Wolmirstedt l Sechs kleine Eulenkinder drängen sich eng aneinander. Sie sitzen in einer Holzkiste, die Klaus Mewes 2017 gebaut und als Nistplatz auf dem Dachboden am Fenster befestigt hat. Diese Eulenwohnung schien so verlockend zu sein, dass sich bereits ein Schleiereulenpaar darin eingenistet hat. Das Weibchen hat neun Eier gelegt, daraus haben sich sechs Junge prächtig entwickelt. Davon überzeugten sich neben der Familie Mewes auch Eulenexperte Herbert Bilang sowie Björn Schäfer.

Björn Schäfer ist der Beringer, er arbeitet im Sinne des Ornithologieverbandes und war nach Farsleben gekommen, um den kleinen Eulenkindern mit den Ringen eine Art Personalausweis ans Bein zu knipsen. Damit können sie an allen Orten der Welt identifiziert werden. Wirklich weite Wege legen Schleiereulen jedoch meist nicht zurück. Finden die Jungen in der Region gute Bedingungen vor, bleiben sie in der Nähe der Eltern.

Günstige Bedingungen

In Farsleben scheinen die Bedingungen für Schleiereulen günstig zu sein, auch in diesem trockenen Sommer. Das Gebiet hinter den Bahnschienen zeigte sich trotz fehlender Niederschläge dauerhaft grün. Die Eulenexperten gehen davon aus, dass dort ausreichend Mäuse zu finden sind, die Schleiereulen also ihr Lieblingsfutter in ausreichendem Maße verspeisen können.

Bilder

Die Schleiereulenkinder aus dem Hause Mewes zeigen sich proper. Björn Schäfer wiegt die fünf bis sechs Wochen jungen Vögel, sie bringen zwischen 212 und 362 Gramm auf die Waage. Dann bekommen sie ihren Ring. Natürlich lassen es sich die Eulenherbergseltern Klaus und Inge Mewes nicht nehmen, ihre Vogelkinder bei dieser Gelegenheit in die Hand zu nehmen. Das Gefieder fühlt sich flauschig an, ein wenig fettig gar, ähnlich wie Schafwolle. Die Krallen sind ordentlich ausgeprägt, angesichts ihrer Schärfe vergeht schnell die Lust, so ein Eulenbaby im Wohnzimmer großzuziehen. Schließlich dürfen die Flauschbälle zurück in die Eulenwohnung am Dachfenster.

Kontakt schadet Eulen nicht

Der menschliche Kontakt schadet der Eulen-Eltern-Kind-Beziehung nicht. „Die Euleneltern werden sie trotzdem weiterfüttern“, versichert Herbert Bilang. Während der Beringung allerdings haben die Altvögel das Nest verlassen. „Wahrscheinlich beobachten sie uns aus sicherer Entfernung“, vermutet Klaus Mewes.

Er und seine Frau Inge sehen Herrn und Frau Schleiereule abends oft auf dem Ast eines Baumes von der Jungenaufzucht verschnaufen. Eulenexperte Herbert Bilang ermuntert: „Ich wünsche mir noch viel mehr Menschen, die Eulen ein Zuhause geben.“