Zerbst l Wie kann man die Mauerkrone der ehemaligen Zerbster Stadtkirche St. Nikolai nachhaltig schützen? Diese Frage beschäftigte über Jahre hinweg die engagierten Mitglieder des Fördervereins St. Nikolai, Denkmalschützer und Botaniker. Schon in den Jahren 2001 bis 2003 wurden die Mauerkronen der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche zum Schutz begrünt.

Ein Botaniker stellte dabei im Laufe der Jahre Mängel fest, weshalb im vergangenen Jahr die Mauerkronen verbessert gesichert wurden. „Diese Maßnahme ist nun beendet“, erklärt Walter Tharan, Vorsitzender des Fördervereins St. Nikolai. Der Förderkreis ist Projektträger der Mauerkronensanierung. Die Zusage der Deutschen Bundesstiftung für Umwelt, die Mauerkronenbegrünung an einigen Stellen des Kirchenbauwerkes zu analysieren und dabei Sanierungsmaßnahmen zu ermöglichen, war ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Unempfindliche Pflanzen

Im Vorfeld wurden die Mauerkronen vom bekannten Botaniker Dr. Anselm Krumbiegel an drei ausgesuchten Stellen untersucht, an denen unterschiedliche Bedingungen herrschen. Dabei ging es darum festzustellen, welche Pflanzen sich für die Begrünung solcher langen Mauerkronen eignen.

Unter Berücksichtigung des Zieles, eine dauerhafte und pflegeunabhängige Mauerkronenbegrünung zu erreichen, stellte Krumbiegel drei zu erfüllende Voraussetzungen auf. Die Verwendung von Pflanzenarten, die ohne Pflege auskommen, da sie gegenüber extremen Standortbedingungen wie vor allem Hitze, Kälte und Trockenheit weitgehend unempflindlich sind. Am zweckmäßigsten sei es, Saatgut von Arten an natürlichen Standorten in der Umgebung zu sammeln, wie dies in Zerbst in der Vergangenheit bereits teilweise erfolgt ist.

Des Weiteren riet Krumbiegel zur Verwendung von Substrat, das gegen Erosion geschützt werden müsse. Das bisher verwendete, stark lehmhaltige Substrat scheine grundsätzlich geeignet, müsse jedoch vor Erosion am Übergang zum Mauerwerk geschützt werden.

Auch die weitere Verwendung von Vliesen, Matten, Netzen, Folien und Ähnlichem als Träger von Pflanzensubstrat schätzte Krumbiegel kritisch ein. Auf der Nordmauer wurde textiles Vlies zusammen mit einem dünnen Gaze aus Plastik als Trägermaterial aufgebracht. Die Vegetation auf diesem Abschnitt war sehr spärlich.

Eigentlich war es geplant, die Mauerkronensanierung noch im Jahr 2014 fertig zu stellen. Jedoch zog sich das Antragsverfahren für die verschiedenen Zuwendungsbescheide in die Länge.

Erste Bescheide gingen 2014 ein, womit damals 45 000 Euro zur Verfügung standen, mit denen ein erster Teil des Projektes durchgeführt wurde. Drei Mauerabschnitte mit unterschiedlich entwickelter Begrünung wurden ausgewählt und Rüstungen gestellt. Die Kartierung der dort auf der Mauerkrone vorhandenen Pflanzenarten erfolgte im Juni 2014.

Ein Teilziel der Maßnahme, die Evaluierung des Verfahrens der Mauerkronenbegrünung, konnte damit erreicht werden. Auf zwei der drei Mauerabschnitte sind die in der Zielstellung benannten Mängel behoben worden.

Kurz vor Jahresende 2014 traf dann ein weiterer Zuwendungsbescheid ein, der die Fortführung mit einem zweiten Teilprojekt in 2015 ermöglichte. „Jetzt gelang es auch, weitere Mittel einzuwerben, sodass die ursprünglich geplante Projektsumme 140 009 Euro erreicht wurde“, beschreibt Walter Tharan.

„Nach Auswertung kann festgestellt werden, dass sich aus einer Vielzahl vor etwa zwölf Jahren angesiedelter Arten ein Biotop entwickelt hat, das unter den extremen Standortbedingungen stabil existiert. Etwa 40 Pflanzenarten werden benannt“, so Tharan.