Zerbst l In diesem Jahr rückten allein die Zerbster Kameraden bislang zu 128 Einsätzen aus. Zum Vergleich: 2012 waren es insgesamt nur 101. Bei den anderen Ortsfeuerwehren der Einheitsgemeinde sieht es ähnlich aus. Eine Ursache für diese Entwicklung liegt in den vermehrt auftretenden Einsätzen nach Unwettern – beispielsweise, wenn Starkregen wieder zu überfluteten Straßen führt oder kräftige Windböen ganze Dächer wegtragen.

Aber auch die 2013 geänderte Ausrückeordnung spielt eine Rolle. „Wir müssen innerhalb von zwölf Minuten mindestens neun Kameraden zum Einsatz bringen“, erläuterte Stadtwehrleiter Denis Barycza im Haupt- und Finanzausschuss. In Anbetracht der Tatsache, dass nur wenige Wehren tagsüber einsatzbereit sind, werden stets mehrere alarmiert. Auf diese Weise soll abgesichert werden, dass ausreichend Kameraden im Ernstfall vor Ort sind.

Ausrückeordnung wird überarbeitet

Wie Barycza ausführte, ist es bislang nicht möglich, die Alarmierung zu steuern. Das heißt, zwischen 18 und 6 Uhr, wenn die Einsatzbereitschaft besser ist, weniger Wehren zu alarmieren. „Ab dem zweiten Quartal 2016 soll das allerdings passieren“, informierte er. Derzeit werde die Ausrückeordnung entsprechend überarbeitet. „Es wird aber dabei bleiben, dass stets mehrere Wehren alarmiert werden“, bemerkte der Stadtwehrleiter.

15000 Euro zusätzlich

Mitunter erweist sich ein Einsatz auch als Fehlalarm. Vor allem automatische Brandmeldeanlagen lösen häufig beispielsweise aufgrund eines technischen Defekts aus. Erst in der vergangenen Woche bescherte dieser Umstand den Gymnasiasten des Francisceums eine unverhoffte Unterrichtspause.

All diese genannten Gründe wirken sich finanziell auf die Stadtkasse aus. Denn pro Einsatz erhält jeder Kamerad 7 Euro. Die im Haushalt eingestellten 18 000 Euro reichen da längst nicht mehr aus, wie aus der Beschlussvorlage zur Bewilligung einer überplanmäßigen Ausgabe für die freiwillige Feuerwehr hervorgeht. Stattdessen sind weitere knapp 15 000 Euro aufzubringen.

Auch die Entschädigungen, die für die Teilnahme an den Diensten gezahlt wird, wurde mit 11 000 Euro zu gering kalkuliert. Hier ist nach aktuellem Stand ein Mehrbedarf von 7310 Euro zu verzeichnen. Dies hat ebenfalls mit der Bildung der Ausrückeverbunde zu tun. Die darin zusammengefassten Ortswehren führen auch gemeinsame Ausbildungen durch. „Daraus ergibt sich eine höhere Dienstbeteiligung“, heißt es.

Arbeitgeber beantragen eher Verdienstausfall

Zu guter Letzt erhalten seit 2013 Arbeitgeber nicht nur eine Entschädigung, wenn sie aufgrund von Feuerwehreinsätzen einen Verdienstausfall verzeichnen, sondern auch, wenn Beschäftigte an einem Lehrgang am Institut für Brand- und Katastrophenschutz in Heyrothsberge teilnehmen. Davon haben nun mehr Arbeitgeber Gebrauch gemacht. Darüber hinaus mussten einem Arbeitgeber rund 6300 Euro erstattet werden – ein Kamerad hatte sich während eines Dienstes verletzt. Gemäß Brandschutzgesetz hat der Träger der Feuerwehr die Lohnersatzkosten zu übernehmen. Damit werden für diesen mit 13 000 Euro veranschlagten Haushaltsposten ebenfalls gut 12 000 Euro zusätzlich benötigt.

Geringer als geplant fallen indess die Ausgaben für Aufwandsentschädigungen und Vorsorgeuntersuchungen aus. Unterm Strich ergibt sich damit ein Fehlbetrag von knapp 33 600 Euro. Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte dieser Mehrausgabe letztlich geschlossen zu.