Stadt bewirbt sich um das Förderprogramm "Regionalentwicklung" und will wissen:

Wo treibt Wolmirstedt künftig Sport?

Von Gudrun Billowie

Der Stadtrat sprach sich auf seiner letzten Sitzung für die Erarbeitung eines Sportentwicklungskonzeptes aus und stellte damit 4760 Euro aus dem Haushalt bereit. Das entspricht dem Eigenanteil der Stadt von 20 Prozent für die Aufnahme in das Förderprogramm "Regionalentwicklung". Erst wenn Wolmirstedt darin Platz findet, fließen die anderen 80 Prozent vom Land. Damit kann die Stadt unabhängige Fachleute auf die Wolmirstedter Sportplätze blicken lassen. Aber warum sollten sie das eigentlich tun?

Wolmirstedt. Wolmirstedt kann getrost als Sportstadt bezeichnet werden. Mit dem Glindenberger Sportplatz liegen nun vier große Plätze in kommunaler Hand. Drei davon, nämlich das Stadion im Küchenhorn, das "Stadion des Friedens" und der Sportplatz Elbeu, stehen immer wieder in der Diskussion. Keiner dieser Plätze wird allen Sportlern gerecht. In Elbeu drängt das Wasser auf den Platz, sodass zeitweise niemand darauf treten kann. Das "Stadion des Friedens" ist bei den Fußballern beliebt, aber für Leichtathleten fehlen die Grundlagen. Läufer, Werfer und Springer trainieren lieber im Küchenhorn. Zeitgemäß sind die Anlagen jedoch nicht. Eine Tartanbahn für Langstreckenläufe gibt es nicht, die Straße dorthin ist eine löchrige Piste, die Beleuchtung fehlt und immer wieder toben sich dort Vandalen aus. Wettkämpfer meiden diese Stätte.

Würde es Geld regnen, könnte Wolmirstedt alle drei Stadien sanieren lassen. Aber es müssten schon Millionen vom Himmel fallen. Das wissen auch die Sportvereine und haben sich schon vor Jahren Gedanken gemacht und empfohlen, alle Investitionen fortan ins Küchenhorn zu stecken. Das "Stadion des Friedens" soll lediglich mit kleinen Maßnahmen erhalten werden. Festgezurrt wurde nichts. Es gibt keinen Weg, an dessen Stationen Sportler, Stadtrat und Verwaltung Schritt für Schritt gemeinsam in die Zukunft gehen. Noch nicht. Das Förderprogramm "Regionalentwicklung" bietet die Chance, eine Richtung zu finden. Eine Richtung, die vielen Bewohnern zugute kommt. Denn die zentrale Frage lautet inzwischen: Sind die bisherigen Denkstrukturen noch zeitgemäß?

Amtsleiterin Marlies Cassuhn hegt da so ihre Zweifel. Darum setzt sie sich leidenschaftlich für die Aufnahme Wolmirstedts in dieses Förderprogramm ein. "Der Wettkampfgedanke im Sport ist nicht mehr so vordergründig", erklärt sie, "stattdessen ist die Gemeinschaft wichtig, die Bewegung an frischer Luft, die Gesundheit." Volleyballspieler am Strand, kleine Gruppen, die mit Nordic-Walking-Stöckern durch die Natur gehen, Skater oder Senioren-Schwimmer gehören immer mehr zum Stadtbild. "Bundesweit verbindet sich Sportentwicklung immer mehr mit Stadtentwicklung", weiß Marlies Cassuhn. "Der Trend geht weg vom Sport im Stadion hin zum Sport im öffentlichen Raum."

Dennoch, es gibt sie noch, die Wettkampfsportler. Vor allem Kinder und Jugendliche packt der Ehrgeiz. Allein im SV Kali Wolmirstedt sind 500 Mitglieder in zehn Abteilungen organisiert. Sie betreiben vor allem Fußball und Leichtathletik. Martin Westphal ist der Vereinsvorsitzende und hofft ebenso auf das Sportentwicklungskonzept und den Blick unabhängiger Gutachter. "Damit haben wir eine Diskussionsgrundlage für alle Beteiligten. Jammern hilft uns nicht weiter."

Westphal leitet den Verein ehrenamtlich und gehört damit einer immer kleiner werdenden Gruppe an. "Das Arbeits- und Familienleben erfordert immer mehr Flexibilität", so Marlies Cassuhn, "immer weniger Menschen finden die Kraft und die Zeit, sich dauerhaft ehrenamtlich zu engagieren." Engagiert wird sich trotzdem, allerdings eher projektbezogen.

Wettkampf- und Freizeitsport als Symbiose, Brita und Stefan Großmann leben beide Modelle einträchtig unter einem Dach. Stefan Großmann war lange Zeit Langstreckenläufer beim SV Kali und plädiert sehr für eine Sportstätte, die heutigen Wettkampfbedingungen entspricht.

Ehefrau Brita ist ebenfalls sportbegeistert, leitete unter dem Dach des SV Kali eine Mutter-Kind-Turngruppe. Solange Tochter Luise klein war. Luise entwuchs dem Kinderturnen, gehört inzwischen zur deutschen Jugendspitze im Stabhochsprung und Mutti Brita läuft inzwischen in ihrer Freizeit ohne Vereinsbindung.

"Wenn wir in unserer Stadt in den Sport investieren, sollen möglichst viele Bürger davon profitieren", meint Marlies Cassuhn, "sowohl die Wettkampfsportler, als auch die Freizeitsportler und wir dürfen die Behinderten und Senioren nicht vergessen."

Stefan Großmann, der Wettkampfsportler, teilt diese Meinung. "Sport ist ein weicher Standortfaktor. Und vielleicht findet man sogar eine Freifläche, auf der etwas ganz Neues für alle entsteht."

Fließen die Fördermittel fürs Sportentwicklungskonzept, wagen sich Sportler, Verwaltung und Stadträte auf neue Wege, schlägt Wolmirstedt im besten Fall gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Viele Menschen möchten sich im Urlaub bewegen und warum nicht in der "Sportstadt Wolmirstedt".