Zerbst l Zehn Jungen und Mädchen sitzen im Raum mit der Nummer 3.1 in der Außenstelle der Ciervisti-Schule an der Breite in Zerbst. Vor ihnen liegt ein Faltblatt, auf dem sind Zeichnungen zu sehen. Es handelt sich um Gegenstände. Ein Anspitzer, ein Ball und weitere Alltagsgegenstände. Auf der Zeile daneben solle die Schüler das richtige deutsche Wort eintragen. Wer nicht gleich darauf kommt, darf das Faltblatt einmal umschlagen.

„Dort steht das richtige Wort, die Buchstaben sind aber in der falschen Reihenfolge angeordnet“, sagt die Integrationslehrerin. Es dient als Hilfe. Wer es partout nicht weiß, darf ganz umblättern und luchsen. Doch das benötigen die wenigsten der Schüler. Mittlerweile sprechen die Jungen und Mädchen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren ganz gut Deutsch. Jeden Tag verbringen sie vier Stunden im Unterricht von Annegret Schulze. Sie betreut zwei Klassen. Die größere Klasse mit zehn Schülern sind die Anfänger, in einer weiteren Klasse sind vier Schüler. Ihr Deutsch ist schon so gut, dass sie weniger gefördert werden. „Ziel ist es, dass sie am ganz normalen Unterricht teilnehmen können“, erklärt die Lehrerin. Doch bis dahin ist es oft ein langer Weg.

Fleiß ist wichtig

Nichts geht ohne Fleiß. Der 15-jährige Ghaeth ist erst am zweiten Tag dabei. Doch er ist pfiffig, versteht die Fragen und kann auf Deutsch antworten. Seit vier Monaten sei er in Deutschland, erzählt er. In der Volkshochschule habe er schon mit seinen Eltern einen Kurs besucht und zu Hause viel gelernt.

Bilder

Die Schüler, die meist aus Syrien kommen, müssen ein ganz neues Alphabet lernen. „Und auch, von links zu schreiben. Arabisch schreibt man ja von rechts“, erzählt die Lehrerin. „Wir müssen dann wie in der Grundschule anfangen, die Hand zu lockern und die Bögen zu üben“, fügt sie an.

Die Buchstaben seien aber weniger das Problem, sagt Mohamed. Der 13-Jährige ist der Klassenprimus. „Die Buchstaben sind ja die gleichen wie im Englischen. Die haben viele von uns schon zu Hause gelernt.“

Der Schwerpunkt liege auf dem Sprechen, erzählt Annegret Schulze. Das Schreiben werde aber nicht vernachlässigt. „Schließlich müssen die Schüler ja auch einen Fahrplan lesen können“, fügt sie an.

Viele Sprachen

Seit Februar sei die Klasse zusammen. Neben Syrern befinden sich auch Polen darunter. Ein Grund, warum Annegret Schulze kein Arabisch lernt. „Es sind zu viele Sprachen, die ich dann lernen müsste. Einige Syrer sprechen auch Kurdisch oder Farsi. Und sie sollen ja alle Deutsch lernen.“

Der Aufwand ist allerdings sehr hoch, erzählt sie weiter. „Ich muss sehr viel vorbereiten. Wir haben keine Schulbücher, mit denen die Schüler arbeiten können.“ Es gibt nur sieben Wörterbücher. Drei deutsch-polnische, vier arabisch-deutsche. „Auch die wurden uns von einer Zerbster Firma gesponsert“, sagt Schulze.

Die Karteikarten mit Wörtern und deren Übersetzungen haben die Schüler selbstgebastelt. Und die 58-Jährige arbeitet viel mit Bildern. Sie zeigt eine visitenkartengroße Karte und fragt, was darauf zu sehen sei: „Pflaume“, antworten die Schüler. So geht es weiter. „Gerade am Anfang geht es gar nicht anders“, berichtet sie.

Die Schüler in dem Kurs mögen es, Buchstabenreihen zu bilden. Annegret Schulze gibt den Buchstaben „D“ vor. Die Schüler sagen nacheinander: „Deutschland“, „dunkel“,„dick“, „dünn“, „die Nase“ - die Lehrerin lacht. „Das nicht ganz richtig.“ - „Drei“ korrigiert sich der Schüler und es geht weiter.

Im anderen Kurs werde das gleiche Spiel gespielt, aber dann gehe es nach Themen, zum Beispiel nach der Geographie. „Damit beschäftigen wir uns viel. Die Deutschland und die Europakarte benutzen wir eigentlich jeden Tag.“

Auch gerechnet wird in der Klasse. „Das sind die Vokabeln, die sie später im Unterricht brauchen“, betont Annegret Schulze.