Ronney/Walternienburg l „Im Zweifen nicht essen“ – es könnte Leben retten, sich diesen Satz einzuprägen. Deswegen betonte ihn Elke Tantzen auch besonders deutlich. „Nehmen Sie nur mit, was Sie auch kennen.“ Sie ist diplomierte Biologin und Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sowie des Landesverbandes Sachsen-Anhalt. Bevor es für alle Beteiligten kurz hinter Walternienburg in Richtung Nutha-Siedlung in den Wald ging, hielt die Expertin einen lehrreichen und interessanten Vortrag mit viel Anschauungsmaterial.

Elke Tantzen nannte zahlreiche Punkte, bei denen die Ohren der Teilnehmer klingelten. Man solle Pilze nicht zuhause unter dem Wasserhahn putzen, sondern direkt im Wald. „Sie saugen sich sonst voll.“ Einmal durchschneiden und auf Madenbefall prüfen, sei ebenfalls sinnvoll. Wenn etwas nicht stimmt, einfach den Pilz im Wald liegen lassen. Und keine Angst: „Es gibt keine kontaktgiftigen Pilze.“ Einfach nach dem Suchen gründliche die Hände waschen.

Elke Tantzen lag noch etwas am Herzen, was sie den gespannten Zuhörern erklärte. Der Artenschutz ist vielen passionierten Sammlern unbekannt. Laut Bundes-Artenschutz-Verordnung dürfen beispielsweise Steinpilze, Morcheln und Pfifferlinge nur in portionsüblichen Mengen gesammelt werden – ein Kilogramm pro Person.

Wer einen genießbaren Pilz gefunden hat, muss trotzdem aufpassen. „Die meisten Vergiftungen werden durch veralterte Pilze verursacht.“ Die Lösung ist ganz einfach: „Sammeln Sie kleine Mengen und verarbeiten Sie diese frisch.“

Elke Tantzen betonte, dass in jedem Fall gilt: „Erst fragen, dann essen.“ Dafür stehen Pilzberater zur Verfügung. Eine vollständige Liste aller Berater ist auf der Internetseite des Landesverbandes der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt unter www.lvps.de einsehbar.

Wer den Verdacht hegt, einen giftigen Pilz gegessen zu haben, sollte sich umgehend unter (03 61) 73 07 30 an die Giftnotrufzentrale wenden. Diese vermittelt dann, da die meisten Ärzte auf diesem Gebiet nicht geschult sind. Dabei ist es ratsam, Putzreste oder Erbrochenes aufzubewahren, um die Untersuchungen zu beschleunigen. „Ansonsten muss man warten, bis es unten herauskommt. Und das kann kostbare Zeit dauern, in der Muskeln oder Organe beschädigt werden“, mahnte Elke Tantzen. Um sich davor zu schützen, sollte man beim Identifizieren der Pilze stets aktuelle Literatur verwenden. Gutes Kauen ist ebenfalls wichtig, da Pilze nur schwer zu verdauen sind und sonst Magenschmerzen verurssachen können.

Von den Horrorszenarien ließen sich die Teilnehmer im Umweltzentrum Ronney nicht abschrecken. Das war schließlich auch nicht das Ziel der Expertin. Es kann nur nie genug Vorsicht walten. Bestens informiert, ging es anschließend ins Grüne. „Dort im Wald war es nicht optimal.“ Dennoch fand eine Teilnehmerin eine ordentliche Portion Maronen, auch Hallimasche wurden gefunden.

Unter den Teilnehmern war auch Stephanie Pilz. Die 26-Jährige kam extra aus Dessau. „Ich bin immer dafür, selber zu kochen. Um in der Küche besser zu werden und dabei die Natur besser zu nutzen“, begründete sie ihre Teilnahme. Ingo Walle nahm bereits zum zweiten Mal teil. „Die Beratung ist wunderbar, ich habe einiges gelernt“, lobte der Nienburger. Als Angler sei er ohnehin gern in der Natur. Und Pilze isst er natürlich auch gern.