Lindau l Das Verbandsgebiet des Unterhaltungsverbandes Nuthe/Rossel beträgt 91.990,70 Hektar. Mitgliedsgemeinden sind Zerbst, Dessau-Roßlau, Coswig, die Lutherstadt Wittenberg, Gommern, Möckern sowie beitragsfrei Oranienbaum-Wörlitz, Aken und Barby. 1180,72 Kilometer zweiter Ordnung müssen unterhalten werden, wie es das Wassergesetz (WG) des Landes Sachsen-Anhalt vorschreibt.

Seit über 25 Jahren wird in Sachsen-Anhalt die hoheitliche Aufgabe der Gewässerunterhaltung durch die nach der Wende neugegründeten Unterhaltungsverbände, Wasser- und Bodenverbände auf Grundlage des Wasserverbandsgesetzes durchgeführt. Diese Aufgabe führen die Verbände für die Kommunen durch, die nach dem Wassergesetz des Landes Sachsen-Anhalt die Unterhaltspflichtigen für die Gewässer 2. Ordnung sind.

Festgeschriebene Richtlinien

Für die Gewässer 1. Ordnung – wie Nuthe und Rossel – ist seit der Wende der Landesbetrieb für Hochwasserschutz Sachsen-Anhalt zuständig. Die Einteilung in die 1. oder 2. Gewässerordnungen wurde im Wassergesetz des Landes Sachsen-Anhalt festgelegt. Die Richtlinien für die Gewässerunterhaltung 1. Ordnung und 2. Ordnung sind dieselben und im Wasserhaushaltsgesetz (WHG), WG und den Unterhaltungsordnungen der Landkreise festgeschrieben. Parallel zu diesen Gesetzen sind selbstverständlich die Naturschutzgesetze zu beachten.

Dass die Belange des Naturschutzes eine immer größere Rolle in der Gewässerunterhaltung spielen, zeigt die Wortänderung in der Definition des Begriffes der Gewässerunterhaltung im Wassergesetz. Früher galt es den schadlosen Abfluss zu sichern, heute muss der ordnungsgemäße Abfluss erhalten bleiben. Das Credo lautet „So wenig wie möglich und soviel wie nötig“. „Mit dieser Herangehensweise befindet sich der Verband leider noch zu oft in einem Spannungsfeld zwischen den Interessengruppen“, so die Geschäftsführerin des UHV Nuthe/Rossel, Maja Schochardt.

Die Situation werde seit Jahren durch die Zurückhaltung der Politik in Sachen Biber deutlich erschwert. „Der Verband möchte und kann nur als Vermittler agieren und als Dienstleister den Bürgern und Flächeneigentümern Kompromisse ermöglichen“, so Maja Schochardt. Die letzten 25 Jahre Gewässerunterhaltung hätten gezeigt, dass in vielen Ortschaften trotz schwieriger Einzelfälle diese Zusammenarbeit Erfolg hat. Es gilt, die bisherigen Erfahrungen zu nutzen und sensibel mit ökologisch wertvollen Gewässern, wie der Nuthe oder dem Grieboer Bach, umzugehen, jedoch auch stets über den Tellerrand hinauszuschauen.

Regelmäßige Gewässerschauen

Seit dem Jahr 2014 ist Maja Schochardt inzwischen die Geschäftsführerin des UHV Nuthe/Rossel. Einmal im Jahr führt der Verband Gewässerschauen in jedem Schaubezirk durch, bei denen, die Gräben vor Ort unter die Lupe genommen werden. Gemeinsam mit Landwirten, Schaubeauftragten, Mitarbeitern der Kommunen und des Landkreises werden Probleme benannt, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens möchte sich Maja Schochardt für die vielerorts angenehme Zusammenarbeit bedanken, besonders bei den Behörden der Landkreise und der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau, den Bürgermeistern und Mitarbeitern der Mitgliedsgemeinden. Großer Dank gilt besonders den Mitarbeitern, die häufig mit den Angestellten des Verbandes zusammenarbeiten, sei es bei Genehmigungsverfahren der Landkreise oder auch in den Tiefbauämtern der Kommunen. „Es herrscht ein angenehmes Arbeitsklima“, so die Geschäftsführerin.

Fast 90 Jahre ist die Geschichte des Unterhaltungsverbandes in der Vergangenheit zurückzuverfolgen. In den 1930er Jahren bestanden in der Region um Zerbst Wasser- und Bodenverbände, an die die Bauern Beiträge nach Flächengröße bezahlten. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Verbände durch die sowjetische Militäradministration bis 1955 aufgelöst. Die LPG und Bauern mussten die Gewässer selbst unterhalten.

Mehr Leistungsumfang

Im Kreis Zerbst machten sich Verantwortliche Gedanken, weil die Gewässer in einem schlechten Zustand waren. In der Folge wurden die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) und der VEB Wasserwirtschaft (Magdeburg) gegründet. Der volkseigene Betrieb (VEB) übernahm die Unterhaltung. Jedoch reichten alle Anstrengungen nicht aus, die vernachlässigten Gräben wieder herzustellen. 1957 empfahl der Ministerrat der VdgB die Gründung von Meliorationsgenossenschaften (MG). Zwei Meliorationsgenossenschaften entstanden im Kreis Zerbst. Die MG Ehle und die MG Nutheniederung wurden 1962 gegründet. Ihr Leistungsumfang nahm zu.

Durch Beschluss des Ministerrates der DDR wurden die Meliorationsgenossenschaften gelöscht und mit Gründerversammlung nahm die ZBE (Zwischenbetriebliche Einrichtung) Melioration 1973 die Unterhaltung der Gewässer war. Die ZBE Melioration führte in 36 LPG, 2 VEG (Volkseigenes Gut) und einem Forstwirtschaftsbetrieb Meliorationsmaßnahmen durch. In der Zeit von 1973 bis 1990 hatte der Betrieb zirka 109 Beschäftigte. Mit der Wende wurde aus der ZBE der „Zerbster Baubetrieb“.

Im April 1992 fand die 1. Mitgliederversammlung des Unterhaltungsverbandes „Nuthe“ statt, im September die erste für den Verband „Rossel“. Es gab im November des gleichen Jahres die erste Vereinbarung zwischen „Nuthe“ und „Rossel“ über eine gemeinsame Geschäftsführung. Im Juni 1997 konnte der UHV Rossel aufgelöst werden und der UHV Nuthe wurde um den Verband Rossel per Gesetz erweitert. Es entstand der Verband UHV Nuthe/Rossel.

Von einem Flächenbeitrag in Höhe von 5 Euro je Hektar im Jahre 1992, von denen 3 Euro vom Land bezuschusst wurden, gingen die Landesmittel stetig zurück. 2009 zog das Land die Finanzierung komplett zurück. Seit 2013 liegt der Flächenbeitrag gleichbleibend bei 8,37 Euro/ha. Durch zielgerichtete Investitionen konnte der Flächenbeitrag in den letzten Jahren stabil gehalten werden. „Darauf sind wir schon etwas stolz“, so Maja Schochardt. Dies konnte aber auch nur gelingen, weil die Zusammenarbeit zwischen Verbandsversammlung und Vorstand sehr gut funktioniert.