Wolmirstedt l Nun muss alles ganz schnell gehen. Die Bundesnetzagentur hat die Trasse für die Gleichstromleitung, den Südostlink, verbindlich festgelegt, einen 1000 Meter breiten Korridor. Jetzt sind die Bürger gefragt. Der Netzbetreiber 50Hertz bittet bis Freitag, 17. April, um Hinweise aus der Bevölkerung. Diese Hinweise werden Teil des Planfeststellungsverfahrens sein und für die weitere Planung genutzt. Um Bürgerhinweise ergänzte Anträge werden im zweiten Quartal erneut der Bundesnetzagentur vorgelegt.

Die Eile ist unter anderem den Corona-Maßnahmen geschuldet. Eigentlich waren in diesen Tagen, unmittelbar nach der Entscheidung der Bundesnetzagentur zum Trassenverlauf, Informationsveranstaltungen in den betroffenen Orten geplant, also auch in Wolmirstedt. Dort wären die Bürgermeinungen von den 50Hertz-Mitarbeitern entgegengenommen worden. Doch nun muss online oder telefonisch kommuniziert werden.

Standort des Konverters umstritten

In der Wolmirstedter Region ist vor allem der Standort des Konverters strittig. Der soll auf dem Gelände des Umspannwerkes errichtet werden, zum Teil auf der Fläche, auf der zurzeit noch 220-Kilovolt-Schaltfelder stehen. Bürger, die in der näheren Umgebung leben, fürchten vor allem eine Geräuschbelästigung. Sie sind schon lange durch ein andauerndes Brummen einer Transformatorbank geplagt. Bei bestimmten Windrichtungen raubt dieser Dauerton Bürgern bei offenem Fenster den Schlaf.

Die Transformatorbank soll allerdings abgebaut sein, wenn der Konverter errichtet wird, aber die Bürger möchten nicht, dass ein Geräusch durch das nächste abgelöst wird. Die Grundlage für die Genehmigung des Konverters ist das Bundesimmissionsschutzgesetz, zuständige Behörde der Landkreis Börde.

Andere Anwohner möchten dieses Bauwerk nicht vor der Nase haben, sehen das als optische Zumutung an. Der Ortschaftsrat Mose hat sich klar für einen anderen Konverterstandort ausgesprochen, und zwar am Hammberg, einem Areal zwischen Wolmirstedt und Samswegen. Der Wolmirstedter Stadtrat ist diesem Vorschlag gefolgt.

Platz auf dem Betriebsgelände

Das Unternehmen 50Hertz hingegen sieht den Standort am Umspannwerk als einzig möglichen an. Einmal, weil der Konverter quasi auf dem Betriebsgelände entstehen würde, in einem ohnehin gewerblichen Umfeld, aber auch, weil vorhandene technische Anlagen mitgenutzt werden können. Außerdem ist dieser Standort auch für den Schwerlastverkehr sowohl auf der Straße, als auch auf der Schiene direkt erreichbar.

Die Alternative auf der „grünen Wiese“ lehnt 50Hertz unter anderem ab, weil das technische Bauwerk dort das Landschaftsbild stark verändern würde, aber auch, weil der Konverter mit einer zusätzlichen Wechselstromleitung an das Umspannwerk angeschlossen werden müsste. Heißt also, es bedürfte zusätzlicher Masten und Leitungen zum Umspannwerk.

Geplant ist, diesen Konverter 2025 zu errichten. Er benötigt eine zusätzliche Fläche von etwa sieben Hektar. Sichtbar wäre die Standardtechnik wie Schaltfelder, Transformatoren und Trenner. Die eigentliche Anlage zum Umwandeln von Wechsel- in Gleichstrom befindet sich in einer Halle.

Von Wolmirstedt nach Bayern

Die Gleichstromleitung soll die Windenergie des Nordens in den industriereichen Süden bringen und von Wolmirstedt bis nach Bayern reichen. Gleichstrom fließt schneller und verlustfreier als Wechselstrom, allerdings sind unterwegs keine Abzweigungen möglich. Vergleichen lässt sich das mit einem Straßensystem, wobei das Wechselstromnetz überall hin verzweigt wird, den Strom in jedes Dorf bringt, wogegen die Gleichstromleitung die Stromautobahn wäre, die nur einen Weg kennt: geradeaus.

Wo genau dieses Geradeaus entlang führt, ist Teil der Planungen, auch, an welcher Stelle die Leitung als Erdkabel und in welchem Bereich als Freileitung verläuft.

Wer mehr wissen möchte, kann sich auf der Internetseite von 50Hertz unter www.50Hertz.com/SuedOstLink informieren. Dort sind auch weitere technische Informationen zum Konverter zu finden, außerdem können dort Planungshinweise abgegeben werden.

Weiterhin ist das Projektteam telefonisch unter der Nummer 030/51 50 34 14 sowie per E-Mail unter netzausbau@50hertz.com erreichbar.