Fahrräder beleuchtet sind, bestenfalls helle Kleidung tragen. Nur so sind sie auch im Dunkeln gut zu erkennen.“

Das kann Leben retten, besonders, wenn Kinder dicht an der Straße unterwegs sind, wie zwischen Wolmirstedt und Elbeu. Dort wurde bereits Tempo 30 angeordnet, doch nicht immer halten sich Autofahrer daran. Um so wichtiger ist es, dass Kindern die Gefahren im Straßenverkehr bewusst sind, dass sie lernen, damit umzugehen.

Fahrradprüfungen abgenommen

Die beiden Regionalbereichsbeamten haben gerade in den Grundschulen die Fahrradprüfungen der Viertklässler abgenommen und dabei auch die Fahrräder intensiv begutachtet. Während es in der Gutenberg-Schule einige Mängel gab, waren alle Fahrräder der Viertklässler der Diesterweg-Grundschule in einem tadellosen Zustand. „Wir haben im Vorfeld intensiv mit Kindern und Eltern gearbeitet“, begründet die verantwortliche Lehrerin Ute Haberkorn.

Zur Fahrradprüfung gehörte auch ein praktischer Teil. Dabei mussten die Kinder mit dem Fahrrad eine große Strecke im Straßenverkehr zurücklegen und zeigen, dass Fahrräder auf dem Zebrastreifen geschoben werden. „Das ist Pflicht“, betont Jens Kaulfuß, „alle, außer Rollstuhlfahrer, müssen zu Fuß gehen.“ Er hofft, dass alle Radfahrer dieses Prinzip immer und überall beherzigen.

Es gilt aber auch: Fahrzeugführer müssen auf die Fußgänger achten. Das gehört zum Grundprinzip eines Zebrastreifens. Der verdankt seinen Namen übrigens nicht dem Tier, sondern ist die Abkürzung für „Zeichen eines besonders rücksichtsvollen Autofahrers“.