Meitzendorf l „Diesen Anblick werde ich so schnell nicht vergessen. Ich gehe seit 18 Jahren auf die Jagd. Doch so etwas Brutales habe ich noch nie gesehen", sagt Oliver Grundt. Er ist Jagdpächter eines Flurstücks, dass genau in das Gelände hineinragt, auf dem die Schafe getötet wurden. Dabei handelt es sich um eine alte Kiesgrube, die die Barleber Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) pflegt. „Ich bin am Sonntagmorgen von meinem Nachbarpächter angerufen worden, der hatte den Vorfall entdeckt", erzählt Grundt weiter.

Er wolle sich nicht festlegen, „doch nach allem, was ich gesehen habe, könnte es sich um einen Angriff von Wölfen handeln", erzählt der Jäger weiter und ergänzt: „So viele Rudel wildlebender Hunde kommen ja nun mal bei uns nicht vor." So hätten die Tiere den Drahtzaun regelrecht untergraben, um an die Schafherde heranzukommen. Am Zaun selbst seien Fellreste festgestellt worden. „Die Haare hat eine Mitarbeiterin des Wolfskompetenzzentrums für weitere Untersuchungen gesichert", berichtet Oliver Grundt weiter. Überhaupt sei das alles sehr interessant gewesen. Die Fachfrau habe akribisch gearbeitet, „es mutete an wie die Spurensicherung der Kriminalpolizei."

Kadaver übers Gelände verteilt

Über das gesamte Gelände seien die Kadaver der Schafe verteilt gewesen, wobei zu erkennen gewesen sein soll, dass die Tiere regelrecht in eine Ecke getrieben wurden. „16 Schafe haben hier geweidet, elf davon haben wir tot aufgefunden", berichtet der Jäger weiter und ergänzt: „Ein Schaf musste notgeschlachtet werden und zwei der Tiere wurden tierärztlich versorgt. Nur ein Schaf hat den Angriff unverletzt überstanden."

Bilder

Gut zu erkennen waren laut dem Jäger die typischen Bisse in die Kehle der Schafe. Es fanden sich wohl aber auch Bissspuren an Rücken und Keulen. „Auffällig waren die Pansen der Schafe. Diese sind herausgerissen und weggeschleppt worden. Das Indiz spricht für den Wolf, denn wir wissen, dass sie keine Pansen mögen", erzählt Grundt weiter. Und die Angreifer hätten ihr Revier markiert, „das hat gestunken wie bei Wölfen im Zoo."

Kein schöner Anblick

Im Anschluss an die Untersuchungen durch die Mitarbeiterin des Wolfskompetenzzentrums habe er geholfen, die Kadaver auf einen Hänger zu verladen, um sie dann fachmännisch entsorgen zu können. „Das war kein schöner Anblick", sagt der Jagdpächter. Die Ergebnisse der Untersuchungen durch das Wolfskomeptenzzentrum stehen bisher aus. Mehrere Anfragen an das zuständige Landesumweltamt in Halle blieben am Montag bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Der Halter der Schafherde wollte sich zu dem Vorfall gegenüber der Volksstimme nicht äußern.