Deetz l Es ist kalt, windig, ungemütlich. Seit 9.30 Uhr sind die Männer im Wasser. Sie ziehen das Netz immer enger zusammen. Stück für Stück. Eine schwere Arbeit, die Fische leisten Widerstand. „Monsterkarpfen“ werden vorsichtig übers Netz gehoben. Sie bleiben im Teich. Ihre kleineren Artgenossen sowie Hechte, Barsche, Schleie warten auf den Kescher. Auch die Schaulustigen müssen warten. Länger als sonst. „Wir gehen es heute ruhiger an“, so Denis Sandmann, der zu den Männern in den Wathosen gehörte.

Hechte sind super

Das hat die Chefin der Deetzer Teichwirtschaft, Hannelore Sachse, so angeordnet. „Wir ziehen nur einmal durch“, erklärte sie, „damit die Fische nicht so viel Stress haben.“ Die 70-Jährige hat die Erfahrung. Es ist das 25. Abfischen unter ihrer Regie. Die Fische sind gut gewachsen in diesem Jahr, die Ernte ist „richtig gut“. „Die Hechte sind in diesem Jahr super“, freut sich die Deetzerin, „die hatten viel zu fressen.“ Aber auch mit den anderen Fischen ist sie zufrieden.

Was die Besucher angeht, waren es vielleicht nicht ganz so viele, wie in vergangenen Jahren. Bei dem Wetter nicht verwunderlich. „Auch ein paar Händler haben wegen dem Wetter kurzfristig abgesagt“, ließ Hannelore Sachse wissen, die dennoch froh über die vielen Leute war, die dem Spektakel beiwohnten, sich mit frischem Fisch eindeckten, sich kulinarisch verwöhnen ließen und an den Ständen das ein oder andere erwarben. Schließlich steckt für alle Beteiligten ein enormer Aufwand in der Veranstaltung, die schon als kleines Volksfest durchgeht und Besucher aus dem ganzen Land anzutreffen sind.

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Hannelore Sachse ist überall und nirgends zu finden. Stress? „Den hat man doch immer“, winkte sie ab. Zum Glück sind die meisten Akteure „alte Hasen“. Ihre Mannschaft rekrutiert die Teichchefin aus Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten, den alten Sportkameradinnen. Sie alle helfen gerne an diesem einen Hauptkampftag am Teich mit. „Ohne sie ginge es nicht“, so Hannelore Sachse. Von der Unterstützung und von ihrer eigenen Gesundheit macht sie es abhängig, ob es im nächsten Jahr wieder ein Abfischen gibt.

Rekord: 153 Tonnen Karpfen

Als Dienstältester war am Sonnabend auch Peter Sandmann wieder mit von der Partie. Er ist seit 35/40 Jahren dabei, schon unter dem Vater von Hannelore Sachse. Der Deetzer, der direkt am Teich wohnt, kann erzählen, wie hier zu DDR-Zeiten Intensiv-Fischerei betrieben wurde. „Früher war das ein reiner Karpfenteich“, erzählte Sandmann. Er erinnert sich an eine Rekordernte von 135 Tonnen Speisekarpfen.

Er erinnert sich auch, dass 1982 Amur-, Marmor- und Silberkarpfen eingesetzt wurden. Reine Pflanzenfresser, die sich um den Bewuchs im Teich kümmern. Eine Reihe dieser Exemplare leben bis heute im Teich und konnten auch am Sonnabend von den Besuchern bestaunt werden. „90 Jahre können die alt werden“, so Hannelore Sachse. Mit 38 Kilogramm und über 1,20 Meter Länge wurde einer registriert.

Ein schönes Gefühl, wenn die Fische um einen herum schwimmen, meinte Peter Sandmann. Sein Sohn Denis, der inzwischen in Augsburg wohnt, aber zum Abfischen immer auf Familienbesuch ist, stellte fest, dass sie in diesem Jahr noch ganz schön aktiv sind, springen und hüpfen. Vielleicht war das Wasser noch ein bisschen zu warm? Die 12 bis 14 Grad schienen den Männern nichts auszumachen. „Nur wenn man rumsteht, wird es kalt auf Dauer“, meinte Denis Sandmann, der über der Wathose ein Surfjacke trug. Er sei innen komplett trocken, versicherte er.

Tolles Spektakel

So manchen Spritzer bekamen die Zuschauer ab, wo die Fische in die Behälter sortiert wurden. Das war wohl auch die interessante Stelle bei dem Spektakel. Die sechsjährige Leonie hätte am liebsten selbst zum Kescher gegriffen. Sophie Wulle aus Zerbst war mit ihren Kindern schon im vergangenen Jahr dabei. „Ich war als Kind schon hier, die Oma hat mich mitgenommen“, erzählte sie. Es sei immer wieder spannend, wie sie die Fische herausholen. „Als Kind war ich fasziniert“, sagte die junge Frau. Ihre eigenen Kinder sind nun ebenso fasziniert.