Vorgartenwettbewerb

Wolmirstedter sind aufgerufen, ihre Vorgärten zu zeigen

Die Stadt hat einen Vorgartenwettbewerb ausgerufen, doch noch will sich kaum jemand daran beteiligen. Sind die Vorgärten der Stadt nicht wettbewerbstauglich? Liegen die Hürden zu hoch?

Von Gudrun Billowie 05.07.2021, 18:13
Staudengärtner Jan Weinreich setzt auf Gelassenheit, damit sich Mensch und Tier mit den Pflanzen wohlfühlen, auch die kleine Katze Flora.
Staudengärtner Jan Weinreich setzt auf Gelassenheit, damit sich Mensch und Tier mit den Pflanzen wohlfühlen, auch die kleine Katze Flora. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Wolmirstedt wächst. Besonders Einfamilienhäuser schießen wie Pilze aus dem Boden. Damit erfüllen sich viele Häuslebauer den Traum, von der eigenen Küche und Terrasse aus ins Grün zu schauen. Doch diesen Traum teilt längst nicht mehr jeder. Zunehmend werden Vorgärten mit Schotter regelrecht getötet. Die Steinwüste gilt als pflegeleicht, doch dort blüht nichts, dort können keine Schmetterlinge landen, keine Bienen und dem Klima tut soviel Steinwüste auch nicht gut. „Gerade im Sommer heizen sich die Steine auf“, sagt Kerstin Pallmann, die im Rathaus fürs Grün zuständig ist, „es ist, als würden sich die Menschen eine Heizung in den Vorgarten kippen.“

Diesen Trend wollen Verwaltung und Stadtrat stoppen. Wer auf dem ehemaligen Krankenhausgelände bauen will, sollte nicht über einen Schottergarten nachdenken. Die werden dort nicht erlaubt. Das Areal soll unter dem großen Thema „Gartenstadt“ gestaltet werden, der Name soll Programm sein, eine Bepflanzung mit Blumen, Sträuchern, Bäumchen versteht sich da von selbst.

Dieser Vorgarten zeigt das ganze Jahr über Blühendes, gepaart mit immergrünen Pflanzen.
Dieser Vorgarten zeigt das ganze Jahr über Blühendes, gepaart mit immergrünen Pflanzen.
Foto: Gudrun Billowie

Doch eigentlich möchte die Verwaltung nicht mit Verboten agieren, sondern vor allem zeigen, wie es anders geht. Deshalb hat die Stadt zusammen mit der Gartenakademie Sachsen-Anhalt einen Wettbewerb ausgerufen. Noch bis zum 31. Juli wird der schönste Vorgarten gesucht.

Beispiele gibt es viele. Wer in Wohnsiedlungen spazieren geht, findet Vorgärten, die sowohl dem Auge, als auch der Natur viel Freude bieten. Doch bisher will sich kaum einer dieser eifrigen Gärtner dem öffentlichen Wettbewerb stellen. Die Bewerbungen, die bisher im Rathaus eingegangen sind, lassen sich locker an einer Hand abzählen.

Woran die Wettbewerbsunlust liegt, lässt sich nur spekulieren. Die Hürden sind für Pflanzenliebhaber eigentlich nicht hoch. Viele Vorgärten zeigen sich das ganze Jahr über so, als könnten sie einen Wettbewerb gewinnen. Wer ein paar Fotos schießt, kann sie zusammen mit ein paar persönlichen Angaben im Rathaus einreichen. Im August wird eine Fachjury den Vorgarten besuchen und bewerten. Im September erfolgt die Preisverleihung.

Zur Jury gehört der Landschaftsarchitekt Jan Weinreich, der in Wolmirstedt eine Staudengärtnerei betreibt. Er beteiligt sich regelmäßig an Bundes- und Landesgartenschauen, kümmert sich in Wolmirstedt unter anderem um die Bepflanzung der Kreisverkehre und ermuntert zur Gelassenheit. Der Wettbewerb richtet seinen Fokus zwar auf naturnahes Gärtnern, das Umwelt-, Klima- und Artenschutz mit einschließt, „aber man pflanzt nicht nur für die Natur, sondern auch für die eigene Freude.“

Bei Vorgartengestaltung zählt die Freude

Deshalb komme es nicht darauf an, nur heimische Arten zu pflanzen, denn auch viele Blumen, die aus anderen Kontinenten hier „eingebürgert“ wurden, wie Astern oder Sonnenhut, bereichern längst die heimische Flora und werden von Insekten gut angenommen. Wer Krabbeltieren Gutes tun möchte, sollte vor allem auf ungefüllte Blüten achten. „Die blühen allerdings nicht so lange, wie gefüllte und sterile, denn sie fruchten. Und wenn die Pflanze fruchtet, hat sie ihr Ziel erreicht und keinen Anreiz mehr zu blühen.“

Deshalb rät der Staudengärtner, auch diesen Aspekt nicht so sträflich zu sehen. „Die Stadt ist ein Kulturraum.“ Da spiele neben der Artenvielfalt auch die Ästhetik eine große Rolle. „Wer die einheimische Pflanzenwelt stärken möchte, soll eher Naturschutzprojekte unterstützen.“ Wer also den Vorgarten mit gefüllten Blüten schmückt, hat trotzdem gute Wettbewerbschancen. Es gehe eher darum, gut zu mischen. Für Jan Weinreich heißt das: „Man kann das Schöne fürs Auge mit dem Nutzen für Insekten verbinden.“

Bienenfreundliche Pflanzen nachgefragt

Angesichts der alarmierenden Meldungen über das Insektensterben beobachtet der Landschaftsarchitekt dennoch eine verstärkte Nachfrage nach bienen- und insektenfreundlichen Stauden. Deshalb hofft er, dass mit dem Wettbewerb viele schön gestaltete Vorgärten in den Blick der Öffentlichkeit gerückt werden.

Der Wettbewerb steht Privatpersonen offen, aber auch Kindergärten, Schulen, Verwaltungen und Betriebe können sich beteiligen. Noch ist von derlei Institutionen keine Bewerbung eingegangen.

Wer mitmachen möchte, kann maximal vier Bilder, Erläuterungen sowie persönliche Angaben in einen Briefumschlag stecken und an den Fachdienst Bau- und Liegenschaften im Rathaus, August-Bebel-Straße 25 schicken.

In diesem Vorgarten dürfen nur ein paar Pflanzen wachsen. Der Rest des Bodens ist mit Steinen bedeckt.
In diesem Vorgarten dürfen nur ein paar Pflanzen wachsen. Der Rest des Bodens ist mit Steinen bedeckt.
Foto: Gudrun Billowie