Verein plant ein 2. Burgbaulager mit Vermessung wie einst und historischem Handwerk

Windenknechte wollen wie im Mittelalter mit einem Windenrad Lasten heben

Von Marita Bullmann

Hundisburg l Die Windenknechte machen Ernst. Einige von ihnen werden trainieren, wie einst im Mittelalter mit einem Windenrad Lasten gehoben wurden. Doch während die Windenknechte von einst wahrscheinlich hauptsächlich zu diesem Zwecke da waren, haben die Windenknechte von heute viel mehr vor. Sie wollen eine mittelalterliche Burg aufbauen - langsam zum Zuschauen und mit mittelalterlichen Baumethoden. Über einen Zeitraum von 20 bis 25 Jahren soll sich das voraussichtlich erstrecken. Die bei archäologischen Grabungen in Haldensleben entdeckte Burg Niendorf soll die Vorlage sein.

"Das wird sehr schwer sein, dafür braucht man Gefühl."

Der Rohbau steht. Thomas Widdecke und David Stelzer haben das Windenrad in der Trockenscheune der Ziegelei erst mal probeweise zusammengesetzt. Noch halten es auch Schraubzwingen zusammen. Bis es endgültig zum Einsatz kommt, muss es aber wieder auseindergebaut werden. Mit einem Durchmesser von drei Metern kriegen es die Männer sonst nicht wieder aus der Trockenscheune heraus. Etliche Teile müssen noch ergänzt werden. Und wenn das Rad komplett ist, muss es ausprobiert werden. Denn es soll Lasten heben wie einst im Mittelalter.

Das Windenrad ist ein Nachbau, allerdings maschinell hergestellt, sagt Zimmerermeister Thomas Widdecke. Der Etinger ist Mitglied im Förderverein Ziegelei Hundisburg und hat das Windenrad auch geplant. Bauanleitungen dafür gibt es nicht. "Keiner weiß heute mehr, wie einst ein Windenrad funktioniert hat", bekräftigt Lutz Zimmermann, Vorsitzender des Vereins der Haldensleber Windenknechte.

Fotos von der Burg Guédelon in Frankreich waren die Vorlage. Dort wird eine mittelalterliche Burg mit Baumethoden aus früherer Zeit aufgebaut. Die Haldensleber Windenknechte haben sich diese Baustelle im vergangenen Jahr angesehen. Wenn es nach ihnen geht, soll auch hier bald mit dem Bau einer mittelalterlichen Burg begonnen werden, und zwar auf einer Wiese in Hundisburg in unmittelbarer Nähe zur Ziegelei. Dort wollen sie zum Internationalen Museumstag das 2. Burgbaulager aufschlagen und interessierte Besucher über ihr Vorhaben informieren.

Am 11. und 12. Mai wollen sie historisches Handwerk präsentieren, wie es auf mittelalterlichen Baustellen gebraucht wurde. So werden sich Steinmetz, Seiler, Drechsler, Zimmermann und Schmied vorstellen. Die Vermessung im Mittelalter wollen die Windenknechte besonders vorstellen. "Wir demonstrieren, wie allein mit Peilstab, Zwölfknotenschnur und Richtscheit vermessen wurde", kündigt Lutz Zimmermann an. Aber auch das erste Windenrad soll sich drehen.

Dieses Windenrad ist gewissermaßen auch ein Symbol, denn die Windenknechte, nach denen sich der Verein benannt hat, mussten einst dieses Rad zum Lastenheben in Bewegung setzen. Zwischen den beiden Holzrädern müssen noch Querstreben eingebaut werden. Auf diesen Querstreben stehend, müssen die Windenknechte das Rad vorsichtig bewegen, um den Kranarm zu dirigieren. "Das wird sehr schwer sein, dafür braucht man Gefühl", versichert Lutz Zimmermann. Und das muss bis zum Museumstag noch geübt werden.

Zuvor aber muss das Windenrad technisch funktionieren. Thomas Widdecke und David Stelzer sind dabei, mit einem Schlosser die Lagerung der Achse zu lösen. Eigentlich dürfte es an dem Windenrad kein Metall geben. Aber für den Anfang zur Demonstration muss es so gehen. Ob das Seil innen oder außen laufen wird, muss auch erst ausprobiert werden. Thomas Widdecke und David Stelzer meistern solche Herausforderung nicht zum ersten Mal.

Thomas Widdecke ist langjähriges Mitglied des Fördervereins Ziegelei und hat schon bei vielen Vorhaben in der Ziegelei maßgeblich mitgewirkt. David Stelzer ist Tischlermeister in der Schlosstischlerei, die vom Förderverein geführt wird. Beide haben auch die Trade in der Ziegelei, mit der früher der Ton aufbereitet wurde, erdacht und gebaut. Die Trade wurde 2012 beim Zieglerfest in Betrieb genommen. Mit dem Windenrad will der Förderverein Technisches Denkmal Ziegelei Hundisburg den noch jungen Verein der Haldensleber Windenknechte unterstützen. Der Förderverein ist auch Mitglied der Windenknechte.

Die Windenknechte wollen bei ihrem 2. Burgbaulager interessierten Besuchern auch ihr Ziel erläutern - den Bau einer hochmittelalterlichen Burg mit authentischen Baumethoden. Und die Windenknechte plädieren dafür, dass diese Burg auf der Wiese gegenüber der Ziegelei gebaut wird. Diesen Standort hat nicht nur ein touristisches Gutachten für am besten geeignet befunden, weil ohnehin schon viele Gästen nach Hundisburg kommen. Denn Einnahmen sind eine wichtige Grundlage für das Projekt. Die Wiese ist für die Windenknechte auch ideal, weil die Ziegelei gleich in der Nähe liegt. Mitarbeiter und Fördervereinsmitglieder haben langjährige Erfahrungen mit historischen Baustoffen.

Im Haldensleber Stadtrat wird immer noch über den Standort gestritten. In einer Bürgerversammlung am 30. Mai in der Kulturfabrik in Haldensleben soll deshalb das Thema zur Diskussion stehen. Hierbei will der Stadtrat erfahren, was die Einwohner davon halten. Wer mitdiskutieren will, sollte sich das Burgbaulager im Terminkalender vormerken. Die Mitglieder des Vereins, die geradezu darauf brennen, das Projekt umzusetzen, wollen dabei auch ihren Standpunkt klarmachen.