Zerbst l Schulleiterin Veronika Schimmel ließ während der feierlichen Zeugnisübergabe die letzen Schuljahre noch einmal Revue passieren. Sie erinnerte sowohl an die vielen schönen als auch an schwierige Momente in dieser langen Zeit. „Wieder verlässt ein Jahrgang unsere Schule, der erste Jahrgang, der ein anderes Ende nimmt als erwartet“, sagte Veronika Schimmel im Bezug auf das Coronavirus, das momentan die ganze Welt in Atem hält.

Lehrer und Schüler stürzten sich in der allerletzten Phase der Schulzeit voll in das Digitalalter Moodle, verursacht durch eben diese Corona-Epidemie. „Diese Erfahrung ist nicht nur für euch, liebe Abiturienten, sondern auch für eure Eltern, Geschwister und uns Lehrer eine völlig neue, nie gekannte Erfahrung. Nehmen wir daraus für die Zukunft das Positive mit. Wir sollten sorgsamer mit uns und unseren Nächsten umgehen“, betonte die Schulleiterin.

So ganz plötzlich sei diese Epidemie nicht auf uns alle hereingebrochen. „Wenn wir genauer recherchieren, hätten wir gewarnt sein müssen. Doch wir waren unbedarft und hatten „nur“ unser Schuljahr im Blick. Wir Lehrer dachten an die Vorklausuren und das Abitur. Ihr, liebe Abiturienten, dachtet am meisten an die Mottowoche, den letzten Schultag und den Abiball. Es sollte aber nicht nach Plan laufen. Mitten in den Vorabiturklausuren traf uns alle das Virus mit voller Breitseite“, blickte Veronika Schimmel auf die letzten Monate zurück.

Keine Mottowoche

Schimmel: „Ich gebe euch recht, dass es kein schöner letzter Schultag war, dass es keine Mottowoche gab, obwohl ihr diese vorher hart erstritten habt, und dass der heutige Tag ganz anders als erwartet verlaufen wird. Allerdings gab es auch in den ganzen Jahren meiner Lehrerzeit noch nie einen Jahrgang, der so viel Zeit hatte, sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Die Ergebnisse zeigen es.“

Aber der Blick ging noch viel weiter in die Vergangenheit. Schimmel begab sich noch einmal auf den Weg von der Zeit am Francisceum bis zum erfolgreichen Abitur, erinnerte an die vielen Fahrten, Projekte und die regelmäßige Präsenz ihrer Schützlinge in der Zerbster Volksstimme, sei es, dass über sie berichtet wurde, oder sie selbst über ihre vielen Highlights berichteten.

„Nicht alle von euch konnten den Anforderungen standhalten. Und so verließen in den Jahren mehrere Schüler eure Klassen und so haben wir nach gemeinsamer Recherche festgestellt, dass es ein munteres Kommen und Gehen von Schülern in den acht Jahren gab“, so die Schulleiterin.

Gewöhnungsbedürftig sei auch die Neueinteilung der Klassen zu Beginn der Qualifikationsphase mit den neuen Klassenlehrerinnen gewesen. „Die Anforderungen stiegen, die Motivation nicht unbedingt“, erinnerte Veronika Schimmel.

Alle Schüler zum Abi zugelassen

Das vierte Kurshalbjahr habe es auch ohne die Corona-Epidemie in sich gehabt. „Ihr habt das Vorabitur gestemmt. Und dies trotz beziehungsweise mit „Corona“. Es war kräftezehrend und bei manchen auch demotivierend. Auf der einen Seite war die Angst, was noch alles auf uns zukommt und auf der anderen Seite war die Bequemlichkeit, mit der man meinte , zum Ziel zu kommen. Aber alle 56 Schüler wurden zum Abitur zugelassen und wir haben uns sehr gefreut, ja waren sogar erstaunt über die sehr guten Leistungen vieler Schüler in den Prüfungen“, betonte Schimmel.

56 Schüler haben das Abiturzeugnis mit der Gesamtnote 2,31 erhalten. 17 Schüler haben einen Durchschnitt besser als 2,0 erreicht – Svenja Kröning, Pauline Svea Peters und Lena Hanfland haben die 1,0 geschafft.

„Sucht euren Platz im Leben. Wir haben nur den Grundstock gelegt. Bleibt weiter wissbegierig, denn ihr seid unsere Zukunft. Geht mit der Digitalisierung vernünftig um, euren Geist und das Denken kann Google nur auf Kosten eurer Intelligenz ersetzen und vergesst das Francisceum nicht, wo euer Anfang war. Bewahrt eure Offenheit und Menschlichkeit für die Zukunft, das braucht unsere Gesellschaft“, gab Schimmel ihren Schützlingen mit auf den weiteren Lebensweg.