Wolmirstedt l Noch schieben Mario und Sandra Färber den Kinderwagen mit Töchterchen Louisa durch Sand zu ihrem künftigen zu Hause. Bald jedoch wird der Weg gepflastert sein. Ihr Reihenhaus entsteht mitten in der Stadt, an der Bahnhofstraße im Wohngebiet „Alte Kegelhalle“. Im Oktober wollen sie einziehen. „Von unserer Wohnung aus können wir die Häuser wachsen sehen“, sagt Mario Färber.

Mit diesem Wohngebiet entsteht aus einem vornehmlich alten Garagenkomplex in bester Innenstadtlage ein Wohngebiet. Reihenhäuser, Einfamilienhäuser und sogar Häuser für mehrere Generationen hat Investor Klaus Hartkopf dort vorgesehen. „Oben lebt die junge Familie, unten ebenerdig die ältere Generation“, schwärmt er.

Vorschlag aus Stadtentwicklungskonzept

Dieses Baugebiet ist die Antwort auf einen Vorschlag aus dem Stadtentwicklungskonzept. Dort war 2013 gefordert worden, durch Bauflächenentwicklung in der Innenstadt eine bestandssichere Einwohnerdichte zu erhalten und das fragmentierte Stadtbild der Kernstadt zu reparieren.

Bilder

Das Leben in der Innenstadt bietet Vorteile. „Von hier aus ist alles gut zu erreichen, die Kita, die Schule...“, zählt Mario Färber auf.

So wie Familie Färber denken offenbar viele, denn die Wohngebiete wachsen rasant. Selbst der „Sonnenblick“ in Elbeu, der lange im Dornröschenschlaf lag, erlebt einen Bauboom. Hier sind in den vergangenen drei Jahren 23 neue Häuser entstanden. Weitere Anträge liegen im Rathaus vor.

Bauarbeiten am Lindhorster Weg

Auch im Wohngebiet am Lindhorster Weg rücken munter die Baumaschinen an und noch ist kein Ende in Sicht. Stimmt der Stadtrat am Donnerstag, 28. September, zu, beginnt die Tiefbauplanung für den vierten Bauabschnitt, der ab dem kommenden Frühjahr erschlossen werden kann. „Einen Straßennamen gibt es noch nicht“, sagt Günter Lauenroth, Geschäftsführer der Sachsen-Anhaltinischen Baulandentwicklungsgesellschaft.

Diese Gesellschaft hat 2009 begonnen, den Lindhorster Weg zu erschließen, inzwischen sind die ersten beiden Bauabschnitte, Schlehenweg und Robinienweg, längst bewohnt. Der dritte Bauabschnitt, der Lupinenweg, wird gerade bebaut. Über 70 Häuser stehen bereits insgesamt. „Weitere Bauanfragen liegen vor“, sagt Günter Lauenroth. Der Flächennutzungsplan der Stadt sieht sogar noch einen weiteren Bauabschnitt vor, sodass sich das Wohngebiet bis an die bisherige Bebauungsgrenze der Stadt ziehen kann (Siehe Luftbild).

Einwohnerzahl trotz Baubooms konstant

Die Baufreude ist auch im Rathaus bekannt. „Uns liegen doppelt so viele Bauanträge vor, wie vor Jahren“, stellt die zuständige Bearbeiterin Doris Bunk fest. Nicht nur in den neuen Wohngebieten entstehen Häuser, Bürger entscheiden sich derzeit auch für Lückenbebauungen in den Ortskernen, Anbauten, Sanierungen oder die Erweiterung von Wohngebäuden. Ein Grund für den Bauboom liegt auch in den niedrigen Zinsen.

Die Einwohnerzahl bleibt trotz des Baubooms relativ konstant. Wurden zum 31. Dezember 2013 noch 11 672 Einwohner gezählt, sind es mit dem heutigen Tag 11 758 Einwohner.

Kitas durch Zuzug ausgelastet

Dennoch, die Attraktivität für junge Familien spiegelt sich in der Kitabelegung wieder. Die Kitas „Ohrespatzen“ und „Pusteblume“ sind beinahe voll. „Es gibt nur noch Restkapazitäten“, sagt Andrea Weimeister, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Trägergesellschaft „Soziale Bürgerinitiative Glindenberg“. In Glindenberg sind hingegen noch Plätze vorhanden. Manche Kita-Plätze sind mit Gastkindern aus anderen Gemeinden belegt. Andrea Weimeister stellt jedoch klar: „Jeder hat das Anrecht auf einen Kita-Platz. Wir schauen aber, dass langfristige Anmeldungen von Eltern aus der Ortschaft immer berücksichtigt werden.“ Aus der Kita „Storchennest“, die zum Bodelschwingh-Haus gehört, waren keine Angaben zu bekommen.