Zerbst l Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) zeigte sich glücklich über die Eröffnung des Windparks am Freitagnachmittag in Zerbst. Denn er konnte verkünden, dass die Energiepark betreibende Firma Getec die Absichtserklärung formuliert habe, im nächsten Jahr eine Bürgerstiftung ins Leben zu rufen. Diese solle im Bereich „Leben in der Stadt“, also Kultur, Tourismus, Soziales und Sport künftig mitfinanzieren. „Und das nicht erst, wenn die Zinsen besonders günstig sind, sondern schon im nächsten Jahr mit einer Extraausschüttung in Zerbst ins Leben zu rufen“, so Dittmann.

Es freue ihn, dass ein Betreiber aus der Region den Energiepark betreibe. Denn die Firma übernehme schon Verantwortung, wenn andere noch von möglicherweise zahlfähigen Gewerbesteuern reden, so Dittmann.

Bei seiner Rede dankte er zudem den Mitgliedern des Zerbster Stadtrates. Alle Fraktionen hatten Vertreter zur Eröffnung des rund 52 Millionen Euro teuren Projekts entsandt. Zehn Anlagen sind auf dem ehemaligen Militärflugplatz in den vergangenen Wochen entstanden.

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„Das Ermessen, das eine Verwaltung bereit ist auszuüben, wenn es dafür gute Gründe gibt, geht nur, wenn ein Stadtrat das alles mitträgt.“ Auch in den Fraktionen und in der Kreisverwaltung sei das Projekt unterstützt worden.

„Wenn anderenorts sich Bürgerinitiativen bilden, um etwas zu verhindern, so hatten wir das merkwürdige Glück, dass zum Tag der offenen Tür 800 begeisterte Besucher hier waren“, berichtete er weiter. Das habe sicher auch damit zu tun, wie man mit solch einem Projekt umgehe, merkte Dittmann an.

Strategisches Vorgehen

Man habe sich in Zerbst von Anfang an darauf verständigt, ganz bewusst den Standort des ehemaligen Militärflugplatzes und die schon in der Nachbarschaft befindlichen Windenergieparks als Akkumulationsräume von Windenergie zu nutzen. Denn die Kommune habe einen Plan verfolgt, so Dittmann. „Der sah vor, einerseits regenerative Energie zu wollen und dennoch die Landschaft zu schonen“, blickte der Bürgermeister zurück. Die Landschaft in und um Zerbst werde ganz maßgeblich von Landwirtschaft geprägt, erzählte er weiter. Deswegen sei der Stadtrat übereingekommen, an dieser Stelle die Windanlagen zu konzentrieren. Das brachte gute Argumente gegenüber der Regionalen Planungsgemeinschaft, dass dafür der gesamte Südteil des Stadtgebietes zwischen Kernstadt und Biosphärenreservat Mittlere Elbe frei blieb. „Das war nicht einfach, denn es gab durchaus schon Projektentwickler, die in den Startlöchern saßen“, berichtete Dittmann. Planungen sahen 22 Anlagen zwischen Zerbst und Leps vor, informierte der Bürgermeister. „Dann wäre Zerbst umzingelt von Anlagen. Deswegen sei es auch eine strategische Entscheidung gewesen, sich nicht als Verhinderungskommune zu präsentieren. „Wir wollen unseren Beitrag leisten, aber es muss in einem ausgewogenen Verhältnis bleiben“, sagte Dittmann. Bei Getec sei man da auf offene Ohren gestoßen.

Dittmann sagte, der Park schaffe einen echten Mehrwert. Allein schon durch die Errichtung der Biogasanlage konnten weitere Ort an das Gasnetz angeschlossen werden. Es gebe sehr viele Synergieeffekte, fügte er an.

Dr. Markus Tacke, Leiter der Abteilung für Windkraft und Erneuerbare Energien bei Siemens – Siemens war der Generalunternehmer des Projekts – nannte den Standort Zerbst als Windstandort wichtig für Siemens, weil er technologisch Meilensteine setze, was Nabenhöhe, Spitzenhöhe und Ausgestaltung angehe.

Dr. Frank Büchner, Leiter des Energiemanagments bei Siemens, dankte für die gute Zusammenarbeit mit der Firma Getec und lobte den Vorstand Chris Döhring für das viele Herzblut, das er in das Projekt gesteckt habe. Er habe auch die Idee gehabt, dass das CO2, das bei der Biogasanlage produziert werde, vielleicht in andere Bestandteile umgewandelt werden könnte. Erste Ergebnisse seien so vielversprechend, dass Siemens „mehr als nur darüber nachdenke, hier eine kleine Versuchsstation zu errichten“, sagte Büchner.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Getec, Dr. Karl Gerhold, nannte Chris Döhring den „geistigen Vater“ des Projekts, der ihm vor rund zwölf Jahren vorgeschlagen habe, das Areal zu kaufen. Chris Döhring selbst sagte, dass Zerbst nun über internationales Ansehen verfüge, was ihn sehr freue. Dann nahm er mit den Gästen die Anlage in Betrieb.