Wolmirstedt l Der Einladung zum Volksstimme-Wahlforum in den Wolmirstedter Katharinensaal waren am Mittwochabend knapp 100 Bürger gefolgt. Jeweils ein Vertreter der insgesamt zehn Parteien und Wählergruppierungen, die sich bei der Kommunalawahl am 26. Mai um den Einzug in den Stadtrat bewerben, nahm auf dem Podium Platz. Lokalredaktionsleiterin Gudrun Billowie stellte die Kandidaten nacheinander vor und wollte als Erstes wissen, welche Ziele sie in der Ohrestadt in den nächsten fünf Jahren umsetzen möchten.

„Wir wollen dafür sorgen, dass die sozialen, kulturellen und sonstigen Vorhaben finanzierbar und bezahlbar werden“, sagte Marco Langhof. Der 54-Jährige stellte sich den Fragen im Wahlforum als Vertreter der CDU – mit 14 Sitzen die derzeit stärkste Fraktion im Stadtrat. Wohlstand müsse erarbeitet werden, lautete sein Credo. Die CDU tritt in Wolmirstedt mit 23 Kandidaten zur Kommunalwahl an.

Sich auf die wichtigen Themen in der Stadt zu konzentrieren, stehe für die SPD im Fokus, erklärte Waltraud Wolff. Dazu gehörten die Entwicklung des ehemaligen Krankenhausgeländes, der Bau eines neuen Sportplatzes und eine Lösung für die „unendliche Geschichte“ Schultausch. Bei der Stadtratswahl schickt die SPD 14 Bewerber ins Rennen.

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Hans-Rüdiger Lautner vertrat am Mittwochabend die Linke, die mit 8 Bewerbern in den Stadtrat einziehen möchte. „Wir stehen für soziale Themen ein und unterstützen gerne und umfangreich sozial Benachteiligte“, sagte der 62-Jährige. Die Partei trete zudem für gerechte Mieten ein.

Für das Bündnis 90/ Grüne war Thomas Schlenker zu Gast. In der nächsten Legislaturperiode wolle seine Partei unter anderem die Kindereinrichtungen weiter fördern und Wolmirstedt als Gesundheits- und Vorsorgezentrum erhalten, um eine langfristige medizinische Versorgung zu gewährleisten. „Dafür muss der Stadtrat die Weichen stellen“, betonte der 56-Jährige. Er geht mit drei weiteren Parteikollegen ins Rennen.

Die Ohrestadt und ihre Ortschaften für junge Familien attraktiver zu gestalten, sei eines der Ziele der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) Wolmirstedt. Denkbar wäre zudem ein Rückholprogramm, auch um den Bedarf an Arbeitskräften zu sichern. Die Schullandschaft sei ein wichtiges Thema, auch die Schlossdomäne liege der UWG am Herzen. Vertreten wurde die Wählergruppe von Klaus Mewes.

Der 18-Jährige Politik-Neuling Sean Winkler sprach beim Wahlforum für die FDP. Ein Wahlprogramm habe die Partei nicht erarbeitet. Wichtig seien jedoch die Schulstandorte, ein „vernünftiges“ Sportstättenkonzept und eine „Politik für alle Generationen“. Für die FDP treten vier Kandidaten an.

Geld vorhanden

Um „Politik mit Sachverstand“ gehe es der Freien und Unabhängigen Wählergemeinschaft (FUWG), vertreten durch Knut Hörnig. Geld sei genügend vorhanden, „man muss es nur dorthin verteilen, wo es gebraucht wird“, betonte er. Der 71-Jährige und seine vier Mitbewerber wollen sich auch um die Menschen kümmern, die Sozialleistungen brauchen.

Für die AfD hatte Felix Zietmann auf dem Podium Platz genommen. Die Ziele seien seit der Gründung der Partei die gleichen geblieben, sagte der 28-Jährige. Dazu gehörten unter anderem die Abschaffung der Kita- und Hortgebühren und die Stärkung der inneren Sicherheit. Die AfD kandidiert mit acht Mitgliedern.

Mit 20 Kandidaten tritt die Kommunale Wählergemeinschaft (KWG) Börde am 26. Mai an. „Wir wollen darauf achten, dass hier kein Stillstand entsteht und Dynamik in die Stadt bringen“, erklärte Mike Steffens. An erster Stelle würden die Menschen stehen.

Frank Meyer wiederum vertrat die Wolmirstedter Wählergemeinschaft Plan B (WWP). Mittels einer Stiftung sollen Kultur- und Sportvereine langfristig und zuverlässig unterstützt werden. Eine weitere Idee: Mit einem Stipendium für ihr Studium könnten junge Mediziner im Anschluss als niedergelassene Ärzte an die Stadt gebunden werden.

