Historische Häuser

Was Wolmirstedter mit den alten Häusern anfangen wollen

In manch alten Häusern tobte vor Jahren das Leben, doch inzwischen haben sie ihre Bestimmung verloren. Eine Chance haben sie nur, wenn Menschen ihnen neues Leben verleihen. Wie weit ist das möglich?

Von Gudrun Billowie 11.08.2021, 17:19
Das alte Rathaus von Wolmirstedt gibt es Kaufinteressenten. Doch noch ist nichts in Sack und Tüten.
Das alte Rathaus von Wolmirstedt gibt es Kaufinteressenten. Doch noch ist nichts in Sack und Tüten. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Längst hat das uralte Rathaus seinen Glanz verloren. Die Fassadenfarbe changiert zwischen beige und grau, im Fenster bettelt ein Schild „Kaufe mich!“. Doch selbst das scheint nicht so einfach zu sein. Das Gebäude mit den 15 Zimmern auf 253 Quadratmetern gehört zur Insolvenzmasse der „Frisierkunst“, die darin bis zur Insolvenz im April 2020 ihren Sitz hatte. Das Erbbaurecht ermöglichte der Frisierkunst GmbH, das Bauwerk zu unterhalten, Grund und Boden gehören der Stadt. Kommt es zu einem Verkauf, muss der Stadtrat zustimmen. Der wird sich vermutlich im September damit befassen.

Inzwischen soll es einen Interessenten geben, der in diesem Gebäude Wohnungen einrichten will. Eine gewerbliche Nutzung des Hauses werde nicht angestrebt. Diese Entscheidung erscheint angesichts des Leerstandes in der Innenstadt nachvollziehbar.

Von der Vergangenheit als Rathaus von Wolmirstedt erzählt noch immer das Wappen über der Eingangstür. Das zeigt die heilige Katharina mit Lilie und zerbrochenem Rad. Denkmalpfleger Erhard Jahn weiß noch, dass im Obergeschoss die Ratsherren tagten und im Untergeschoss die Gaststätte „Ratskeller“ betrieben wurde.

Von der Geschichte des Hauses erzählt der Wolmirstedter Autor Otto Zeitke (95) in seinem Buch „Straßengesichter meiner Stadt“. Es soll 1718 fertiggestellt worden sein, „nach jahrelangen Querelen“. Diese Querelen sind nicht näher benannt.

Zukunft der ehemaligen Kita Glindenberg ungewiss

Über die Zukunft der ehemaligen Kita in Glindenberg gibt es noch gar keine Vorstellungen. Dort kleben zwar noch immer Papierbagger aus Kita-Zeiten in den Fenstern, aber richtige Bagger oder andere Baufahrzeuge werden dort wohl nicht so schnell anrücken. Die ehemalige Kita gehört zum Objekt Breite Str. 25, dem Gemeindehof. In den anderen Gebäuden des alten Vierseitenhofes ist die Soziale Bürgerinitiative Glindenberg mit dem Hort „Elbpiraten“ angesiedelt, die Sporthalle sowie der Vereinsraum der Sportler von Blau-Weiß Elbe Glindenberg. Die Kita „Kleine Elbstrolche“ ist vor Jahren in einen Neubau gezogen.

Was mit den ehemaligen Kita-Räumen passieren soll, dazu gebe es gegenwärtig keine spruchreifen Pläne, heißt es aus dem Rathaus. Ideen gab es hingegen schon: Es wurde überlegt, dort eine Begegnungsstätte für Senioren, ein Frisörstudio oder ein Ortsbürgermeisterbüro einzurichten. Vor allem der barrierefreie Zugang ließ solche Blütenträume reifen. Doch bisher wurde nichts dergleichen verfolgt.

Bürgerhaus wird ab September saniert

Das Bürgerhaus ist ebenfalls ein Haus mit Geschichte. Heute ist das ehemalige Herrenhaus der Domäne Heimstätte der Kultur und wird vom Schranke-Verein betrieben. Chor, Töpfergruppen, Fotoclub, das OK-Live-Ensemble sowie der Katharina-Verein haben in den Räumen eine Heimstatt gefunden. Demnächst möchte auch die Textilwerkstatt aus der Burgstraße dort einziehen. Doch das Haus selbst braucht dringend eine Reparatur.

Die beginnt voraussichtlich im September. Zuvor werden Efeu und wilder Wein von der Fassade entfernt. Die Pflanzen sollen nach aktuellem Stand nach dem Ende der Bauarbeiten wieder an der Wand hinaufklettern können.

Zunächst werden Sandsteingewände erneuert, die Risse in der Fassade geschlossen. Das betrifft sowohl das Hauptgebäude, das Sichtmauerwerk der Südfassade, als auch das Fachwerkhaus, das unter anderem den äußeren Zugang zum Schlosskeller bildet. Weiterhin werden die Fenster komplett ausgetauscht, die Dacheindeckung des Fachwerkgebäudes erneuert. Das gesamte Gebäude erhält einen neuen Farbanstrich. Im Juni kommenden Jahres soll alles fertig sein.

Das Schranke-Team will trotzdem am Kulturbetrieb festhalten, sofern die Bauarbeiten und die Entwicklung der Corona-Situation das zulassen.

Einstiges Arbeiterwohnhaus wird Pilgerherberge

Fleißig gewerkelt wird hingegen schon seit einiger Zeit am nordwestlichen Haupteingang zur Wolmirstedter Schlossdomäne. Einst diente dieses Haus den Arbeitern der Domäne als Wohnhaus, zuletzt stand es lange leer. Ursprünglich wollte Roland Bohlein dort ein Café einrichten, inzwischen verfolgt er jedoch andere Pläne. „Das Haus soll eine Pilgerherberge werden.“ Der Jacobsweg führt von Mose aus kommend durch Wolmirstedt, bisher können Pilger im Bodelschwingh-Haus nächtigen. Das Angebot soll mit der Herberge auf der Schlossdomäne ergänzt werden, die steht allerdings auch allen anderen offen. Jacobsstempel sind schon jetzt im benachbarten Museum erhältlich.

Für die ehemalige Kita auf dem Glindenberger Gemeindehof gibt es noch keine neue Bestimmung.
Für die ehemalige Kita auf dem Glindenberger Gemeindehof gibt es noch keine neue Bestimmung.
Foto: Gudrun Billowie
Efeu und Wilder Wein werden bald von der Fassade des  Bürgerhauses entfernt.
Efeu und Wilder Wein werden bald von der Fassade des Bürgerhauses entfernt.
Foto: Gudrun Billowie