Zerbst l Ein wahrlich einzigartiges und zwischenzeitlich sogar zerstört geglaubte Gemälde kehrte am Montag nach St. Bartholomäi zurück, wie Pfarrer Albrecht Lindemann erfreut vermelden konnte. Das ungefähr um das Jahr 1565 vom Reformationsmaler Lucas Cranach, dem Jüngeren geschaffene Bild zeigte ursprünglich die Heilige Dreifaltigkeit bestehend aus Gottvater, Jesus Christus und dem Heiligen Geist.

Später wechselte das Kunstwerk entsprechend der sich wandelnden Glaubensrichtungen allerdings sein Aussehen. Als Zerbst dem Calvinismus abschwor, griff 1853 Hofmaler Beck zum Pinsel und änderte ein weiteres Mal das Motiv. Er stellte einen Altar mit leerem Kreuz, Abendmahlsgerät und eine Bibel ins Zentrum des halbrunden Gemäldes mit den erkennbaren Portraits der Fürsten Wolfgang und Joachim von Anhalt.

In Halle erhalten

Als sich Zerbst nach dem Luftangriff am 16. April 1945 in ein Flammenmeer verwandelte, brannte auch die Bartholomäikirche und viele dachten, dass auch das Cranach-Bild ein Opfer des Feuers wurde. Ein Irrtum, wie sich später herausstellen sollte. Vielmehr fand das Werk den Weg nach Halle ins Landesarchiv. In den Blickpunkt des öffentlichen Interesses geriet es anlässlich des 500. Geburtstages von Lucas Cranach, dem Jüngeren (1515-1586), womit die Lutherdekade unter dem Motto „Bild und Bibel“ das Wirken des Künstlers in diesem Jahr würdigte.

Nach dem Ende der erfolgreichen Landesschau „Cranach in Anhalt“ erhielt die Bartholomäigemeinde das religionsgeschichtlich wie kunsthistorisch interessante Gemälde nun restauriert zurück. „Wo wir es aufhängen, müssen wir noch entscheiden“, erklärte Pfarrer Lindemann. Denn der ursprüngliche Ort bietet sich nicht an, dort befindet sich nun die gläserne Zwischenwand zum offenen Kirchenschiff. An welcher Stelle das Bild zukünftig die Kirche schmücken wird, zeigt sich am 14. Dezember. Im Beisein von Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) wird es um 10 Uhr offiziell enthüllt. Erwartet wird ebenfalls die Restauratorin Grit Jemrich, die einiges zur bewegten Geschichte des Cranach-Werkes berichtet.