Zerbst l Das Lutherhaus in Zerbst wird nicht der Standort für das Hospiz. Das ehemalige Pfarrhaus hatten die Betreiber von der Anhaltischen Hospiz- und Palliativgesellschaft eigentlich für einen Umbau in die Einrichtung vorgesehen. Allerdings stellte sich heraus, dass das Haus für den Umbau schlussendlich doch nicht geeignet ist. Das erklärten Dr. Anja Schneider, Geschäftsführerin der Anhaltischen Hospiz- und Palliativgesellschaft, und Torsten Ernst, Theologischer Geschäftsführer des Diakonissenkrankenhauses in Dessau, welches zu 51 Prozent an der Hospizgesellschaft beteiligt ist. Zudem zählt Ernst zum Vorstand der Hospizgesellschaft. „Die genaue bauliche Prüfung hat ergeben, dass die Eingriffe in die Bestandsimmobilie deutlich umfassender hätten sein müssen, als wir am Anfang gedacht hatten.“ Das ganze Projekt sei nicht mehr finanzierbar gewesen, sagte Torsten Ernst.

Gern hätte man die Nähe zu der kirchlichen Gemeinde und der Kirche genutzt, schließlich sei die Gemeinde eine der Impulsgeber für das Projekt dort gewesen, fügte er an.

„Wir haben an dem Objekt sehr lange festgehalten und uns die Entscheidung sehr schwer gemacht“, sagte er.

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Es wurde allerdings ein neuer Standort in Zerbst gefunden. „Dieser ist am Breitestein. Dort befindet sich eine freie Fläche. Darauf befanden sich ehemals die Blöcke mit den Hausnummern 64 bis 68 und 70 bis 74“, erklärte Anja Schneider. Das Grundstück habe eine Fläche von 3405 Quadratmetern „und wurde am Montag von der BWZ gekauft“, fügte sie an. Es befindet sich in der Nähe des Kindergartens „Zerbster Strolche“ der Volkssolidarität und dem Wiekhaus, in dem die Faschgesellschaft ihren Sitz eingerichtet hat.

Dittmann froh über Neubau

„Ich bin sehr froh, dass alle Beteiligten an der Idee, in Zerbst ein Hospiz zu errichten, dennoch festhielten“, sagte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) gestern während des Gespräches im Rathaus. Torsten Ernst bezeichnete den Bürgermeister als Katalysator für den Prozess, in Zerbst eine Hospiz-Einrichtung zu bauen.

Mit dem Grundstück sind die Betreiber sehr zufrieden, gaben sie zu verstehen. „Es ist zentrumsnah und ich finde die Kombination mit dem Kindergarten, auch wenn sie für manch einen zunächst einmal abschreckend ist, toll“, sagte Pfarrer Torsten Ernst. Bei dem Dessauer Hospiz sei die Situation ähnlich und dort haben die Mitarbeiter und Betreiber gute Erfahrungen gemacht.

„Hospiz ist kein Gebäude“, betonte Anja Schneider. „Hospiz ist eine Grundhaltung Menschen gegenüber“, fügte sie an. Die Betreiber wollen daher den Schulterschluss mit der Stadt und auch mit der Gemeinde. „Wir sind sogar darauf angewiesen.“

Baustart für den vom Architektenbüro „Bankert und Sommer“ aus Dessau entworfenen Bau ist für den März 2016 geplant. Ein Jahr später soll der Bau eröffnet werden. Dann soll das Haus acht Zimmer beherbergen und auch dem mobilen Palliativdienst als Zweigstelle dienen. Eine enge Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Hospizdienst der Malteser, die mit Gesprächen und Beratung den Sterbenden und ihren Angehörigen zur Seite stehen, ist ebenso vorgesehen wie die intensiven Kontakte zur Palliativstation des Zerbster Krankenhauses und der Ärzte in Zerbst. Zwölf Arbeitsplätze sollen dort geschaffen werden. „Wir suchen examiniertes Personal“, sagte Anja Schneider.

Bürgermeister Andreas Dittmann freute sich aus zwei Gründen über die Pläne. Erstens werde damit in der Palette der sozialen Angebote in Zerbst eine echte Lücke geschlossen. Zweitens zeige das Areal in der Kernstadt Zerbst, dass es dort nicht nur Abriss sondern auch Neubau gebe und im wahrsten Sinne der Hospiz-Idee Raum gegeben werde, sagte er.