Treff der Bürgerinitiative für eine Lärmschutzwand an der A2 bei Tundersleben und Groppendorf

"Viele fühlen sich von der Politik veralbert"

Von Maik Schulz

Unermüdlich kämpfen die Einwohner von Groppendorf und Tundersleben für eine Lärmschutzwand vor ihrer Haustür, direkt an der Autobahn A2. Angesichts der bevorstehenden Stichwahl für das Landratsamt hatten sie beide Kandidaten vor Ort eingeladen. SPD-Kandidat Wolfgang Zahn war der Einladung gefolgt.

Tundersleben. Frust macht sich breit. Nach neun Jahren Kampf gegen den Autobahnlärm schwinden allmählich die Hoffnung und das Vertrauen, vor allem in die Politik. "Viele Groppendorfer haben nur abgewunken, als ich sie über den heutigen Termin informiert habe", berichtete am Mittwoch die Groppendorferin Ursula Dörge an der Fußgängerbrücke nahe Tundersleben. Sie erzählte: "Wir fühlen uns von der Politik veralbert und im Stich gelassen, seit Jahren wird uns Unterstützung versprochen. Das Resultat ist gleich Null."

In den ersten Jahren des Kampfes nährte ein nach wie vor aktuelles Projekt die Hoffnungen der vom Lärm geplagten Anwohner wie Henning Wagner. Dessen Grundstück auf der Domäne Tundersleben liegt keine 200 Meter von der Autobahn entfernt. Den Blick in den wunderschönen Garten genießt seine Familie meist nur hinter Lärmschutzfenstern vom Sommergarten aus.

Frust macht sich unter den Bewohnern breit

Das Projekt für einen nachhaltigen Lärmschutz in Tundersleben hatte die Planungsgesellschaft GoEn mit Sitz in Halle/Saale konzipiert. Die GoEn-Pläne sehen eine Kombination von Lärmschutz und einer darauf montierten Solar-Energieanlage vor. Seit Vorstellung dieser Pläne sind inzwischen Jahre vergangen. Immer wieder tauchten neue Hürden auf, die aber genommen werden konnten. Immer wieder wurden angekündigte Starttermine für den Bau der Lärmschutzwand verschoben. Nebeneffekt der Aufschiebung des Baubeginns war eine Finanzierungslücke. Durch die inzwischen zwar wieder etwas korrigierte Absenkung der Einspeisevergütung für Ökostrom wie Sonnenenergie auf Bundesebene geriet das Projekt ins Wanken. Zuletzt war eine Finanzierungslücke von etwa 300000 Euro entstanden.

"Daran darf es jetzt nicht scheitern. Die gesamte Planung ist endlich in trockenen Tüchern. Das Finanzierungskonzept steht – bis auf die besagten 300000 Euro. Diese unendliche Geschichte muss ein Ende haben und zwar ein gutes. Alle versprechen uns zu helfen, aber es passiert nichts. Viele Anwohner winken bereits ab und haben jedes Vertrauen in die Versprechungen der Politiker aller Ebenen verloren", erklärte Günter Dörge, Wortführer der Bürger für eine Lärmschutzwand an der A2.

Vor der Landtagswahl 2011 hatte sich der damalige Wirtschaftsminister und heutige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, mit der Bürgerinitiative getroffen. Dabei hatte Haseloff zugesagt, in Gesprächen mit dem Bund nach möglichen Förderquellen zu suchen, die Sachsen-Anhalt nicht zur Verfügung stehen.

"Woanders Pilotprojekte und hier passiert nichts"

"Seither ist aber trotz mehrmaliger Anfragen meinerseits bei der Landesregierung nichts geschehen. Jedenfalls haben wir nichts von irgendwelchen konkreten Ergebnissen gehört", beklagte Günter Dörge und ergänzte: "Wir lesen immer nur von Pilotprojekten andernorts in Sachsen-Anhalt, wo man Lärmschutz mit Solaranlagen verbindet. Hier bei uns liegt ein komplettes Projekt vor, dem es an 300000 Euro mangelt. Wir können nicht mehr verstehen, warum sich an der A2 nichts bewegt, mal den stetig zunehmenden Verkehr auf der Autobahn ausgenommen."

Wolfgang Zahn erklärte: "Dieses Projekt für Groppendorf und Tundersleben ist hervorragend im Gegensatz zu den Solaranlagen wie sie jüngst im Jerichower Land auf fruchtbarem Bördeacker in großem Stil errichtet wurden. Ich bewundere ihr Engagement und kann nur versprechen, dass ich als Landrat mit Ihnen immer in Kontakt bleiben und alles versuchen werde, was möglich ist. Ob das zu dem gewünschten Erfolg führt, kann ich Ihnen aber nicht versprechen."

"Ähnliches haben wir immer gehört, auch von ihrem Vorgänger Herrn Webel", erklärte Günter Dörges Bruder Georg.

Webel ist inzwischen Landesverkehrsminister und hat Dörge Ende Mai aus seinem neuen Amt geschrieben und erklärt, dass "auf die Einspeisevergütung sowie die Fördermöglichkeiten des Landes von hier aus kein Einfluss genommen werden (kann)." Seitens der Straßenbauverwaltung des Landes seien "alle Möglichkeiten der Unterstützung und die Voraussetzungen zur Umsetzung des Vorhabens gegeben worden".