Loitsche l „Kommt man in der heutigen Zeit auf Loitsche zu sprechen, gibt es bei der jungen Generation sofort den Hinweis, dass hier ,Tokio Hotel‘ mal zu Hause waren. Doch sind die Pop-Ikonen nicht die einzigen Persönlichkeiten, welche das Dorf bekannt gemacht haben“, weiß Günter Grau, Ehrenpräsident des Landesverbandes Radsport Sachsen-Anhalt. Denn da gibt es Elisabeth Eichholz, geborene Kleinhans, einstmals schnellste Frau der Welt.

Das absolute Sportidol der damaligen DDR war zu diesem Zeitpunkt Radrennfahrer Täve Schur, der besonders für die Jugend als Dauersportler des Jahres, zweifacher Friedensfahrtsieger und Straßenweltmeister eine Vorbildwirkung ausstrahlte. „So hat auch die talentierte Elisabeth Kleinhans über die Stationen Handball und Turnen zum Radrennsport gefunden“, erzählt Günter Grau und zeigt zahlreiche Berichte und Fotos, die in sein umfangreiches Archiv Eingang gefunden haben.

1958 in ihrem ersten Rennen in Magdeburg sei sie noch vom Pech verfolgt gewesen, erinnert sich Grau. Ein Jahr später gewinnt sie, für die Betriebssportgemeinschaft Lok Magdeburg startend, den Klassiker „Rund um Berlin“. „1960 ist Elisabeth in die noch recht junge Nationalmannschaft der DDR berufen worden. Auf dem Sachsenring bei der Weltmeisterschaft, die Rennstrecke liegt in der Nähe des heutigen Chemnitz, gelingt der international unbekannten 20-jährigen Außenseiterin der nächste Paukenschlag. Sie spurtet auf den dritten Platz und kehrt mit Bronze nach Loitsche zurück. Dort wird ihr ein überwältigender Empfang bereitet.

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Sieben DDR-Meistertitel

„Nun wurden das Dorf und selbst Magdeburg für Elisabeth zu klein. Sie ist zum SC DHfK Leipzig und später zum SC Leipzig delegiert worden“, berichtet Günter Grau und zählt die Erfolge der Athletin auf. Sieben DDR-Meistertitel auf der Straße und der Bahn, dazu Gewinnerin vieler großer Radrennen im In- und Ausland unter anderem in China und England sind zusammengekommen. Fast vergessen, da inzwischen mehrfach verbessert, steht ein Weltrekord über einen Kilometer. In der Radsportgeschichte ist ihr Sieg – als erste Deutsche überhaupt – in der Straßenweltmeisterschaft 1965 für immer festgeschrieben. Im spanischen Lasarte bei San Sebastian überraschte sie ihre Konkurrentinnen: Sie gewann mit einem langen Endspurt aus dem Feld heraus und erkämpfte das begehrte Regenbogentrikot. „In der Siegerliste steht allerdings Eichholz, denn Elisabeth hatte inzwischen geheiratet“, sagt Günter Grau.

Schon 1966 beendete sie ihre kurze, aber äußerst erfolgreiche Laufbahn. Frauen-Radsport war zu dieser Zeit keine Olympiasportart, wurde in den Folgejahren durch gestrichene Sonderförderung in der DDR regelrecht vernachlässigt und in den Betriebssportgemeinschaften nur mühsam aufrecht erhalten.

„Bleibt die Frage, was unter heutigen Bedingungen aus dem Ausnahmetalent noch hätte werden können“, sinniert der Ehrenpräsident. Elisabeth Eichholz sieht es locker: „Alles zu seiner Zeit – und die war schön!“ Am heutigen Dienstag feiert sie ihren 80. Geburtstag. Das Weltmeistertrikot passt der Jubilarin, die schon viele Jahre in Schönebeck wohnt, noch wie angegossen. Immer in Bewegung durch Gartenarbeit und alle Wege mit dem Fahrrad bewältigen sind das Rezept der ehemaligen Sportlehrerin.