Zernitz l Ab 1. Januar ist der Ostelbische Spinnkreis Geschichte. Nein, die Frauen um Heidi Rühlich und Monika Sauer geben das Spinnen nicht auf, sondern sich nur einen neuen Namen. „Um auch bei der Teilnahme an überregionalen Veranstaltungen die territoriale Herkunft unseres Spinnkreises deutlicher zum Ausdruck zu bringen und damit die regionale Zugehörigkeit und Verbundenheit auszudrücken, ist vorgesehen, dass der Spinnkreis den Namen ,Anhaltischer Spinnkreis‘ führen wird“, erklärte es Heidi Rühlich.

Weiterhin werden auch im kommenden Jahr jeden zweiten Sonntag im Monat in der Spinnstube des Alpakahofes in Zernitz die Spinntreffen stattfinden. Gleichgesinnte Woll-Lustige und diejenigen, die ebenfalls in der Gemeinschaft das traditionelle Handwerk des Spinnens mit dem Spinnrad ausüben möchten, sind herzlich willkommen. Es ist geplant, im Frühjahr zu einem Spinn-Schnuppertag einzuladen, an dem Spinninteressierte die Möglichkeit bekommen, sich am Spinnrad auszuprobieren. Der Spinnkreis wird wieder auf regionalen Veranstaltungen vertreten sein, unter anderem am 1. Mai in Walternienburg zur Eröffnung der Elbradweg-Saison.

Zur Ausübung des alten traditionellen Handwerks trafen sich in diesem Jahr regelmäßig zehn bis zwölf Spinnerinnen und ein junger Wollspinner. Mit Kreativität und Woll-Lust wurden Wolle von Schaf, Alpaka, Angora-Kanichen und Yak sowie Seide und Mohair versponnen, um daraus Strick- und Webgarne herzustellen. Die Ergebnisse dieser kreativen Arbeit wurden der Öffentlichkeit bei Veranstaltungen in der Region präsentiert.Die Spinnerinnen waren bei „Kreuz & quer durch Steutz“ dabei, bei der Gewerbefachausstellung in Zerbst, zum Tag des offenen Alpakahofes in Zernitz, beim Landeserntedankfest in Magdeburg und auf örtlichen Weihnachtsmärkten.

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Besondere Aufmerksamkeit wurde erreicht beim Vorführen des Färbens von Wolle mit einheimischen Pflanzen anlässlich des Tages des offenen Hofes im Juni. Die Färbeergebnisse und vielfältigen Nuancen der natürlichen Farben durch das traditionelle Färben mit Pflanzen, die in der Region verfügbar sind, wie Blütenmischungen, Birke, Robinie, Eiche, Apfelblättern, Kamille erstaunten die Besucher sehr.

Handwerkstechniken vorgestellt

Der Schwerpunkt der Aktivitäten des Spinnkreises war die Vorbereitung und Durchführung des 1. Wollfestes zwischen Elbe und Fläming, das im September auf dem Alpakahof in Zernitz stattfand. Im Mittelpunkt stand die Modenschau unter dem Motto „Woll-Lust trifft Kreativität“. Die Ergebnisse des Schaffens vom Spinnen der Wolle bis zum Pullover, Hut, Accessoires und mehr wurden vorgeführt. Dafür gab es viel Anerkennung vom Publikum. Auch wurden traditionelle Handwerkstechniken zur Verarbeitung der Wolle wie Spinnen, Filzen, Weben, Stricken, Klöppeln vorgestellt.

Ein Höhepunkt war schließlich die Teilnahme am Spinnwettbewerb des Landes Sachsen-Anhalt, den der sachsen-anhaltische Merinoschafzuchtverband Ende September organisierte. Diese 16. Meisterschaft fand auf dem Schäferhof in Langenstein/Harz statt. Drei Frauen vom Ostelbischen Spinnkreis entschlossen sich kurzfristig zur Teilnahme. Sie wollten in erster Linie Atmosphäre, Organisation, Anforderungen und Teilnehmer des Wettbewerbes kennenlernen.

Die Aufgabe bestand darin, aus 30 Gramm Kardenband vom Coburger Fuchsschaf einen sehr dünnen Faden binnen zwei Stunden zu spinnen. Welche Überraschung: Jeanette Paasch vom Ostelbischen Spinnkreis wurde Landesmeisterin. Sie spann einen Faden von 233 Meter Länge. Ihre Mitstreiterinnen Monika Sauer und Heidi Rühlich errangen die Plätze 2 und 3 mit Fadenlängen von 192 und 189 Metern.

Im nächsten Jahr wollen die Spinnerinnen des dann Anhaltischen Spinnkreises auf jeden Fall wieder bei den Landesmeisterschaften im Schafwollspinnen dabei sein.