Wolmirstedt l Sektkorken knallten nicht. Dabei hatte der Stadtrat am Montagabend wegweisende Entscheidungen für Wolmirstedts Zukunft getroffen. Nicht einmütig, aber mit so klaren Mehrheiten, dass die Arbeit beginnen kann.

Die teuerste Entscheidung: Das Stadion:

Die teuerste Entscheidung des Abends war das Bekenntnis, ein neues Stadion zu bauen. Fast alle Stadträte sprachen sich dafür aus. Damit wird die Stadt rund 6,4 Millionen Euro in die Hand nehmen. Läuft alles nach Plan, soll das neue Stadion 2025 fertig sein, voraussichtlich in der Samsweger Straße. Bis dahin wird das Küchenhorn-Stadion „Glück auf“ weitergenutzt. Die Sportplätze in Elbeu und Glindenberg werden unabhängig von einem Stadionneubau Bestand haben.

Große Bedenken wegen der Investition hegt Klaus Mewes (UWG). Er sah noch viele offene Fragen: welche Vereine werden so ein Stadion nutzen? Er war sich zudem nicht sicher, ob es für den Schulsport genutzt wird, weil die benachbarten Schulen eigene Sportstätten haben. Und: „Was, wenn der Neubau nicht 6,4, Millionen sondern acht oder neun Millionen Euro kostet?“ „Bauchschmerzen“ hinsichtlich der Finanzierung eines Neubaus formulierte auch Mathias Knispel (AfD). Klaus Mewes wollte die Angelegenheit in der nächsten Beratungsfolge noch einmal diskutieren.

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Entscheidungszwang für dieses Jahr

Das hielt Bürgermeisterin Marlies Cassuhn für keine gute Idee. „Wir haben schon sehr lange diskutiert. Wenn wir uns jetzt nicht entscheiden, ist das Geld des Innenministeriums weg.“

Aus dem Innen- und Sportministerium werden 1,18 Millionen Euro erwartet, bislang unter der Voraussetzung, dass sich Wolmirstedt noch in diesem Jahr entscheidet, ob es einen Neubau oder die Sanierung des Küchenhorn-Stadions gibt.

Weitere Fördermittel sollen kommen

Weiterhin hat das Verkehrsministerium 580 000 Euro für einen Neubau bewilligt, das Geld stammt aus dem Bundesprogramm „Investitionspakt Förderung von Sportstätten 2020“, das in den folgenden Jahren weitere Fördermittel verspricht.

Als drittes Ministerium hatte überraschend das Umweltministerium finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. Die Bürgermeisterin hatte ein Schreiben von Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) bekommen, die nun doch bei der Finanzierung eines Stadionneubaus helfen will. Die Hoffnung hatte die Stadt eigentlich aufgegeben. Ursprünglich sollten von dort 1,9 Millionen Euro für einen Neubau fließen, als Ausgleich, wenn kein Ringdeich um das Küchenhorn-Stadion gebaut werden muss.

"Die Chance haben wir nur einmal"

Noch sind das Absichtserklärungen der Ministerien, doch angesichts der angekündigten Gelder sahen auch andere Stadträte den Zeiger ganz klar Richtung Neubau ausschlagen. „Die Chance haben wir nur einmal“, betonte Nico Henning (SPD) und dachte vor allem an die Sportvereine und Trainer: „Wir sollten das Risiko annehmen und Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, auch einmal was zurückgeben.“ Selbst, wenn Wolmirstedt mehr zahlen muss, als momentan avisiert, spreche die Geringe Pro-Kopf-Verschuldung dafür, den Neubau zu wagen.

Mike Steffens (KWG Börde) zitierte die inzwischen verstorbene Wolmirstedter Leichtathletik-Legende Günter Oelze: Der hatte 2017 die heilige Katharina bekommen und angesichts der endlosen Debatte zur Zukunft eines Stadions gefordert: „Wolmirstedt, Attacke“.

Die Jahnhalle wird verkauft, und zwar nicht an Sascha Zimmermann, der darin das Gesundheits- und Fitnessstudio „Speed“ betreibt.

Schneider erhält Jahnhallen-Zuschlag

Zum 1. Februar soll Henning Schneider der neue Eigentümer sein und in der Jahnhalle das Fitnesszentrums unter der Marke „Lucky Fitness.de“ betreiben. Das wurde im nichtöffentlichen Teil beschlossen.

Der bestehende Mietvertrag mit der Speed Leistungs- und Gesundheitszentrum GmbH werde vereinbarungsgemäß mit einer Frist von vier Wochen zum 31. Januar 2021 beendet, teilt Bürgermeisterin Marlies Cassuhn anschließend in einer Presseerklärung mit. Nach der Renovierung der Jahnhalle soll das neue Fitnesszentrum spätestens im dritten Quartal eröffnen.

Enttäuschung bei Zimmermann groß

Sascha Zimmermann, der ebenfalls an dieser Halle interessiert war, zeigt sich enttäuscht. „Man nimmt jemandem etwas weg, der hier seit elf Jahren den Gesundheits- und Fitnessport vorangebracht hat.“ Das möchte er allerdings weiterhin tun, an anderer Stelle der Stadt. „Ich bleibe in Wolmirstedt.“

Die Zukunftsentscheidung: Stadion des Frieden

Das Stadion des Friedens wird Baugebiet. Wo früher der Ball rollte, sollen Einfamilienhäuser entstehen. Das wurde mit großer Mehrheit im Grundsatz beschlossen.

Gegner dieses Beschlusses war Bauausschussvorsitzender Dirk Hummelt (CDU), der gerne an der Idee festhalten wollte, dort einen Generationenspielplatz anzulegen.

Diese Idee hatte Bürgermeisterin Marlies Cassuhn einst selbst ins Spiel gebracht, sieht es inzwischen aber als wichtiger an, jungen Familien Bauland zu bieten. „Wir müssen die Einwohnerzahl Wolmirstedts stabil halten, auch damit unsere Kitas und Schulen ausreichend Nachwuchs bekommen.“

Aus altem Stadion werden Bauplätze

Freiflächen können sowohl im Stadtpark als auch an der Kirche so hergerichtet werden, dass sie zum Erholen und Spielen dienen. Der Zukunft des „Stadion des Friedens“ als Einfamilienhaussiedlung stimmten schließlich die meisten Stadtratsmitglieder zu. Die Verwaltung kann sich nun um die Planungen kümmern.

Das Geschenk: Ein Viertel der Straßenausbaube

Sollten die Straßenausbaubeiträge abgeschafft werden, wird Wolmirstedt denjenigen, deren Straßen vor 2020 ausgebaut und noch nicht in Rechnung gestellt wurden, 25 Prozent der Ausbaubeiträge erlassen. Das betrifft die Jersleber Straße, die Gartenstraße/Angerstraße sowie die Hauptstraße in Farsleben. Damit verzichtet die Stadt auf insgesamt 109 100 Euro.