Mehrere Punkte wurden während des Wahlforums häufiger thematisiert. Ausgewählte Antworten der Kandidaten zu Schwerpunkten sind im Folgenden zusammengefasst:

Krankenhausgelände

Die SPD wolle Bürgermeisterin Marlies Cassuhn (parteilos) dabei unterstützen, das Areal zu einem „grünen und guten Stadtteil“ zu entwickeln, sagte Waltraud Wolff. Die UWG Wolmirstedt würde auf dem Gelände gern eine sogenannte Gartenstadt entstehen lassen. Darunter verstehen sich – allgemein gesprochen – verschiedene Konzepte für Siedlungen mit vielen Grünflächen. „Sehr sympathisch“ finde auch Thomas Schlenker (Grüne) diese Idee. „Ich sehe das in Zusammenhang mit der Ohrepromenade“, sagte er. Dort stelle sich seine Partei eine Art Naturerlebnisraum vor.

Sportstätten

Eine neue Sportstätte bauen, möglichst in der Nähe der Gutenberg-Schule und des Gymnasiums, möchte die SPD. Ganz anders sehen das die Grünen: „Wir stehen dafür ein, das traditionsreiche Sportstadion am Küchenhorn auf Vordermann zu bringen“, sagte Thomas Schlenker. Gemischte Gefühle habe die UWG: „Unser Herz schlägt für das traditionsreiche Küchenhorn, wenn man es herrichten kann. Ein neues Station wäre auch gut, wenn es finanzierbar ist“, wägte Klaus Mewes ab. Die FDP halte aufgrund der Probleme im Falle eines Hochwassers nicht am Küchenhorn-Stadion fest. Zudem sei es nicht besonders gut zu erreichen. „Ich sehe keinen Sinn dahinter, das zu sanieren, und viel Geld hineinzustecken, ohne zu wissen, wie rentabel es wäre“, sagte Sean Winkler. Lieber solle ein neues Stadion gebaut werden – „und zwar dort, wo man es sehen kann“. Mike Steffens plädierte dafür, in dieser Frage die Bürger entscheiden zu lassen.

Schultausch

Es sollten sich alle an einen Tisch setzen und eine Lösung finden, forderte Mike Steffens. Es müsse deutlich gemacht werden, warum der Tausch der ehemaligen Harnisch-Schule (im Besitz des Landkreises) und der Grundschule (gehört der Stadt) wichtig sei. Überzeugt werden müsse letztlich der Landkreis. Am Grundsatzbeschluss des Stadtrates zum Schultausch sollte nach Meinung von Marco Langhof nicht gerüttelt werden. „Wir haben eine super ausgebaute Grundschule. Es gibt keinen Grund, dem Landkreis den Buchwert der Harnisch-Schule zu zahlen – einen Buchwert, der überhaupt nicht für das alte Schulgebäude besteht.“ Der Landkreis sei am Zug, findet auch Waltraud Wolff. „Wir werden Druck machen“, betonte sie.

Schlossdomäne

Die UWG Wolmirstedt und FUWG haben zusammen ein Konzept zur Entwicklung der Schlossdomäne erarbeitet. Dieses sieht vor, das Ensemble unter Einbeziehung verschiedener Akteure als neuen historischen Kultur- und Veranstaltungsstandort mit überregionaler Bedeutung zu etablieren – mit Lesungen, Theater, Ausstellungen, Musik und mehr.

Nachnutzung Landratsamt

Die Linke stellt sich vor, in dem seit einigen Monaten leer stehenden Gebäude künftig eine Art Notdienst beziehungsweise medizinische Rettungsstelle zu beherbergen. Zwar habe die Stadt diesbezüglich keine Handlungsmacht. „Aber die Vertreter der Initiativen und Parteien müssen sich dahinter klemmen und das immer wieder anregen“, sagte Hans-Rüdiger Lautner. Auch die CDU hat sich die Nachnutzung des Landratsamtes auf die Fahne geschrieben, stellt sich jedoch einen modernen „Coworking Space“ vor, eine Art Gründerzentrum. Das Prinzip: Selbstständige können sich ein Büro oder auch nur einen Schreibtisch mieten und in einer Bürogemeinschaft ihrer Arbeit nachgehen. „So etwas gibt es nicht nur in Berlin, das sprießt inzwischen überall aus dem Boden“, erklärte Marco Langhof.